Der dänische Braukonzern, Hauptsponsor der EM, liefert sich mit anderen Herstellern einen harten Kampf auf dem ukrainischen Markt. Das treibt die Preise hoch.von Andreas Rüttenauer

Ohne Bier kein Fußball. Auch nicht in der Ukraine. Bild: dapd
KIEW taz | Die erste Bilanz ist gezogen. In Kiew läuft das Bier besonders gut. In der Fanzone im Stadtzentrum wurden schon mehr als 200.000 Liter Bier verkauft. Das freut vor allem den dänischen Braukonzern Carlsberg, der diese Zahl veröffentlicht hat.
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Carlsberg ist einer der Hauptsponsoren der EM. Als solcher ist er omnipräsent – am Rande des Spielfelds auf der Bandenwerbung, auf den Köpfen der Fans, die sich die gelabelten Fanperrücken aufsetzen, an den Bierständen in den Stadien und Fanzonen und nach den Partien, wenn der Konzern den Spieler des Spiels präsentieren darf.
Hier präsentiert sich Carlsberg als Biermarke von Welt. Doch in der Ukraine geht es noch um etwas anderes. Die Dänen, bis jetzt drittgrößter Wettbewerber am Markt, setzen große Hoffnungen auf den Biermarkt in Osteuropa. Aus der Ukraine soll möglichst bald schon möglichst viel Geld ins Stammhaus fließen.
Die Ukraine ist ein Bierland. Das ist schwer zu übersehen. In der Kiewer Innenstadt steht im Sommer auf beinahe jedem freien Stückchen Trottoir ein Durchlaufkühler, durch den Bier und Kwas läuft – jenes Malzgebräu, das es sommers es auch in Russland an jeder Straßenecke zu kaufen gibt. Kein Wunder, dass sich die großen Bierkonzerne regelrecht auf das Land gestürzt haben, sobald dies möglich war.
Der größte Bierkonzern der Welt, die amerikanisch-belgische Anheuser-Busch InBev, ist ebenso aktiv wie Carlsberg. Als einheimischer Wettbewerber kann da nur das Kiewer Brauhaus Obolon mithalten.
Auch Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine, hat einst große Erwartungen in den Biermarkt gesetzt. Seine Holding SCM verkaufte indes die verlustbringenden Beteiligungen an der Sarmat-Gruppe an den südafrikanisch-amerikanischen Brauriesen SAB-Miller
So sind die bekanntesten ukrainischen Brauereien längst von international agierenden Konzernen geschluckt worden. Das bekannteste Bier des Landes ist das 1715er aus der Lemberger Brauerei Lwiwske. Doch auch das Brauhaus, das als älteste Brauerei der Ukraine vor allem mit Tradition wirbt, gehört zum Carlsberg-Imperium. Und wer sich in den Fanzonen darüber freut, dass es neben dem Sponsorengebräu auch lokale Biere zu kaufen gibt, der weiß oft gar nicht, dass auch da Carlsberg drin ist, wo nicht Carlsberg draufsteht.
Das Bier mit den einheimischen Namen ist billiger als die Sponsorensoße – nicht nur in den Fanzonen. Da zahlen die Trinker 20 bis 25 Hriwna (1 bis 2,50 Euro) für einen Halbliterbecher. Ein Becher 1715er kostet 15 bis 20 Hriwna. Auch an Straßenschänken, in Cafés und Bars hat man meist die Auswahl zwischen einer billigen einheimischen Marke und teurem international daherkommendem Gesöff.
An jeder Zapfanlage mit mehr als einem Hahn ist zu sehen, warum der ukrainische Biermarkt so schwierig ist. Für ein Bier mit ukrainischem Namen muss man oft nicht mehr als 7 Hriwna (70 Cent) zahlen. Die als Premiumbiere vermarkteten internationalen Marken wie Staropramen oder Stella Artois (Anheuser-Busch InBev) oder eben Carlsberg und seine Hausmarke Tuborg kosten oft doppelt so viel.
Ziel der Konzerne ist es, höhere Preise auf dem ukrainischen Markt durchzusetzen. Nur dann lohnt sich das Engagement. Gebraut werden auch die großen Marken ohnehin ganz billig in den ukrainischen Brauereien. Ein ukrainisches Carlsberg kostet in der Herstellung nicht mehr als ein 1715er. Es lässt sich nur teurer verkaufen.
Das hat auf den Fanzonen bisher ganz gut geklappt. Woanders hingegen ist kein Fußballbierboom zu spüren, meint Olga Nasonowa vom Branchenverband „Restaurant-Konsulting“. Vor allem die ausländischen Fans hätten die Bars in der Innenstadt regelrecht gemieden. Das könne sich noch ändern. „Erst nach einer Woche haben die Restaurants begonnen, Speisekarten auf Englisch auszuhängen und Fernsehgeräte aufzustellen.“
Wer aber das Zentrum verlässt, der wird sich schwertun, überhaupt eine Kneipe zu finden, die Fußballspiele überträgt. Das liegt sicher auch an den Anstoßzeiten. Damit die Mitteleuropäer die Spiele zu ihrer gewohnten Fernsehzeit verfolgen können, werden sie in der Ukraine erst um 21.45 Uhr angepfiffen – kurz bevor viele Cafés schließen. Die meisten Sonnenschirme, deren Aufdrucke vom ukrainischen Bierkrieg zwischen Anheuser-Busch, Carlsberg und Obolon zeugen, sind da meist schon nicht mehr aufgespannt.
Noch ein Wort zum beim Turnier omnipräsenten Carlsberg. Wer in Hamburg in seiner Szenekneipe selig an seinem Astrafläschchen nuckelt, auch der trinkt Bier vom dänischen Braukonzern, zu dem auch die Marken Hannen Alt, Holsten und Lübzer gehören.
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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Leserkommentare
01.03.2013 13:20 | Soßenschnecke
Sponsorensoße...gut gesagt. Wer diese ekelige Fu$$ball-Plörre freiwillig trinkt, hat wohl nichts besseres verdient. ...
27.02.2013 20:46 | Max
der artikel wertet, und zwar am thema vorbei: man mag einen einheitsgeschmack, einen sich angleichenden gehalt an hopfen un ...
29.06.2012 12:42 | besserwessi
südafrikanisch-amerikanischen