Sie kann es nicht allen recht machen – will sie auch nicht. Die Schauspielerin Julie Delpy ist smart und vor allem eins: schnell. von Enrico Ippolito

Schattenspiele: Die Schauspielerin Julie Delpy in Berlin. Bild: dpa
Sie wird geliebt oder gehasst. Keine Grauzone. Die französische Schauspielerin Julie Delpy stellt Richard Linklaters „Before Midnight“ (außer Konkurrenz) in Berlin vor. Auf der Pressekonferenz sitzt sie neben dem Regisseur, ihr Filmpartner Ethan Hawke ganz außen. Sie trägt ein klassisches schwarzes Kleid, ihre Haare einfach so lose hochgesteckt. Wie sie da sitzt, so wahnsinnig natürlich, so ätherisch.
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Vor 18 Jahren spielte die mittlerweile 43-jährige Delpy die gleiche Rolle, in „Before Sunrise“, dem ersten Teil der Trilogie von Linklater. Einem Film, der sie außerhalb Frankreichs bekannt machte, in dem ein wenig ihr Herzblut steckt. Ein Film über Liebe, über zwischenmenschliche Beziehungen – mit schnellen und intelligenten Dialogen.
Delpy kann einem Angst machen, sie ist keine dumme Gans. Wenn Fragen an sie gerichtet werden, hört sie sehr aufmerksam zu. Sie hat Humor und antwortet schnell. Vor allem die Dynamik zwischen Ethan Hawke und ihr überträgt sich auch auf die Pressekonferenz. Was für Erfahrungen sie miteinander gemacht haben, will eine Journalistin wissen. „Schreckliche“, antwortet sie. Ethan Hawke kontert: „Es war eine Schüler-Lehrer-Beziehung.“
Auf die Frage, ob sie einen nächsten Teil drehen wollen, sagt Hawke: „Ich würde gern die Grenzen sprengen – auf eine pornografische Art und Weise.“ Delpy zögert keine Sekunde und antwortet: „Ich widerstehe. Vielleicht, wenn ich 80 Jahre alt bin.“ Diesen Schlagabtausch, den beherrschen sie beide. Delpy geht auch oft dazwischen, wenn Linklater oder Hawke antwortet, dann entschuldigt sie sich und lacht. Das wirkt nie unhöflich oder besserwisserisch.
Auch Ethan Hawke kann seine Verehrung für Delpy nicht verbergen: „Sie ist leidenschaftlich, talentiert und hat ein unglaubliches Wissen über Film. Mit 23 Jahren war sie schon eine weise Person.“ Julie Delpy wächst in Paris als Tochter eines Schauspielerehepaares auf. Mit 14 Jahren wird sie von Jean-Luc Godard entdeckt. Eigentlich Grund genug abzuheben, doch darauf legt sie es nicht an. Sie konzentriert sich lieber auf ihre eigene Arbeit, auf ihre Regie („2 Tage Paris“), auf ihre Musik, ihre Malerei, auf ihre Drehbücher („Die Gräfin“, die „Before“-Serie).
Dann kommt die Frage, die kommen muss, wenn man als Schauspielerin dreimal dieselbe Figur gespielt hat: „Was haben Sie und Ihre Filmfigur gemeinsam?“. Fiktion sei Fiktion, sagt Delpy – und ergänzt: „Ich wünschte, ich könnte so streiten.“ Kann sie.
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