Der Frankfurter Regisseur und Remake-Spezialist Marcus Nispel bringt jetzt den Barbaren Conan mit 3D-Effekte ins Kino. Ein Film für Actionfans. von THOMAS GROH

Jason Momoa als Conan und Tamara (gespielt von Rachel Nichols) in einer Kampfszene. Bild: dapd/Simon Varsano/Lionsgate
BERLIN taz | Geboren ist Conan (Jason Momoa) buchstäblich auf dem Schlachtfeld, dem Bauch seiner gefallenen Mutter mit dem Messer entrissen. Krieg und Kampf ersetzen damit frühzeitig die Muttermilch. Schon im Jungenalter erlegt der im präantik situierten Kimmerien aufwachsende Barbar, dem Vater (Ron Perlman) zum Stolz, im Alleingang eine Gruppe im Wald umherstreunender Vagabunden.
Als die Horden des bösen Khalar Zym (Stephen Lang) auf der Suche nach einem Artefakt zur Beherrschung der Welt wenig später das Dorf niederbrennen, überlebt der junge Conan als Einziger. Zum Muskelprotz herangereift, sinnt er zwanzig Jahre später auf blutige Rache.
Bereits in den 30ern ersann Robert E. Howard die wortkarge, das Breitschwert schwingende Conanfigur für eine lose Reihe von Pulp Stories.
Seitdem erfreut sie sich in den Residuen der Popkultur zwischen Fantasyroman, Comicheft, TV-Serie und Kinosaal ungebrochener Vitalität: Schon die 1982 entstandene Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger strickte um Conan die biografische Erfahrung eines gewaltsamen, traumatischen Elternverlusts, die auch im neuen Film ein zentrales Handlungselement darstellt, und erweiterte damit den deutlich naiver angelegten Stoff aus Howards Feder um eine neue, grimmig-existenzialistische Dimension, die auch in Basil Poledouris wuchtig choralem Soundtrack widerhallt.
Vom Dieb und Abenteurer der Howard-Stories wandelt sich Conan hier schlussendlich zum primitivistischen Grübler, der über das Zuhandensein des Stahls philosophiert. Heidegger hätte das wohl gut gefallen.
Solch dunkles Geraune hat Regisseur Marcus Nispel in seiner Verfilmung freilich nicht im Sinn. Zwar bleibt der Schwarzenegger-Film mitunter Referenzpunkt, doch ist der neue Conan gerade so weit traumatisiert, dass die Handlung gut in Schwung kommt. Auch das ständige Gebot des Vaters, den Stahl zu verstehen, bleibt Zitat.
Stattdessen ist die Neuauflage wieder deutlicher an den ohnedies sehr episodisch gehaltenen Kurzgeschichten orientiert und bietet eine Fülle von bösen Monstern, fiesen Hexen, dunklen Grüften und abgehackten Köpfen.
Ästhetisch angenehm ist der vergleichsweise moderate Computereinsatz: Nispel verlässt sich auf atemberaubend schöne Landschaften (Drehort: Bulgarien) und gutes Ausstattungshandwerk.
So verkommt die Conan-Figur zwar ein bisschen zum Sprüche klopfenden Beau aus dem Solarium, aber es entsteht etwas, wofür gerade Pulp Stories ursprünglich einmal standen: lustvolle Trivialität.
"Conan". Regie: Marcus Nispel. Mit Jason Momoa, Rachel Nichols, Stephen Lang. USA 2011, 112 Minuten
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