Per Google Maps zur Museumsinsel? Das wird nichts: die Karte führt in die Irre. Ronny Kraft will das ändern. Eine Reportage aus der neuen taz.berlin-Wochenendausgabe.von Joanna Itzek

Da wollen alle hin - aber nicht alle Wegweiser führen zur Museumsinsel... Bild: dapd
Die Genthiner Straße in Tiergarten ist nicht gerade die Nachbarschaft, in der man einen Museums-Hotspot vermuten würde. Möbelhäuser und Amtsgericht gruppieren sich rund um den gut besuchten Straßenstrich. Ausgerechnet hierhin schickt Google nun jene Touristen, die sich die Büste der Nofretete oder den Pergamonaltar ansehen wollen. Denn sucht man bei Maps nach „Museumsinsel“, lautet die erste Adresse, die Google ausspuckt: Genthiner Straße 38. Dort befindet sich aber nur das Büro der Besucherdienste der Staatlichen Museen samt einem Laden, in dem man Gipsvarianten berühmter Skulpturen kaufen kann.
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Ein großes Missverständnis ist das, und es lässt Ronny Kraft nicht los. Der blasse 32-Jährige arbeitet für die Besucherdienste der Museen und versucht seit Wochen, Googles Fehler zu beheben, um die Touristen wieder auf den rechten Weg zu bringen. „Neulich stand eine Schulklasse unten im Laden“, sagt Kraft. Ortsfremde Viertklässler, die dachten, dies sei das Neue Museum. „Die Lehrerin klagte, so ärmlich hätten sie sich das aber nicht vorgestellt in Berlin“, erinnert sich Kraft. Sie hatte die Adresse von Google Maps – wie auch all die anderen Menschen, die sich auf der Suche nach Kunst in die Genthiner Straße verirrt haben.
Damit Google die Angaben ändert, ist der studierte Philosoph Kraft in die Offensive gegangen und schrieb an den Konzern. „Es ist ein Kampf gegen die Hydra“, resümiert er: „Wenn du einen Kopf abschlägst, wachsen zwei neue nach.“ Denn wie sich nun zeigte, hat sich auf dem Google-Stadtplan das Pergamonmuseum verdoppelt. Das Bode-Museum dagegen ist verschwunden. „Die Museumslandschaft ist in Bewegung“, sagt er grinsend.
Dieser Text ist Teil der neuen taz.berlin-Wochenendausgabe. Sie erscheint erstmals am 3. November und bietet auf zwölf Seiten Recherche, Interviews, Meinung, Kolumnen und viel Kultur.
Zudem im neuen, zwölfseitigen Wochenendteil der taz.berlin:
- Interview mit dem Mann, der die Berliner Mauer wieder aufbaute
- Ein Porträt der Band Ornament & Verbrechen
- Der Schwerpunkt "Wir haben die Stadt zum Dorf gemacht"
- Ein vierteiliger Rückblick auf die Woche
Neulich hat Google ihm eine Mail geschickt: „Sehr geehrte(r) Herr/Frau Ronny Kraft“, steht da, „wir haben die Angaben im Eintrag für ’Museumsinsel‘ überprüft und denken, dass sie korrekt sind.“ Klickt man auf den Link, der als finaler Beweis mitgeliefert wird, landet man vor der O2-Arena. „Es ist ein digitales Schlachtfeld“, seufzt Kraft und hält Ausschau nach der nächsten Schulklasse, die über den Straßenstrich irrt.
Joanna Itzek
Helden ohne Applaus, Probleme ohne Lösung, Geschichten ohne Erzähler? Liebe BerlinerInnen, sagen Sie's uns! Wir kommen vorbei und schreiben es auf. Ihre Berlin-Reporterin Joanna Itzek, callareporter@taz.de
Foto: taz
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