Buenos Aires / Montevideo

Programm der Reise

vom 11. bis 25. Oktober 2018

Fußgängerzone Caminito in Buenos Aires Bild: Archiv

1. Tag (Samstag)

Abflug gegen 22 Uhr von Frankfurt/M mit Iberia nach Buenos Aires.

2. Tag 

Nach der morgendlichen Ankunft gegen 7 Uhr am internationalen Flughafen von Buenos Aires fahren wir zum Hotel. Nach dem Einchecken bleibt Zeit fürs Erholen und Frisch-machen, und für ein richtiges Frühstück; dabei lernt die Gruppe sich kennen und der Reiseleiter erläutert das Programm der kommenden Tage.

Gegen Mittag lernen wir Buenos Aires bei einer Stadtrundfahrt kennen und erkunden dabei das Stadtviertel La Boca mit seinem Caminito, einer 100 m langen Fußgängerzone.

3. Tag 

Der heutige Tag steht im Zeichen des Peronismus. Ohne den Rückgriff auf Juan Domingo Perón (1895-1974), Militär, dreifacher Präsident, Populist, Caudillo, mit Gespür für die sozialen Bedürfnisse der Arbeiterklasse, Sympathisant von Mussolini und – bis heute umstritten – von Hitler, ist das politische System Argentiniens nicht zu verstehen. Seine Partei, allgemein als Peronistische Partei bezeichnet, trägt den offiziellen Namen „Partido Justicialista“ (Gerechtigkeitspartei).

Argentinisches Präsidentenpaar: Juan und Evita Perón Bild: Archiv

Seit dem Tod des politischen Übervaters streiten sich die Nachfolger darum, was Peronismus ist. Bekannter noch als er selbst wurde seine zweite Ehefrau Eva (Evita) Perón. Wir machen einen Themenstadtrundgang Peronismus mit dem Besuch des Grabes von Eva im Stadtteil Recoleta.

Am späten Nachmittag starten wir unseren Tango-Spaziergang, lassen uns die Anfänge und die aktuelle Situation des Tangos in Buenos Aires erzählen und werden den Tag mit einem Abendessen in der alten  Tangobar Los Laureles ausklingen lassen. Wer möchte, kann mittanzen.

4. Tag (Montag)

Am Vormittag besuchen wir zwei Märkte, die nur sonntags stattfinden: zunächst den Antiquitätenmarkt rund um die Plaza Dorego im Stadtviertel San Telmo. Diese Touristenattraktion entstand aus einem Flohmarkt, bei dem auch halb-professionelle "Straßentänzer" für gute Stimmung sorgen, natürlich zu Tango-Musik.

Im Catedral de Tango - Restaurant und Club in Buenos Aires Bild: Archiv

Der zweite Markt kommt ohne Tango aus: auf der lebhaften, bunten „Feria de Mataderos“ werden Kunsthandwerk aller Art, typische Gerichte und Folklore-Vorführungen aus verschiedenen Regionen Argentiniens geboten. Die Feria ist etwas weniger touristisch, da sie nicht im Zentrum liegt.

5. Tag

Argentiniens industrielle Form der Landwirtschaft macht krank. Überall dort, wo Soja, Mais oder Reis nach der Jahrtausendwende in großen Stil angebaut wurden, häufen sich neue Krankheitsbilder. Wurden 1990 in Argentinien erst 34 Millionen Liter an Agrarchemikalien verkauft, hat sich 2014 die Menge mit 380 Millionen Litern mehr als verzehnfacht.

Wir fahren nach Los Toldos in die Provinz Buenos Aires. Wir besuchen das „Foro Ambiental de Los Toldos“(Umweltforum von Los Toldos), eine Initiative von AnwohnerInnen, die sich gegen den Einsatz der Agrochemie auf den umliegenden Feldern wehrt.

Die Fahrt nach Los Toldos führt über Luján, dem wichtigsten Wallfahrtsort Argentiniens. Wir besuchen die Kathedrale, in der die Jungfrau von Lújan, die Schutzheilige des Landes steht. Hier verbindet sich am deutlichsten der nach wie vor prägende Katholizismus mit den nationalen Symbolen.

Verehrt und gut besucht - die Madonna von Lujan Bild: Archiv

Nach dem Treffen mit dem Umweltforum in Los Toldos fahren wir abends mit unserem Bus zurück ins Hotel nach Buenos Aires.

6. Tag 

Heute steigen wir in das Thema Solidarische Ökonomie ein. Wir besuchen die Alternativmedienkooperative „Lavaca“ (Die Kuh), die während der großen Krise von 2001 entstanden ist. Sie gibt auch die Monatszeitschrift „MU“ heraus.

Am Nachmittag besuchen wir eine der „Fabrica Recuperada“ (zurückgewonnene Fabrik), eine Fabrik, die von ihren Eigentümern in den Krisenjahren 2001 und 2002 über Nacht geschlossen und verlassen wurde und die von den ArbeiterInnen übernommen und als Kooperative wieder flott gemacht wurde.

7. Tag 

Wir bleiben beim Thema Solidarische Ökonomie und besuchen die alternative Gewerkschaftsbewegung „CTA“ (Central de Trabajadores de la Argentina - Zentrale der argentinischen Arbeiter), die vor allem ArbeiterInnen im informellen Sektor organisiert.

Im Parque de la Memoria wird an die Opfer der Militärdiktatur erinnert Bild: Archiv

Am Nachmittag stellt uns die Besetzer- und Mieterbewegung „Moi“ (Movimiento de Ocupantes e Inquilinos) ihr Konzept und ihre Projekte vor.

8. Tag

Nach wie vor treffen sich jeden Donnerstag die„Madres de Plaza de Mayo“ (Mütter des Platzes der Mairevolution) zu ihrem traditionellen Rundgehen auf der Plaza de Mayo im Zentrum von Buenos Aires. Die Organisation argentinischer Frauen erinnert damit seit 1977 an Kinder, die unter der Militärdiktatur (1976-1982) verschwanden. Auch für uns steht der heutige Tag unter dem Thema Menschenrechtsverbrechen und Diktatur.

Wir beginnen mit einem Besuch Mahnmal für die Opfer des Staatsterrorismus, das auf dem 14 Hektar großen „Parque de la Memoria“am Ufer des Río de la Plata steht. An seinen vier Stelen mit 30.000 Steinziegeln sind bisher rund 9000 Namen von Verschwundenen und Ermordeten eingraviert, darunter auch die deutsche Studentin Elisabeth Käsemann, die 1977 verschleppt und ermordet wurde.

Wir fahren weiter zur der „Escuela Superior de Mecánica de la Armada“ (Mechaniker-schule der Marine). Hier war eines der größten geheimen Haft- und Folterzentren der Militärdiktatur; daran erinnert heute die Gedenkstätte „Espacio Memoria y Derechos Humanos“ (Raum für Erinnerung und Menschenrechte). Wir besuchen die Großmütter der Plaza de Mayo, die auf der Suche nach ihren rund 400 verschwundenen Enkelkindern über 120 finden konnten.

Die Großmütter der Plaza de Mayo - seit 1977 politisch aktiv Bild: Archiv

An Nachmittag wollen wir die „Madres de Plaza de Mayo“ bei ihrem traditionellen Rundgehen auf der Plaza de Mayo begleiten.

9. Tag 

Ein Rundgang im traditionell jüdischen Stadtviertel Balvanera, das von allen "Once" genannt wird, führt uns zu dem Gebäude des jüdischen Hilfswerkes „AMIA“, auf das 1994 der größte Terroranschlag in der argentinischen Geschichte verübt wurde. 85 Menschen wurden getötet.

Wir treffen uns mit Vertretern einer Angehörigenorganisation der Opfer, sprechen darüber, warum der Anschlag bis heute nicht aufgeklärt ist und was dies mit dem Tod des ermittelnden Staatsanwalts im Januar 2014 zu tun hat.

10. Tag

Nach dem Frühstück müssen wir Abschied nehmen von Buenos Aires. Eine schnelle Fähre bringt uns in einer guten Stunde über den Río de la Plata nach Colonia del Sacramento, der ältesten Stadt Uruguays.

Colonia de Sacramento mit Blick auf den Rio de la Plata Bild: Archiv

Die Altstadt lädt uns zu einem Rundgang durch ihre engen Gassen mit ihren niedrigen Häusern aus der Kolonialzeit ein. Später setzen wir per Bus die Fahrt nach Montevideo fort (ca. 200 km entlang des Río de la Plata) und kommen gegen Abend im Hotel an.

11. Tag

Der Tag beginnt mit einem Besuch der „Feria de Tristán Navajo“, des sonntäglichen Verkauf- und Trödelmarktes, der sich fast über das ganze Stadtviertel erstreckt. Anschließend lernen wir Montevideo bei einer Stadtrundfahrt näher kennen.

Uruguay ist weltweit das erste Land, das seit April 2014 den Anbau und den Handel von Cannabis legalisiert hat. Die Regierung schätzt die Zahl der Konsumierenden auf rund 160.000 Personen. Und wer konsumiert, hat das Recht auf anständige Ware.

2017 wurde mit dem Verkauf in Apotheken begonnen. Voraussetzung ist der Eintrag in ein Register. Im Dezember 2016 öffnete das Museo del Cannabis seine Pforten. Wir werden es besuchen.

Auf der Feria Tristan Navajo - dem Trödelmarkt von Montevideo Bild: Archiv

Gegen Abend besuchen wir das Casa Bertolt Brecht, eine seit 1964 bestehende kulturpolitische Einrichtung. Hier sprechen wir über die Erfahrungen mit linken Regierungen in Uruguay.

12. Tag

Mitte der 1970er Jahre erlangte Uruguay traurige Berühmtheit als „Folterkammer Lateinamerikas". Während der Diktatur von 1973 bis 1985 wurden etwa 15.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Gemessen an der Bevölkerungszahl von drei Millionen hatte das Land damals weltweit die höchste Zahl politischer Gefangener. Die meisten Häftlinge wurden gefoltert, 116 wurden ermordet. Wir besuchen die Menschenrechtsorganisation „Serpaj“ (Servicio de Paz y Justicia - Dienst für Frieden und Gerechtigkeit) und das„Museo de la Memoria“ (Erinnerungsmuseum an die Diktaturzeit).

Die Themen Fracking, Agrochemie und Wasserverschmutzung stehen auch in Uruguay auf der Agenda. Wir treffen uns mit Vertretern von „REDES (Red de Ecología Social) - Amigos de la Tierra“, einer engagierten Umwelt- und Sozialorganisation.

13. Tag

Bei einem Besuch der genossenschaftlich organisierten Tageszeitung „La Diaria“ sprechen wir über die Erfahrungen mit einer linken Regierung und die Chancen einer kritischen Gegenöffentlichkeit.

Jugendstil Café in der Altstadt von Montevideo Bild: Archiv

Der letzte Nachmittag bleibt für individuelle Interessen und letzte Einkäufe. Beim Abendessen in einem Restaurant besteht Gelegenheit, die Erfahrungen der Reise auszutauschen.

14. Tag 

Tag der Abreise: direkt nach dem Frühstück geht es zum Flughafen. Abflug der Iberia-Maschine nach Frankfurt/Main ist gegen 13 Uhr.

15. Tag 

Ankunft in Frankfurt 11.20 Uhr - individuelle Weiterfahrt in die Heimatorte.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 18. Jan. 2018 Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.