Die S-Bahn beklagt sich über den steigenden Aufwand für die Entfernung von Graffiti. Andere freuen sich darüber, weil die fahrenden Wagen für viel Publikum sorgen.von Christine Bödicker

Zu fleißige Sprüher: Die S-Bahn kommt mit dem Säubern der Wagen nicht hinterher. Bild: dpa
Bundespolizei und S-Bahn beklagen: In Hamburg wird wieder mehr gesprayt. „Wir haben seit letztem August ungefähr 25 Prozent mehr Aufwand für die Entfernung von Schmierereien“, sagt Sabine Brunkhorst von der S-Bahn. Das Ziel, besprühte S-Bahnen innerhalb von 24 Stunden zu reinigen, könne man momentan nicht erfüllen. Das Betriebswerk Ohlsdorf sei aufgrund der vielen Fälle mit der Reinigung überfordert.
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50 Millionen Euro kosten die Bahn Vandalismus und Graffiti bundesweit jährlich. Zahlen für Hamburg will Brunkhorst nicht herausgeben. Und überhaupt: Die Bahn hält sich bei dem Thema aus Angst vor Nachahmereffekten bedeckt. Laut Kriminalstatistik sind die Strafanzeigen wegen Graffiti in Hamburg von 2010 bis 2011 um 12,7 Prozent auf 3.814 Fälle zurückgegangen.
„Ich freue mich, dass die Szene jetzt wieder auflebt“, sagt Annika Fitz, Autorin eines Buches über Streetart und früher selbst Teil der Szene. „Für mich ist das Kunst.“ S-Bahnen seien ein besonderer Platz, weil sie durch die Stadt fahren und von vielen Leuten gesehen würden. Wegen des Risikos bekomme man besonders viel „fame“, also Anerkennung, für sein Bild auf einer S-Bahn. „Wenn du ein Silberbild an eine Hauswand malst – womöglich noch mit Erlaubnis des Besitzers – dann kräht kein Hahn nach dir“, sagt sie.
Vor der Gefahr, die die S-Bahn für die Sprayer attraktiv macht, warnt Rüdiger Carstens von der Bundespolizei: „Die Täter begeben sich im S-Bahn-Bereich in Lebensgefahr – da geht es um 1.200 Volt Gleichstrom, viele unterschätzen das.“ Im Januar war ein 26-jähriger Sprayer in der Nähe des Bahnhofs Dammtor von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden.
Man habe in den letzten Monaten festgestellt, dass die Szene wieder aktiver werde, sagt Carstens. Deshalb hat die Bundespolizei reagiert und die Zahl der Beamten aufgestockt, die nun auch nachts verstärkt auf Streife gehen. Wird ein Sprayer erwischt, wird er vorläufig festgenommen und ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet. Es drohen hohe Geldstrafen und bis zu zwei Jahre Freiheitsentzug.
Barbara Uduwerella hilft mit ihrem Projekt „HipHop Hamburg“ seit Jahren Jugendlichen, die mit einer Strafanzeige wegen Graffitis kämpfen. „Würde die Bahn fairer mit Sprühern umgehen, wäre die Motivation nicht so groß“, sagt Uduwerella. Sie spielt auf die angebliche Misshandlung des Hamburger Künstlers Oz durch Beamte der S-Bahn-Wache vor einigen Jahren an.
„Die S-Bahn will die harte Linie durchziehen“, sagt die 70-Jährige, die zu dem Thema schon als Expertin im Bundestag angehört wurde. „Damit erzeugt man Gegenaggressionen und die Sprayer wehren sich mit Heimtücke: Indem zum Beispiel Eier mit Farbe gefüllt werden.“ Diese fallen bei Kontrollen nicht auf – und verteilen die Farbe als Wurfgeschosse großflächig.
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Leserkommentare
18.09.2012 08:52 | hackbeil
wenn ich während der bahnfahrt nicht aus dem fenster glotzen kann, find ich das auch doof. Aber aus dem fenster schauen und ...
14.09.2012 08:46 | Eckbrecht
Find ich gut ,vom Künstlerischen her ,Gewissensprobleme hät ich bei dem ganzen gift was so beim spayen rumfliegt und Dosenm ...
12.09.2012 13:26 | wabohu
mehr grafitti, weniger werbung!