Junge Männer besetzen die jemenitische Botschaft und schweigen dazu. Aber warum? Der Versuch einer Kontaktaufnahme.von Felix Austen

Die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Berlin ist weit weg. Bild: dpa
Ein Dutzend junger Männer sitzt zusammengepfercht wie bei einer Geiselnahme auf dem Boden des Empfangsraumes der jemenitischen Botschaft in der Budapester Straße. Seite an Seite lehnen sie an den grauen Steinwänden, Papierbänder mit arabischen Schriftzeichen verdecken ihre Münder. Aus großen braunen Augen sehen sie mich an, als ich eintrete. Offensichtlich demonstrieren sie für etwas, wollen Aufmerksamkeit erregen. Aus Jux und Tollerei werden sie die Räume der Diplomaten nicht besetzt haben. Aber was wollen sie? Kein Wort.
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Stattdessen zeigen sie auf eine offene Tür, hinter der eine weitere Gruppe Männer die Köpfe zusammensteckt. Einer tritt heraus, mit leichtem arabischem Akzent fragt er: „Was wollen Sie? Wer hat Sie geschickt?“ Den Namen, den ich nenne, kenne er nicht. Folglich wolle er nichts sagen. „Falls doch, rufen wir an.“
Am Vorabend war eine Email mit der Bitte, uns dem Thema anzunehmen, in der Redaktion eingegangen. Der mysteriöse Verfasser, der weder den Besetzern bekannt ist noch an sein Handy geht, beschrieb die Lage so: Die Studierenden aus dem Jemen, „die meist aus ärmeren Familien stammen“, wollten auf die zu niedrigen Stipendien aufmerksam machen, die die jemenitische Botschaft den Jungakademikern bezahle. 420 Euro seien viel zu wenig, um zu wohnen, zu essen, Sprachkurse zu bezahlen und natürlich zu studieren.
Als Grund für eine Besetzung würde das einleuchten. Aber warum will dann offiziell niemand etwas dazu sagen? Und wer hat die taz informiert? Gibt es einen Maulwurf? Ein Mitarbeiter der Botschaft sitzt hinter seinem Pult. „Besetzung? Nein, nein, hier gibt’s überhaupt nix“, sagt er, während sich die jungen Männer um ihn herum häuslich eingerichtet haben. Lebensmittel und volle Müllsäcke zeugen davon, dass die Räumlichkeiten offensichtlich seit einigen Tagen – laut der seltsamen Email seit Montag, 12 Uhr – als Wohnraum genutzt werden.
Am Donnerstagabend ist per Telefon wieder nur der Rezeptionist zu erreichen: Ob es ein Statement der Pressestelle der Botschaft zur Besetzung gebe? „Alle daheim.“ Was er über die Besetzung wisse? „Alle weg, nicht mehr da.“ Dann legt er auf.
Während die Diplomaten in Berlin nichts sagen wollen, können sie es in Frankfurt und Hamburg nicht: Die jemenitischen Konsulate dort haben gar nicht mitbekommen, was in Berlin abgeht.
Und die Besetzer selbst: Würden sie nicht profitieren von ein wenig medialer Aufmerksamkeit für ihr Anliegen?
Freitagmittag klingelt endlich das Telefon in der taz, ein Mann, der sich als Besetzer ausgibt, ist am Apparat: „Wir würden jetzt mit Ihnen sprechen“, sagt er. „Die Botschaft möchte uns rauswerfen. Sie überlegen, die Polizei zu rufen und das Haus räumen zu lassen.“ Welche Forderungen die Protestierer gestellt hätten, frage ich. Rauschen, Verbindung unterbrochen. Ich rufe zurück, doch anstatt vom Leid jemenitischer Gaststudenten zu erfahren, heißt mich einmal mehr nur die freundlich virtuelle Dame eines Mobilfunkbetreibers willkommen.
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Leserkommentare
23.01.2013 21:54 | kareem
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