• 22.08.2012

Buch „Digitale Demenz“

Keinen Plan vom Netz

Computer und Netz wären keine Teufel – wenn Kinder in der Schule auf die digitale Welt vorbereitet würden, sagt Manfred Spitzer. Sein Buch leistet dazu keinen Beitrag.von André Spang

  • 03.10.2012 01:45 Uhr

    von Kommerz:

    Lieber Benutzer „Cern“,

    Der Erfinder des weltweiten Netzwerks heißt Tim Berners-Lee, nicht John. Das hätte sogar der digital verblödetste Internetnutzer mit einer schnellen Wikipedia-Recherche herausfinden können.

    Danke, dass du uns ein so perfektes Beispiel für die Richtigkeit von Herrn Spitzers Thesen gibst.

  • 23.09.2012 22:41 Uhr

    von K. Beewood:

    Dieser Artikel beschreibt meiner Meinung nach Thesen vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und somit verfälscht.
    Dass Tafeln nachgeäfft werden, wird an der Stelle erwähnt, als es darum geht, wieweit Lehrer überhaupt in der Lage sind mit Smartboards umzugehen. Nach einer Schulung fällt es ebendiesen meist schwer, das Potenzial auszuschöpfen und die Meisten sind gerade mal in der Lage, das Smartboard wie eine Tafel zu nutzen.
    Dass es für Schreibanfänger aber genauso wenig förderlich ist, Wortteile auf einem Bildschirm von rechts nach links zu schieben, um Wörter zu bilden und diese auch zu verinnerlichen, erklärt M. Spitzer dabei allerdings sehr plausibel. Das selbst geschriebene Wort, taktil und körperlich produziert, ist einfach die bessere Alternative als immer wiederkehrende Bewegungen mit einer Maus o.ä..

    Wer dieses Buch wirklich gelesen hat, sollte das auch so verstanden haben. Bei dem Artikel habe ich arge Zweifel daran, ob der Autor das auch selbst getan hat oder nur auf einen Zug aufspringt, der vorbeifährt und ein wenig polemisch gegen die Zweifel an dem ganzen Medienhype wettert.

    Dieses Buch ist sicherlich keine allwissende und ausschließlich wahre Bibel über den Nutzen oder Schaden von digitalen Medien, aber im Hinblick auf Kinder und die frühzeitige Einführung von Multimedialen "Wissensvermittlern" halte ich es für einen guten Warnhinweis, VERANTWORTUNGSBEWUSST mit diesen umzugehen. In der Regel sind aber die Kinder von einem verantwortungsbewussten Umgang weit entfernt, spielen und chatten mehr, als dass sie die Zeit an Computern der guten Bildung widmen.

    Ich für meinen Teil bin sehr dankbar, mit dem Internet erst im zarten Alter von 19 meine ersten Erfahrungen gemacht zu haben und jenseits von sozialen Netzwerken soziale Kompetenzen erlangt zu haben. Dieses Buch bestätigt mich in der Erziehung meiner Kinder und gibt mir jede Menge Munition für die Diskussionen, die mein großer Sohn nur zu gern zu dem Thema anstrengt.

  • 13.09.2012 14:08 Uhr

    von Susanne von Wellenbrink:

    Ich bin erschüttert dass die TAZ mit Ihrem Artikel so über dass Thema spricht, so dass auch ja alle sagen können, ja ist voll der quatsch...es geht darum die gefahren zu SEHEN nicht sie zu verteufeln. Immer gehts um diese Recherche und Wissensaneignung. Dass mag ja schön und gut sein....aber es geht doch eigentlich um den ganzen Rest...chatten, games spielen, sich durchklicken. Dann kann die TAZ ja auch gleich nen Artikel hinterherschieben dass Atomkraft ja toll ist.

  • 13.09.2012 13:15 Uhr

    von Benedikt Huber:

    Hallo,

    in meinem Bekanntenkreis habe ich zwei junge Männer Anfang 30 mit schweren Psychischen Störungen, der eine lebt in einer Psychiatrischen Einrichtung, der andere lebt bei seinen Eltern. Beide haben ihr zweites Lebensjahrzehnt, in dem sich das Gehirn normalerweise noch stark entwickelt, zu grossen Teilen beim Daddeln vor dem Bildschirm verbracht.
    Ich hingegen bin im Alter von 32 zum ersten Mal mit dem Computer in Berührung gekommen, was mich nicht hindert heute als Entwickler von Netzbasierten Datenbankanwendungen zu arbeiten. Ich bin froh dass ich als Kind nicht die Möglichkeit hatte meine für die Entwicklung Zeit auf diese Weise zu vertun.
    Ich möchte nicht wissen wie viele Schüler von Herrn Spang schwere Defizite davontragen werden und Teil eines jungen "Dementariats" werden, das weder Renten zahlen noch erhalten wird. Die Eliten schicken ihre Kinder in die Waldorfschule und unserem dementen Nachwuchs bleibt im Sinne Rudolf Steiners nur die eine oder andere Form der Euthanasie.

    Gruss, B. Huber

  • 08.09.2012 19:01 Uhr

    von lmx:

    Spitzers Kritik wird von den meisten Journalisten verheerend rezipiert. Man geht von der eigenen, selbstverständlich überragenden Medienkompetenz aus, fühlt sich angegriffen.
    Da ein Forscher sich aber nicht für eine (angebliche) Elite sondern für das ganze System interessiert wäre es von Vorteil den Blick auch mal in die sogenannten "bildungsfernen" Haushalte zu werfen.
    Speziell bei den Jungs gibt es mehrere Stunden am Tag gewaltverherrlichende Computerspiele oder Ballerspiele, den Eltern ist das eher wurscht. Die Kids treffen sich über entsprechende Portale, heftige Sexspielchen und Komasaufen sind normal.
    Wer sich nur ein wenig diesem Ausschnitt der aktuellen Realtät stellt kann über das Gefasel von souveräner Medienkompetenz nur traurig lachen.

  • 08.09.2012 16:18 Uhr

    von Cern:

    Guter Artikel, die Kritiker sollten bedenken:

    - Das WWW wurde am CERN von John Berners-Lee entwickelt, um den Austausch zwischen Wissenschaftlern zu erleichtern. John Berners-Lee ist mit Sicherheit nicht dement.
    - Die Datenberge lassen sich gar nicht mehr ohne digitale Medien/Suchmaschinen in den Griff bekommen.
    Wer hier keine Kompetenz hat, ist in unser Wissensgesellschaft verloren.
    - Die meisten Experimente, die im Buch angeführt werden, wurden selbst am Computerbildschirm durchgeführt. D.h auch die Kontrollgruppen die besser abschnitten, haben am Computer gesessen.
    - Das Einzelfall-Beispiel mit den Computerspiel ist mehr als unwissenschaftlich, zumal sich unsere Gesellschaft die Freiheit nimmt, jedes Jahr tausende von jungen Menschen real an der Waffe auszubilden. Die jungen Amokläufer (Winnenden, Erfurt) hatten reale soziale Probleme und eine reale Schießausbildung als "Sportschützen".
    Die Welt ist grau oder bunt, aber nicht nur schwarz und weiß - wie uns Manfred Spitzer weismachen möchte.

  • 27.08.2012 21:00 Uhr

    von Dr. Jörg Hallmann:

    Kann Herrn Mantscheff nur zustimmen. Leider hat der Herr Spang von Hirnforschung, Kindesentwicklung keine Ahnung. Ich sehe in meiner Praxis zunehmend verhaltensgestörte Kinder, aufmerksamkeitsgestörte Kinder, Kinder mit Teilleistungsstörungen und motorisch immer schlechter werdende Kinder. Ein Aspekt der zu dieser Entwicklung beiträgt ist die Form des Medienkonsum bei Kindern und das Vorbild der Eltern. Da bin ich mir sicher und Untersuchungen belegen dies eindeutig.

  • 27.08.2012 12:05 Uhr

    von Blunt:

    Man müsste jetzt Konkreteres über diesen Unterricht erfahren, um sich ein Urteil bilden zu können. Verdächtig sind mir allerdings schon allein Plastikwörter wie "produktorientiert" und "Materialpool". Exakt diese Sprache steht doch geradezu exemplarisch für den von Spitzer kritisierten Wandel: weg von einer ganzheitlichen Bildung des Menschen hin zu einer situativen Selbstbedienung aus "Pools" für indiviudelle "Projekte".

  • 25.08.2012 17:39 Uhr

    von Michel Schröder:

    Zuerst einmal: Ein guter Artikel. Ich glaube, dass insgesamt der Nutzen des Netzes größer ist als die "Gefahr". Ich bin der Meinung, und als Schüler habe ich da wohl einen besseren Blick als Spitzer, dass Medienkompetenz nicht im Unterricht vermittelt wird. Spitzers wirres hin und herspringen zwischen den Altersklassen in seinen Begründungen (erst Kleinkinder, dann auf einmal 8 oder 12-jährige) lässt sich sein Buch von selbst disqualifizieren. Hausaufgaben mit Hilfe des Internets zu machen, bedeutet keineswegs blindes Kopieren, nein, es bedeutet Selektion. Unterscheidung in nützlich und unnützlich, Reflexion der Inhalte etc. pp. Außerdem, was wohl keiner bemerkt, nutzt Spitzer viele Studien aus den Jahren 2002/2003 und einige sogar von 1998. Diese Studien können weder den aktuellen Technikstand reflektieren noch können sie international gelten. (Die meisten Quellen sind aus Japan/ Korea) - Ich plädiere dafür, dass wir die Schule revolutionieren müssen und vor allem die Gegebenheiten von heute sinnvoll einbinden, anstatt sie auszusperren. Sorry, Sascha Matscheff, aber Ihnen empfehle ich am ehesten,reflektierter solche Bücher, die nur zur Stimulation des "Nick-Muskels" geschrieben werden, zu lesen.

  • 23.08.2012 22:40 Uhr

    von von Rönn:

    Ihre Rezension basiert auf ihrem subjektiven Gefühl, dass die Arbeit am Computer einen Mehrwert an Lernerfolg bringt, sie bleibt aber einen konkreten Nachweis dafür schuldig.

    Wo bleiben denn die Zahlen und Statistiken, die Spitzer widerlegen?

  • 23.08.2012 21:26 Uhr

    von Sascha Mantscheff:

    André Spang hat nichts verstanden. Es geht nicht um die Vermittlung von digital aufbereiteten - fragwürdigen - Inhalten oder sogenannte Medienkompetenz oder die Art von Kreativität, die sich in Blogs Bahn bricht. Es geht darum, dass Kinder durch Begreifen und soziale Interaktion lernen, nicht aber durch Klicken und Glotzen. Spang greift sich den einen Aspekt heraus, den er kennt, nämlich den Einsatz von Computern für ganz bestimmte gestalterische Zwecke, und argumentiert sich den so zurecht, dass er die wesentlichen, nämlich entwicklungsphysiologischen, medizinischen und epidemiologischen Aspekte Spitzers nicht mehr erwähnen muss. Dass Kinder unter einem Regime des Bildschirms - wie auch immer der gefüttert wird - nachweislich dümmer werden als ohne, verschweigt er, und auch die gesellschaftlichen Implikationen. Also: Rezension vergessen, Buch lesen, selbst urteilen.

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