Blockupy in Frankfurt

Kein Stein flog gegen Flüchtlingsheim

Blockupy soll ein Flüchtlingsheim angegriffen haben, hieß es. Jetzt ist klar: Nicht das Heim, sondern ein nahes Hotel wurde durch Steinwürfen beschädigt.

Die Vorwürfe gegen Blockupy seien „völliger Quatsch“, so Mitarbeiter des Heims des Kolpingwerkes.  Bild: reuters

BERLIN taz | Der Vorwurf wog schwer, politisch vermutlich schwerer als alles, was Polizei und Innenminister gegen das Blockupy-Bündnis vorbrachten: „Es ist nicht hinzunehmen, dass unbeteiligte Menschen bedroht und eine Unterkunft von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen mit Pflastersteinen beschädigt wird." Das erklärte am Mittwoch der Bundessekretär des Kolpingwerkes Deutschland, Ulrich Vollmer. Er bezog sich auf eine Kolping-Einrichtung in der Straße Allerheiligentor im Frankfurter Ostend, in der 20 Flüchtlinge leben.

Doch gegen diese Gebäude flog am Mittwoch kein Stein, alle Scheiben blieben ganz. Durch Steinwürfe beschädigt wurde lediglich die Tür eines ebenfalls vom Kolpingwerks betriebenen, kommerziellen Hotels in der Langen Straße. Das befindet sich aber um die Ecke in einem separaten Gebäude. Es hat lediglich denselben Träger.

Bei Telefonaten am Freitag hatten weder die Leiterin der Einrichtung, Claudia Menesch, noch der Sprecher des Kolpingwerks Deutschland, Martin Grünewald, diesen Unterschied für erwähnenswert gehalten. Grünewald hatte vielmehr die Forderung bekräftigt, die Vertreter der Blockupy-Bewegung mögen sich „gegenüber den betroffenen Flüchtlingen entschuldigen“.

Am Freitag war das Blockupy-Bündnis mit Recherchen beschäftigt, es hatte den Vorwurf auf Nachfrage weder bestätigt noch abgestritten. Erst am Samstag wies es den Vorwurf in einer Stellungnahme zurück. „Die Unterkunft ist nicht beschädigt worden“, sagte auch ein Mitarbeiter der Wohneinrichtung am Samstag der taz. Dass die Flüchtlinge am Mittwochvormittag im Haus bleiben sollten, habe daran gelegen, dass die Polizei Wasserwerfer postiert hatte. Andere Beschäftigte, die nicht zitiert werden wollten, nannten die Vorwürfe gegen Blockupy „völliger Quatsch“. Die Forderung nach einer Entschuldigng habe der Bundesverband in Köln aufgestellt. Der reagierte am Samstag nicht auf Anfrage.

Sollte Demo diskreditiert werden?

Hat das Kolpingwerk versucht, Flüchtlinge zu Blockupy-Opfern zu machen und damit die Demos zu diskreditieren? So sehen es Aktivisten des Bündnisses. „Blockupy setzt sich von jeher für die Rechte und die Sicherheit von Geflüchteten und gegen die mörderische Abschottungspolitik der EU ein“, schrieben sie am Samstag.

Antirassistische Netzwerke hätten nach Frankfurt mobilisiert, viele Flüchtlinge seien am 18. März mit auf der Straße gewesen. Sie verwiesen darauf, dass viele Blockupy AktivistInnen sich regelmäßig an Demonstrationen gegen Pegida und Naziaufmärschen beteiligen und „hierbei mehrfach Flüchtlingswohnheime mit ihren eigenen Körpern vor rechten Schlägertrupps geschützt“ hätten.

Der Versuch, einiger Rechtsradikaler, mit nationalistischen Parolen in den Demos Fuß zu fassen sei „absurd". Sie seien auf Anweisung des Blockupy-Anmelders Ulrich Wilken „von Ordner_innen herausgedrängt“ worden.

Update der Redaktion, 23. März 2015:

Das Kolpingwerk in Köln bestand am Montag gegenüber der taz darauf, dass es sich um denselben Gebäudekomplex handele. Bundessekretär Ulrich Volmer hatte in der vergangenen Woche deshalb eine „Entschuldigung bei den betroffenen Flüchtlingen“ gefordert. „Es ist nicht hinzunehmen, dass unbeteiligte Menschen bedroht und eine Unterkunft von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen mit Pflastersteinen beschädigt wird.“

Das Kolpingwerk verwies am Montag darauf, dass der Blockupy-Anmelder, der hessische Linken-Abgeordnete Ulrich Wilken, sich schließlich bereits entschuldigt habe. Doch der mag als Kronzeuge nicht herhalten: Er habe sich sehr wohl für die zerstörte Scheibe entschuldigt, nicht aber für einen Angriff auf ein Flüchtlingswohnheim, „denn den hat es nicht gegeben“, sagte Wilken am Montag der taz.

 

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