Bremen: Ein Umzug mit Folgen

Frauenheim muss umziehen

Ein Heim für geflüchtete Frauen soll von Osterholz nach Bremen-Nord ziehen. Ehrenamtliche beklagen, die Frauen würden aus ihrem Umfeld gerissen.

Sind besonders schutzbedürftig: alleinstehende geflüchtete Frauen. Foto: Patrick Pleul/dpa

BREMEN taz |Geflüchtete Frauen, die allein in Deutschland ankommen, benötigen besonderen Schutz. Seit knapp einem Jahr gibt es für sie in Bremen daher ein eigenes Übergangswohnheim mit 55 Plätzen auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost. Doch das soll geschlossen werden – und nach Bremen-Nord umziehen. In einem offenen Brief haben sich Ehrenamtliche am Dienstag an den Senat gewandt: Die Frauen würden damit aus ihrem sozialen Umfeld gerissen. Das Sozialressort erklärte, es gäbe kaum eine Alternative.

„Mit Sorge“ sehe sie den Umzug des Frauenwohnheimes, schreibt unter anderem Silvia Suchopar, Ansprechpartnerin für das ehrenamtliche Engagement in Bremen-Ost bei der AWO. Die Bewohnerinnen besuchten in Osterholz die naheliegende psychiatrische Tagesklinik oder das „Mütterzentrum OT“. Die Kinder gingen vor Ort in Schulen oder Kindergärten. Mit einem Umzug würden diese Kontakte und die Integrationsarbeit der Ehrenamtlichen „zunichte gemacht“.

Im letzten Jahr hatte ein Bürgerschaftsbeschluss fraktionsübergreifend einer separaten Unterkunft zugestimmt, um nach Berichten von sexuellen Übergriffen betroffenen Frauen einen Schutzraum zur Verfügung zu stellen. Derzeit steht ein zweites Wohnheim für gewaltbetroffene Flüchtlingsfrauen kurz vor der Fertigstellung.

Bei alleinstehenden Frauen seien die Fluchtgründe oft geschlechtsspezifisch, erklärt Mark Millies vom Flüchtlingsrat Bremen. Es sei wichtig, dass sie im Aufnahmeland nicht der gleichen Gefahr durch Männer ausgesetzt sind. Außerdem gebe es für Frauen in den Wohnheimen besondere Bedürfnisse, zum Beispiel die bauliche Rücksichtnahme auf Schwangere und Alleinerziehende. Es gebe aber auch viele Frauen, die mit ihren Familien leben möchten und daher keinen Bedarf an separaten Unterkünften hätten.

Für das Wohnheim auf dem Klinik-Gelände war der Mietvertrag von Anfang an befristet, im November soll es wohl geschlossen werden, die Krankenhausgesellschaft „Geno“ hat eigenen Bedarf angemeldet.

Als Alternative zu dem Umzug ins entfernte Bremen-Nord schlägt Suchopar in ihrem Brief das renovierte ehemalige Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des Stiftungsdorfes Ellener Hof vor, welches 35 Plätze bietet und in der Nähe wäre. Das Haus könne innerhalb von 14 Tagen bezogen werden.

Sozialressort-Sprecher Bernd Schneider erklärte jedoch, der Umzug nach Bremen-Nord sei alternativlos: „Vom Fassungsvermögen her ist das Gebäude dort für die Gruppe am geeignetsten“. Man wolle die Gruppe nicht trennen, auch der Kontakt zu den Betreuerinnen müsse bestehen bleiben.

Mit einem Umzug würde die

Integrationsarbeit zunichte

gemacht'

Und: Die Frauen könnten es als ungerecht empfinden, wenn ein Teil der Gruppe bleiben könne, sagte Schneider. Im Ellener Hof lägen gemischte Wohncontainer in wenigen Metern Entfernung, die Frauen seien dort daher vor Männern nicht ausreichend geschützt. Die Therapieplätze blieben bestehen, die Anfahrt sei mit den Öffentlichen Verkehrmitteln gut zu machen. „In einem Stadtstaat hat man kurze Wege.“

Suchopar plädiert dagegen für die Einquartierung speziell der traumatisierten Frauen im Ellener Hof, die nicht-traumatisierten Frauen könnten in den Wohncontainern der Nachbarschaft unterkommen. Am wichtigsten sei der Schutzraum am Abend in der Einrichtung.

Für Millies wäre hingegen die beste Lösung, den Frauen, sofern sie dazu bereit sind, zu eigenen Wohnungen zu verhelfen.

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