Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn präsentiert sich bei seiner Vorstellung als neuer BER-Boss gewohnt selbstbewusst: „Ich gehe einen geraden Weg“.von Sebastian Heiser

Vermeintliche Macher beim Posen: Wowereit und Mehdorn am Freitag. Bild: reuters
Hartmut Mehdorn und Matthias Platzeck drängeln sich durch den Pulk von Journalisten, Klaus Wowereit folgt erst in der zweiten Reihe. Minutenlang blitzen die Fotojournalisten mit ihren Kameras, bis Platzeck – SPD-Ministerpräsident Brandenburgs und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft – die Pressekonferenz auf dem Gelände des neuen Flughafens BER in Schönefeld eröffnet. Platzeck sitzt in der Mitte. „Wir beide kennen uns gut, schon seit dem vergangenen Jahrhundert“, sagt Platzeck und schaut nach rechts zu Mehdorn. Der schaut zurück, beide nicken sich zu und lächeln.
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Mehdorn tritt an diesem Freitag gewohnt breitbeinig auf und gibt den starken Max. Er werde „alles tun, um die Fertigstellung des Flughafens zu beschleunigen“, sagt der 70-Jährige, der erst im Januar den Chefposten bei Air Berlin geräumt hat. „Berlin braucht den Flughafen.“ Er sei „zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können.“ Schwierigkeiten scheue er nicht: „Ich bin bekannt dafür, dass ich einen geraden Weg gehe.“
Irgendwann darf auch Wowereit reden, der im Januar als Konsequenz aus dem Flughafen-Debakel den Aufsichtsratsvorsitz an Platzeck weitergegeben hatte. „In der Tat, er hat Ecken und Kanten“, sagt er über Mehdorn. Der nickt. „Und die werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen“, sagt Wowereit. Mehdorn nickt noch stärker. Jedenfalls habe Mehdorn die „volle Unterstützung aller drei Gesellschafter“.
Beim Nachtflugverbot schlug sich Mehdorn auf die Seite von Wowereit, der ein Flugstopp von Mitternacht bis 5 Uhr für ausreichend hält. Platzeck hingegen hatte sich den Forderungen eines Volksbegehrens angeschlossen, das Flugverbot auf 22 bis 6 Uhr auszuweiten. „Für Berlin ist es wichtig, dass es möglichst gut erreichbar ist“, sagte Mehdorn. „Mobilität verursacht immer Lärm.“
Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, kritisierte: „Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat zuverlässig vom Gegenteil.“ Mehdorn habe als Bahnchef zehn Jahre lang das Milliardengrab Stuttgart 21 vorangetrieben. In Berlin und Brandenburg erinnerten Politiker daran, dass Mehdorn auch für das jahrelange S-Bahn-Chaos Verantwortung trage.
Der Vorsitzende des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piratenpartei), nannte die Personalie einfallslos und warf angesichts der Querelen der letzten Wochen die Frage auf, wie sich Mehdorn trotz zerstrittener Gesellschafter bewähren solle.
CDU-Generalsekretär Kai Wegner kommentierte, die Personalie sei „eine gute Nachricht“. Damit habe eine „unsägliche Hängepartie endlich ein Ende“. Die Flughafengesellschaft war knapp zwei Monate ohne Vorstandsvorsitzenden, nachdem der Aufsichtsrat den bisherigen Chef Rainer Schwarz am 16. Januar abgesetzt hatte. „Hartmut Mehdorn ist ein gestandener Manager, der vor großen Herausforderungen nicht zurückschreckt“, so Wegner. Als Ex-Chef einer Airline kenne Mehdorn zudem die Belange der Fluggesellschaften.
In Berlin-Schönefeld entsteht der neue Airport Berlin Brandenburg International (BER) - die Frage ist nur, wann er fertig wird. Eigentlich sollte der Flughafen, der auch den Namen des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters und Bundeskanzlers Willy Brandt trägt, bereits 2011 eröffnet werden.
Das musste jedoch verschoben werden. Auch die lang angepeilte Einweihung Anfang Juni 2012 klappte nicht - sie wurde nur vier Wochen vorher abgesagt. Und auch der dritte Termin - März 2013 - ist bereits durch den Oktober 2013 ersetzt worden. Unterdessen explodieren die Kosten: Statt 2,5 Milliarden Euro wird derzeit mit mindestens 4,5 Milliarden Euro gerechnet.
Auch die Politik steht unter Druck - vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zugleich Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft ist.
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Leserkommentare
10.03.2013 00:51 | oh Gott
Mit Mehdorn geht es "auf geraden Weg" in den Untergang. ...
09.03.2013 13:12 | Tim Leuther
Renate Künast kritisiert so vorhersagbar und flach, man könnte Sie auch durch eine Argumentationsbaum ersetzen. ...
09.03.2013 11:01 | Weinberg
"Der dreifache Bock wird Gärtner beim BER"