„Bild.de“-Chef Julian Reichelt steigt auf

Streitlustiger Rechtskonservativer

Bild.de-Chef Julian Reichelt wird Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktionen. Bekannt ist er vor allem für Provokation in sozialen Medien.

Julian Reichelt im Porträt

Zuletzt schrieb der 36-Jährige gegen die Anti-Trump-Stimmung in Deutschland an Foto: dpa

BERLIN taz | Julian Reichelt wird Vorsitzender der vier Bild-Chefredaktionen. Das gab der Springer-Verlag am Montag bekannt. Der Chefredakteur von Bild.de ist damit für die komplette „rote Gruppe“ verantwortlich und entscheidungsbefugt. Dazu gehören noch Bild (Chefredaktion Tanit Koch), Bild am Sonntag (Marion Horn) und B.Z., deren Chefredaktion die bisherige Stellvertretende Miriam Krekel übernimmt. Das Amt „Vorsitzender der Chefredaktionen“ ist neu. Bisher hatte Kai Diekmann als Herausgeber die Entscheidungsmacht über die Marke Bild. Dieser Posten wird nicht neu besetzt.

Reichelt gilt als streitlustiger Rechtskonservativer. Bekannt ist der 36-Jährige vor allem für seine provokativen Äußerungen in den sozialen Medien. Zuletzt verteidigte Reichelt die Ankündigung von US-Präsident Trump, für Christen aus den von ihm mit einem Einreisestopp belegten Ländern eine Ausnahme zu machen, mit der Begründung, Christen würden „in muslimischen Ländern deutlich häufiger und blutrünstiger verfolgt“ als Muslime in christlichen Ländern.

Dass Online-Chef Reichelt und nicht Bild-Chefin Tanit Koch den Vorsitz übernimmt, kann als Online-first-Ausrichtung bei Springer verstanden werden. Während die Auflage der gedruckten Zeitung seit Jahren dramatisch sinkt, zieht das Onlineportal stabil rund 20 Millionen BesucherInnen im Monat und war damit 2016 die deutsche Nachrichtenseite mit der größten Reichweite. Zuletzt war Springer aggressiv gegen die Verwendung von Adblockern vorgegangen, was darauf hindeutet, dass der Konzern sein Zukunftsgeschäft online sieht.

Der bisherige B.Z.-Chef Peter Huth wird derweil Chefredakteur der Welt am Sonntag. Huth hatte sich als B.Z.-Chef durch antirassistische Titelseiten einen Namen gemacht, die auch unter Linken Anklang fanden. Er besetzt den Platz von Beat Balzli, der zur Wirtschaftswoche wechselt.

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