Wen Bo gründete schon als 13-Jähriger seine erste Umweltgruppe. Heute ist er der bekannteste Kämpfer gegen die Zerstörung der Natur in China. von Jutta Lietsch

Will die schmutzige Luft Pekings bekämpfen: der Umweltaktivist Wen Bo. Bild: privat
Es ist ein Tag, der wie gemacht zu sein scheint für ein Interview mit dem chinesischen Umweltaktivisten Wen Bo: Der Pekinger Luftverschmutzungsindex steht auf „ungesund“, die Luft ist dick, die Stadt versinkt im Dunst, den Schlote und Autos ausstoßen.
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Wen, 39, nimmt sich Zeit für ein ausgiebiges Gespräch, obwohl er von Konferenz zu Konferenz eilt: gestern Südkorea, morgen Tokio. Immer im Dienste seiner Sache unterwegs: im Kampf für den Schutz der Umwelt.
Dabei erlebt er, der nur Bus und Bahn fährt, täglich eine gewisse Schizophrenie auf Pekings Straßen: „Die Leute klagen schon seit vielen Jahren über die schlechte Luftqualität“, sagt Wen, „aber auf der anderen Seite kaufen sie immer mehr eigene Autos“.

Das ganze sonntaz-Gespräch mit dem Soziologen Heinz Bude lesen Sie in der aktuellen sonntaz vom 26./27. November 2011 – ab Sonnabend zusammen mit der taz am Kiosk oder am eKiosk auf taz.de. Die sonntaz kommt auch zu Ihnen nach Hause: per Wochenendabo. Und für Fans und Freunde: facebook.com/sonntaz. Foto: taz
Vor der Klimakonferenz in Durban diagnostiziert Wen, dass die großen, globalen Umweltprobleme in China eher in den Hintergrund getreten sind. Auch für die Frage, wie der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden kann, ohne die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen, die für ein Land wie China von besonderer Bedeutung ist, „interessierten sich weniger Leute als vor der Kopenhagener Klimakonferenz 2009“.
Für die Chinesen stünden viel mehr die konkret erfahrbaren Probleme der Umweltzerstörung im Vordergrund: „Viele Bürger machen sich über giftige Chemikalien Sorgen, die mit Abwässern von Fabriken oder Bergwerken in Flüsse und Böden geleitet werden“, weil es Folgen für die Gesundheit hat. „Klimaerwärmung und Treibhausgase sind zu abstrakt“, sagt Wen.
Er lässt sich davon nicht beirren und rüttelt seine Mitmenschen auf – beharrlich, seitdem er 13 Jahre alt ist. Damals gründete er mit Mitschülern seine erste Umweltgruppe. Er nannte sie „Greenpeace“, weil er von der großen Umweltorganisation im Fernsehen gehört hatte. Ihm kam zugute, dass das chinesische Staatsfernsehen kaum eigene Korrespondenten hatte und Bilder aus dem Westen einkaufte.
Wenn dort von Aktionen von Greenpeace gegen Walfänger oder Abgase von Fabriken die Rede war, hörte Wen besonders gut zu. „Ich nahm mir vor, Greenpeace in China aufzubauen“, sagt er. Auf Wens „Greenpeace“ folgten mehrere Umweltgruppen, die noch heute tätig sind.
Im sonntaz-Interview erzählt Wen, für welche Projekte er sich engagiert, wie die chinesische Staatsführung seine Umweltgruppen beäugt und warum er manchmal mit den Behörden einen Tee trinken muss. Das und mehr erfahren Sie im Gespräch in der sonntaz, dem Wochenendmagazin der taz. Am Kiosk, eKiosk oder im Briefkasten via www.taz.de/we. Und für Fans und Freunde: facebook.com/sonntaz
Der neue Entwurf für das Endlagersuchgesetz könnte die Prüfung von bis zu fünf Standorten vorsehen. Gorleben bleibt dabei als Atommüllhalde im Rennen.

Die Welt befindet sich derzeit mitten in einem großtechnischem Experiment mit ungewissem Ausgang: Die intensive Freisetzung von Treibhausgasen, vor allem dem Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, verändert die Atmosphäre des Planeten in einer erdgeschichtlich einmaligen Geschwindigkeit. Der Anteil von CO2 in der Atmopshäre ist so hoch wie seit Jahrtausenden nicht und die Emissionen haben 2010 einen historischen Rekordstand erreicht. Bislang ist die globale Mitteltemperatur der Erde gegenüber dem vorindustriellen Zeitraum um etwa 0,8 Grad Celsius gestiegen. Setzen sich die bisherigen Trends fort, wird die Erde bis 2100 im Schnitt etwa vier Grad Celsius wärmer sein. In manchen Gegenden wie den Polgebieten wird der Anstieg noch deutlich größer sein.
Ursache für die Freisetzung der Treibhausgase ist zum größten Teil die Energiewirtschaft. Aber auch die industrielle Land- und Viehwirtschaft, die Zerstörung des tropischen Regenwalds und der Verkehr tragen große Mengen zum menschengemachten ("anthropogenen") Klimawandel bei, der die natürlichen Schwankungen (etwa durch Sonnenaktivitäten oder geologische Phänomene) inzwischen deutlich überdeckt. Der UN-"Klimarat" IPCCC hat mit einer überwältigenden Mehrheit der zuständigen Wissenschaftler in bislang vier Sachstandsberichten klargestellt, dass der Klimawandel real ist, schneller als gedacht abläuft und zum großen Teil von menschlicher Aktivität verursacht wird. Der aktuelle Bericht des IPCC datiert von 2007, der fünfte Bericht wird für 2014 erwartet.
Fast alle Fachleute (mit Ausnahme einiger weniger oftmals unqualifizierter und politisch motivierter "Klimaskeptiker") gehen davon aus, dass eine solche Veränderung des Klimas massive Folgen nach sich zieht: Die Meeresspiegel könnten bis zu einem Meter steigen, die Gletscher in vielen Gebirgen abschmelzen und die Wasserversorgung gefährden; Vegetationszonen verschieben sich bereits, Tiere und Pflanzenarten geraten unter zusätzlichen Druck, die Ernährung der Bevölkerung ist bedroht. In vielen Regionen nehmen die Wetterextreme zu und bisher gewohnte Muster wie der Monsun in Indien beginnen sich zu verändern. Ab einem bestimmten Punkt befürchten Wissenschaftler einen "Rückkopplungseffekt", an dem sich die Klmaerwärmung von selbst verstärkt: Schmilzt etwa das Eis an den Polen absorbiert das dunklere Wasser mehr Sonnenenergie, erwärmt sich und schmilzt darauf wiederum mehr Eis. Als solche "Kipppunkte", an denen das Weltklima eine rasche Erwärmung erfahren könnte, wenn eine Schwelle überschritten ist, gelten zum Beispiel die Polkappen, der "Golfstrom", der Amazonas-Regenwald oder die auftauenden Permafrostböden vor allem in Sibirien.
Die Menschheit hat das Problem bereits relativ früh erkannt, aber bislang nur sehr zögerlich reagiert. 1992 schlossen die meisten UN-Staaten die "Klimarahmenkonvention" UNFCCC, die zum Ziel hat, eine "gefährliche menschengemachte Veränderung des Weltklimas" zu verhindern. 1997 folgte daraus das Kioto-Protokoll, in dem sich die Industrieländer, die historisch für einen Großteil der Emissionen verantwortlich sind, zu einer Reduzierung ihrer Emissionen um ingesamt 5,2 Prozent bis 2012 gegenüber 1990 verpflichteten. Obwohl sich die USA als damals größter Verschmutzer aus dem Abkommen zurückzogen, wurden die Quoten erreicht - doch die weltweiten Emissionen stiegen und steigen weiter steil an. Vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der "Schwellenländer" wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika, die unter dem Kioto-Protokoll zu keiner Reduktion verpflichtet sind, heizt inzwischen das Klima stark auf. Nach einem gescheiterten Versuch, auf dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zu schließen, der alle Länder umfasst, gibt es nun eine solche Perspektive für 2020: Bis zu diesem Zeitpunkt, so haben die Staaten einstimmig bei der Klimakonferenz 2011 im südafrikanischen Durban beschlossen, soll ein allgemeines internationales Abkommen den globalen Klimaschutz regeln.
Trotz aller Versprechungen sind die aktuellen Anstrengungen zum Klimaschutz aus Sicht der Wissenschaft bei weitem nicht ausreichend. Eine Studie des UN-Umweltprogramms UNEP vom Herbst 2011 kommt zu dem Schluss, dass bisher nur etwa 60 Prozent der nötigen Anstrengungen unternommen werden, um den Klimawandel auf zwei Grad Celsius bis 2100 zu beschränken - diese Schwelle gilt bei vielen Wissenschaftlern als die Obergrenze, bis zu der die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar sind. Um dies zu erreichen, müsste der weltweite Ausstoß von CO2 etwa 2015 seinen Höhepunkt erreichen und dann rasch absinken. Die bisherigen Trends lassen eine solche Entwicklung allerdings sehr fraglich erscheinen. Viele Wissenschaftler gehen deshalb inzwischen davon aus, dass das 2-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen ist.
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Leserkommentare
27.11.2011 04:39 | otton
Leider wird das Umweltthema zu einer Einahmequelle von arbeitsscheuen Typen welche sich an fremde NROS verdingen fuer die w ...
26.11.2011 23:51 | Besserwessi
"die Stadt versinkt im Dunst, den Schlote und Autos ausstoßen" ...