Theo Zwanziger hat den Verband mit seiner Rücktrittsankündigung aufgescheucht. Generalsekretär Niersbach gilt als Favorit für die Nachfolge im DFB-Präsidium.von Frank Hellmann

Auch im Schatten des Kaisers: der mögliche Nachfolger Niersbach. Bild: dpa/archiv
Rückzugsgebiete sind rar geworden für Theo Zwanziger. Vielleicht deshalb hat der Topfunktionär des deutschen Fußballs am Wochenende zum wiederholten Male die Fußballerinnen des 1. FFC Frankfurt in ihrem putzigen Stadion am Brentanobad in Frankfurt-Rödelheim besucht. Dort kann der 66-Jährige im Vereinsheim fast unbehelligt ein Stück Kuchen essen, alte Bekannte klopfen ihm auf die Schulter und wenn der Stadionsprecher seinen Namen verkündet, applaudieren die Menschen artig.
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In der Wohlfühlatmosphäre hat der 66-Jährige am Sonntag gesagt, dass er mit sich "absolut im Reinen" sein, was seine überraschende Rücktrittsverkündung auf der Präsidiumssitzung und Jahresabschlussfeier am Freitagabend angehe. Doch am Montag ist auch Zwanziger gewahr geworden, dass der DFB durch seine Demission mal wieder in schwere Turbulenzen gerät.
Denn in der Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise wabert die Nachfolgediskussion durch die Gänge, und dahinter steckt ein Machtkampf zwischen dem Boss und seinem Präsidium - ein mittlerweile wegen zahlreicher Indiskretionen von Misstrauen geprägtes Verhältnis. Am Mittwoch nun beraten das zwölfköpfige Präsidium sowie die Vorsitzenden der Regional- und Landesverbände über die Nachfolge von Zwanziger.
Der hat mit Erwin Staudt, dem früheren IBM-Chef und Expräsidenten des VfB Stuttgart, seinen Wunschkandidaten kontaktiert. Der Wirtschaftsliberale empfindet das als ehrenvoll; der 63-Jährige fühlt sich nach eigener Aussage an den Schnittstellen von Sport, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am wohlsten.
Doch der Zwanziger-kritische Teil des Präsidiums will lieber Wolfgang Niersbach an der Spitze installieren. Der von Zwanziger degradierte Vizepräsident Rainer Koch, Präsident des Bayrischen Fußball-Verbands, hat ebenso wie DFL-Chef Reinhard Rauball keine Ambitionen.
Innerhalb der divergierenden Interessen scheint der amtierende Generalsekretär für viele die beste Lösung: Niersbach gilt als verlässlicher Gestalter und glänzender Strippenzieher, genießt bei Fifa und Uefa, vor allem aber bei der Nationalmannschaft, der Bundesliga und den DFB-Geldgebern allergrößtes Ansehen.
Dafür hat der gebürtige Düsseldorfer mit dem Meinungsmacher Franz Beckenbauer den wohl wichtigsten Fürsprecher und einen echten Freund im Rücken - beide haben gemeinsam die WM 2006 organisiert. Nur logisch, dass Beckenbauer sagt, Niersbach sei der Beste. Der einstige DFB-Pressesprecher und frühere Agenturjournalist Niersbach, der derzeit ein ordentliches sechsstelliges Gehalt beziehen soll, müsste dann aber besser entlohnt werden als bisherige DFB-Präsidenten, die offiziell immer noch im Ehrenamt tätig sind und lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten.
Pikant in diesem Zusammenhang, dass der Kaiser eine ursächliche Verantwortung für Zwanzigers Rückzug trägt. Der räumte ein, dass er den Job im Fifa-Exekutivkomitee "nur schweren Herzens" angenommen habe. "Franz Beckenbauer hat damals gesagt, dass er sich mehr um seine Kinder kümmern wolle."
Dass ihn anschließend "nach der schrecklichen Katar-Geschichte" (Zwanziger zur WM-Vergabe 2022) ausgerechnet die Bayern-Fraktion um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge öffentlich dafür rügte, sich nicht gegen Fifa-Boss Sepp Blatter und sein System zu stellen, tat ihm in der Seele weh. Zwanziger: "Blatter hat uns die WM 2006 und auch die Frauen-WM gegeben, und ich war neu in diesem Gremium, und diese Leute erwarteten, dass ich auf Konfrontation gehe."
Attacken wie jene von Hoeneß und Rummenigge nagen an dem nach Aufmerksamkeit und Anerkennung dürstenden Juristen aus Altendiez genauso wie die unendliche Affäre um den rachesüchtigen Manfred Amerell, der bereits die nächste Fehde entfacht hat. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte, hat der frühere Schiedsrichterobmann Strafanzeige gegen Zwanziger gestellt. Es gehe um den Vorwurf, "dass mehrere Personen im Rechtsstreit Amerells mit dem Schiedsrichter Michael Kempter vom DFB bezahlt worden seien." Immerhin blieb dem Verband am Montag noch die Zeit, diesen Vorwurf zu dementieren.
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