Bastian Pastewka über neue Komödie

„Dieser Film braucht mich nicht“

In seiner neuen Komödie „Mutter muss weg“ ist Bastian Pastewka nur einer unter großartigen Schauspielern. Er darf mehr sein als nur komisch.

Mutter (Judy Winter) und Muttersöhnchen (Bastian Pastewka).  Bild: ZDF/Julia Terjung

taz: Herr Pastewka, wollen Sie jetzt ein richtiger Schauspieler werden?

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Bastian Pastewka: Wie kommen Sie darauf?

Weil „Mutter muss weg“ zwar eine Komödie ist, sich aber recht deutlich von dem unterscheidet, wie wir Sie kennen. Was hat Sie an dem Film gereizt?

Die Rolle selbst und die skurrile, herrlich verirrte Geschichte. Ich spiele ein Muttersöhnchen namens Tristan. Aber zum Glück gehen das Buch von Marc Terjung und die Inszenierung von Edward Berger weit darüber hinaus, dass ich geseitenscheitelt durch den Plot tapse: Der Film setzt ein, als dieser Tristan beschließt, sich nach 40 Jahren von der Knute seiner dominanten Mutter zu befreien. Aber sich so spät noch mal fundamental zu ändern klappt nie. Ich will ja nicht zu viel verraten, aber auch Tristan gelingt das eventuell nicht vollständig. Doch diese permanente Überforderung, der Leidensdruck, ist natürlich der Nährboden fürs Komische.

Welche Rolle hat der Wunsch gespielt, als Schauspieler ernst genommen zu werden?

Das Komödiantische in mir zu leugnen, wäre Quatsch. Ich habe diese Rolle angenommen, weil ich das Gefühl hatte, etwas ausrichten zu können – auch wenn es mir dann schwer gefallen ist, Tristan zu spielen. Ich habe erst keinen Zugang gefunden. Das sollte ja eine Figur werden und kein Abziehbild.

40, Komiker, wurde ab 1996 mit der Sat.1-„Wochenshow“ bekannt. Er prägte die Edgar-Wallace-Kinoparodien „Der WiXXer“ (2004) und „Neues vom WiXXer (2007) als Koautor und Hauptdarsteller. Seit 2005 spielt er sich selbst in der Sat.1-Sitcom „Pastewka“. Zahlreiche Auszeichnungen (Deutscher Comedy- und Fernsehpreis, Grimme-Preis, Rose d’Or).

Wie haben Sie den Zugang schließlich gefunden?

Irgendwann ist mir aufgegangen, dass Tristan stets von seiner Umwelt hin- und hergestoßen wird wie eine Flipperkugel. Er kann sich nicht durchsetzen, hat sich noch nie laut erlebt und noch nie schön. Das war der Anker. Bei „Pastewka“ helfen mir immer wieder Anleihen aus meinem Privatleben. „Mutter muss weg“ hat nichts mit mir zu tun. Das war die Schwierigkeit. Und zugleich der Reiz.

Das Presseheft liest sich so, als hätte es „Mutter muss weg“ ohne Ihre Zusage nicht gegeben.

Das glaube ich nicht. Ich war offenbar der Erste, den sie gefragt haben. Mit mir im Kopf wurde das Buch erarbeitet, vom Treatment zu einer ersten, zweiten, dritten Drehbuchfassung. Alle Beteiligten wussten aber – so fair wollte ich sein –, dass ich bei Nichtgefallen meine Ausstiegsklausel einsetzen würde. Und dann hätten sie einen Kollegen fragen können, der das sicher wunderbar gemacht hätte. Und ich wäre kein Stück böse gewesen.

Als Publikumsliebling können Sie mit Absagen unter Umständen ein ganzes Projekt gefährden.

Natürlich geht man in so einem Falle sehr genau mit sich ins Gericht. Zum Glück habe ich aber sehr gute Antennen dafür, wenn die Interessen der Beteiligten unüberbrückbar auseinanderdriften. Es ist mir aber auch schon passiert, dass ich, weil ich ein netter Mensch sein wollte, gegen mein Bauchgefühl entschieden und erst unnötig spät die Notbremse gezogen habe. Dann ist man zwangsläufig das Arschloch.

Zumindest „Pastewka“ würde es ohne Sie nun wirklich nicht geben. Wie sehr spüren Sie die Verantwortung gegenüber dem Format?

Inhaltlich drücke ich den Folgen nur zu einem sehr geringen Prozentsatz meinen Stempel auf, den Löwenanteil bei „Pastewka“ übernehmen meine Autoren Chris Geletneky und Sascha Albrecht …

die Sie immer brav erwähnen. Man könnte ja auch sagen: Mein Name ist Bastian Pastewka, und ich rocke das Haus.

Aber wenn es einfach nicht stimmt? „Pastewka“ ist eine Ensemble-Comedyshow. Meine Verantwortung für die Serie äußert sich etwa darin, dass ich am Set einen Gastgeberkomplex entwickelt habe. Gästen gegenüber, die nur ein, zwei Tage mit uns vor der Kamera stehen, verhalte ich mich genauso, wie wenn ich bei mir zu Hause Besuch habe. Manchmal sehe ich mich in dieser Rolle aber auch gezwungen, Schaupielern mit einer Tagesrolle zu erklären, dass sie nicht so dick auftragen müssen, als würden sie sich für die Rückkehr der „Camper“ bei RTL qualifizieren wollen. Der Einzige, der überziehen darf, bin ich. Letztlich ist es wichtig, dass wir alle zusammen als Vehikel einer 22-minütigen Folge und einer Geschichte funktionieren.

Wie sehr Gemeinschaftswerk ist „Mutter muss weg“?

Da ist das prinzipiell nicht anders. Das Ensemble – Judy Winter, Rosalie Thomass, Karoline Eichhorn – kurz einatmen, ausatmen, Griff ans Herz – Jörg Hartmann, Jürgen Schornagel, Albert Kitzl, Götz Schubert besteht durchweg aus Granatenschauspielern. Anders gesagt: Dieser Film braucht mich nicht.

Sie kokettieren.

Nein, ich bin ehrlich dankbar, dass ich dabei sein und im Zusammenspiel mit so großartigen Kollegen meine Grenzen ausloten durfte. Wenn mir Karoline Eichhorn als strenge Therapeutin gegenüber sitzt, könnte ich auch aus dem Bild gehen und die Szene wäre genauso gut. Oder Judy Winter mit ihrem wahnsinnig exakten Timing und ihrer tollen Stimme, die auch im Leichten etwas Boshaftes versteckt, die im Schweren immer etwas Heiteres hat. Bei Leuten, vor denen ich Hochachtung habe, verwandele ich mich in einen Fan.

Jetzt spricht der Fernsehliebhaber Bastian Pastewka.

Ja, so ist es. Sollen die Leute doch sagen: Dieser Pawelka ist ein Komiker, der in dem Film nichts verloren hat mit seiner bescheuerten Brille. Ich jedenfalls bin froh, dass „Mutter muss weg“ durch dieses Ensemble und die Regie von Edward Berger, den ich hier gar nicht oft genug erwähnen möchte und kann, ein gesunder, stimmiger Film geworden ist, mit einem klaren Aroma, einer klaren Marke.

Sie scheinen regelrecht verliebt.

Ich bin noch in der Anbahnungsphase, eben weil dieser 90-Minüter mir nicht leicht gefallen ist. Es fällt mir schwer, hier Maßstäbe anzulegen, zu sagen: Der Film ist gut, weil … Ich habe die Argumente noch nicht, aber mein Instinkt sagt mir, dass er uns gelungen ist, weil sehr viele Menschen unfassbar sorgfältig darauf geachtet haben, dass nichts Zufälliges in diesem Film ist. Vorhin sagte eine Dame, die den Film gesehen hat: „Ich habe über Ihren Film nicht gelacht, aber ich fand ihn wahnsinnig komisch.“ Das war das größte Lob, das ich seit langem bekommen habe.

Auch weil es mit einer Pastewka-Erwartungshaltung bricht?

Nee, weil die Pastewka-Erwartungshaltung bedient wird, aber trotzdem irgendwas zurückbleibt, was einen den Film – nicht meine Person – anders rezipieren lässt. Da ist noch so ein kleiner Haken dran.

Ein Subtext?

Ja, ein Subtext, genau. Das könnte es sein.

Ist doch super.

Ich glaube auch. Schreiben Sie das ruhig: Der Film „Mutter muss weg“ ist super.

Selbst wenn der Film schlecht wäre – man könnte Ihnen dazu gratulieren, dass Sie sich auf dieses für Sie recht dünne Eis gewagt haben.

Dafür brauchte es aber keinen besonderen Mut. Ich habe mich in die Hände von Marc Terjung und Edward Berger begeben, die genau wussten, was sie wollten. Ich habe keine Sekunde gedacht: Oh mein Gott, hoffentlich spiele ich mit „Mutter muss weg“ nicht mein Image kaputt. Ich weiß ohnehin nicht, was das Publikum von mir erwartet. Dafür sind die Reaktionen auf meine Arbeit zu vielfältig und widersprüchlich. Bei Wolfgang & Anneliese …

dem Volksmusikalbtraumpaar, das Sie 2007 gemeinsam mit Anke Engelke für Sat.1 kreiert haben …

… hielten Anke und ich es durchaus für möglich, dass wir uns später mal dafür schämen würden. Ich kann sowieso nie alle zufriedenstellen und hüte mich davor, die tatsächlichen oder unterstellten Erwartungen der Zuschauer zu meiner Richtschnur zu machen.

Was ist dann Ihre Richtschnur?

Die Begeisterung. Ich kann meinen komischen Pastewka-Körper nur einer Figur zur Verfügung stellen, wenn ich Lust darauf habe. Und diese Lust auch von den Machern der jeweiligen Show oder Sendung ehrlich gefördert wird und keine Bedenkenträger Angst vor dem bösen Wort „Komödie“ haben. Denn wenn der Spirit von meiner Seite stimmt, überträgt sich das auch auf den Zuschauer.

Ist es nicht fürchterlich anstrengend, ständig so viel Begeisterung aufzubringen?

Ja. Daher nehme ich mir immer wieder mal Auszeiten. Dann gucke ich Fernsehen, gehe mit Leuten ins Restaurant, danach gucke ich wieder Fernsehen. Diese Pausen sind die Voraussetzung dafür, dass meine Arbeit nicht maschinell wird. Dass Begeisterung wieder wachsen kann.

Keine Angst, dass man Sie vergisst?

Keine Ahnung. Hape Kerkeling macht es doch fantastisch vor, wie alles übrigens. Er ist immer sensationell. Und dann macht er wieder zwei Jahre Pause, um sich den nächsten Horst Schlämmer auszudenken. Und „Wetten, dass..?“ übernimmt er bewusst nicht, weil er weiß, dass er dann Teil einer Mühle wäre und keine Pausen mehr machen könnte. So. Und hat das Publikum Hape Kerkeling jemals vergessen? Nein. Weil er ein Knaller ist! Scheiße. Ich habe immer versucht zu verbergen, dass ich neidisch bin auf Hape Kerkeling. Und heute ist es mir rausgerutscht. Hape Kerkeling ist der beste Komiker Deutschlands. Ich konnte ihn noch nie leiden.

„Mutter muss weg“, 18.10., ZDF, 20.15 Uhr

 

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