Die CDU will der Religion wieder stärkeres Gewicht in der Schule geben. Rein rechtlich könnte der rot-schwarze Senat den Volksentscheid jederzeit kippen. von Manuela Heim

Die CDU unterstützte "Pro Reli", die SPD war dagegen: Plakate zum Volksentscheid im Jahr 2009 Bild: AP
Zwei Jahre nach dem gescheiterten Volksentscheid wittern die Pro-Reli-Anhänger eine neue Chance für ihr Begehren. Kommenden Montag werde der Religionsunterricht Thema bei den Koalitionsverhandlungen, bestätigte CDU-Bildungsexperte Sascha Steuer am Mittwoch der taz. Einstige Pro-Reli-Gegner fürchten nun, die CDU wolle den Volksentscheid kippen, bei dem sich eine Mehrheit gegen Religion als Wahlpflichtfach ausgesprochen hatte. Die SPD solle dem "schnellstmöglich ein Stoppschild vorhalten", forderte etwa der Präsident des Humanistischen Verbands, Norbert Kunz.
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Der unter anderen von den Kirchen initiierte Volksentscheid war 2009 doppelt gescheitert: Es gab zu wenige Pro-Reli-Sympathisanten - das Quorum wurde weit verfehlt -, und zudem stimmten 51 Prozent der Wähler gegen die Initiative.
Der Vorsitzende von Pro Reli und Mitglied des CDU-Landesvorstands, Christoph Lehmann, mag das Ergebnis bis heute nicht als Niederlage empfinden: "Die Berliner sind in dieser Frage eindeutig gespalten." Doch die Position seiner Partei sei klar: Der Neuentwurf des Schulgesetzes, den die CDU 2010 vorgelegt hatte, sehe Religion als ordentliches Schulfach eindeutig vor. Lehmann hofft nun auf einen Kompromiss in den Koalitionsverhandlungen.
Die SPD hatte sich 2009 deutlich gegen Religion als Wahlpflichtfach ausgesprochen, sogar noch mit eigenen Anzeigen gegen die Pro-Reli-Kampagne geworben. "An dieser Position hat sich auch nichts geändert", sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Felicitas Tesch, der taz. Sie sei nicht nur persönlich, sondern auch demokratiepolitisch entschieden gegen den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach.
Rein rechtlich kann der neue Senat den Volksentscheid jederzeit kippen. "Aber das wäre ein klarer Verstoß gegen den Bürgerwillen", sagt Michael Efler vom Verein Mehr Demokratie. Gerade die CDU habe den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 2008 dafür gerügt, dass er sich nicht an den Tempelhof-Volksentscheid gebunden fühlte.
Nicht nur für den Fall, dass die CDU den Religionsunterricht in den Koalitionsverhandlungen trotzdem durchdrückt, erwartet Efler eine Protestwelle. Seitdem alle Zeichen auf Rot-Schwarz stehen, gebe es immer mehr Anfragen an seinen Verein. "Die außerparlamentarische Opposition wird aufblühen, weil sich ein großer Teil der Bürger durch diese Koalition nicht vertreten fühlt", prophezeit Efler.
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Die Hauptstadt hat gewählt. Rot-Rot hat verloren. Der bisherige Senat hat keine Mehrheit mehr. Dafür zog am 18. September 2011 die Piratenpartei erstmals in ein Landesparlament ein. Sie bekam gleich 8,9 Prozent der Stimmen. Auch die Grünen legten ordentlich zu. Für eine Regierungsbeteiligung reichte es dennoch nicht. Denn die Koalitionsgespräche mit der SPD sind geplatzt. Die Sozialdemokraten verhandeln nun mit der CDU über die Bildung des neuen Berliner Senats.
Alle taz-Texte zur Berlinwahl 2011 finden Sie hier in der Übersicht.
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Leserkommentare
01.11.2011 20:00 | Fairness
Fairness und Wahlfreiheit wäre sehr willkommen. Warum soll nicht jeder selbst entscheiden dürfen, ob er lieber "Ethik" oder ...
29.10.2011 16:33 | Schneider
Religion ist eine Privatangelegenheit und kann in der Freizeit praktiziert und gelebt werden.
29.10.2011 13:42 | Irene Nickel
Seit vielen Jahren gibt es in Berlin einen freiwilligen Religionsunterricht. Inzwischen ist etwas sehr Gutes und gerade für ...