DIE WAHRHEIT

„Ich klaube kein Wort“

Olympia 2012: Ein Interview mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Manchmal spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel in verwirrend vielen Zungen zur Öffentlichkeit.  Bild: dapd

Nachdem sie ihre Arbeit getan, den Euro gerettet, die Weltwirtschaft vor dem Zerbröckeln bewahrt und den Fortbestand des Universums gesichert hat, ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für ein paar Stunden in den verdienten Urlaub geflogen und hat die Olympischen Spiele in London (Südengland) besucht. Dort gewährte sie neben allen anderen Medien auch der Wahrheit ein Exklusivinterview, für das wir uns schon jetzt entschuldigen.

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taz: Frau Bundeskanzlerin, was sagen Sie zu den Olympischen Spielen?

Angela Merkel: Ich glaube, die Zuschauer sehen gute Olympische Spiele mit spannenden Wettbewerben und hervorragenden Sportlern.

Und sehen Sie das genauso wie die Zuschauer?

Ich glaube, davon ausgehen zu können, dass man mit einem gewissen Recht annehmen darf, was sicherlich auch Sie mir in Ihrem eigenen Interesse zubilligen, dass es zu den Olympischen Spielen keine Alternative gibt. Nur bei den Olympischen Spielen können so viele Sportler in so vielen Wettbewerben wie nirgendwo sonst in friedlichem Wettstreit und in fairen Wettkämpfen ihre Kräfte wie bei den Olympischen Spielen messen. Aber, wenn ich das noch hinzufügen darf, selbstverständlich steht es außer Frage, dass es in einem freien und offenen Europa, wie wir es heute haben, ebenso selbstverständlich außer Frage steht, dass dieselben Olympischen Spiele von verschiedenen Menschen durchaus verschieden gesehen werden können.

Sie entschuldigen, wenn ich nachfrage, aber haben Sie zu den Olympischen Spielen also eine andere Meinung?

Aber ich bitte Sie, wir können alle verschiedener Meinung sein! Das ist doch, wenn Sie mir dieses kleine persönliche Bekenntnis gestatten, das Schöne an einer Demokratie. Und ich will und möchte betonen, dass wir in einer Demokratie leben, in einer Demokratie, wenn ich das anmerken darf, für die es sich auch einzusetzen und zu leben lohnt, wenn ich das anmerken darf.

Frau Bundeskanzlerin! Sind Sie nun also in Bezug auf die Olympischen Spiele derselben Meinung wie die Zuschauer oder einer anderen Meinung, oder deckt sich Ihre Meinung mit Ihrer eigenen oder einer anderen oder wie sehen Sie …

Ich kann nur sagen, dass die Welt zu Gast bei unseren britischen Freunden ist. Und, das sage ich ganz offen, sie hat allen Grund dazu. Darüber freue ich mich aufrichtig, und Sie dürfen davon ausgehen, dass meine Meinung in diesem Punkt, und mit Punkt meine ich auch Punkt, dass meine Meinung und die Meinung meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger – von denen ich, wie Sie wissen, und deshalb muss ich es hier und jetzt nicht erwähnen, immer viel Zustimmung erfahren habe –, dass also eine Meinung immer klar und offen als Meinung, und das ist wesentlich in einer Demokratie, geäußert und vorgebracht werden kann.

Apropos wesentlich. Das Wesen eines Interviews – und mit Interview meine ich auch Interview – ist ja, dass …

Ich kann nur sagen, dass ich hier und jetzt in meiner Eigenschaft als Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland darauf verzichten will, das Wesen des Interviews zu definieren. Das ist jedenfalls meine Ansicht, und unter Ansicht verstehe ich auch Meinung …

Standpunkt?

Ja, auch Standpunkt, ich will keine Wortklauberei betreiben. Ich klaube nie ein Wort. Mit Wortklauberei meine ich – Sie erlauben, dass ich etwas aushole …

Frau Bundeskanzlerin, wenn Sie zur Sache …

Sie werden mir sicherlich beipflichten, wenn ich sage – und wenn ich das hier und jetzt sage, dürfen Sie davon ausgehen, dass ich es auch so sage, wie ich es hier und jetzt sage –, dass es nicht nur in unser beider Sinne, sondern auch in Ihrem Sinne ist, wenn Sie mir gestatten, dass ich hier und jetzt klipp und klar meine Haltung zum Ausdruck bringe und meine Meinung – oder Ansicht oder auch Standpunkt, wie Sie ja selber schon richtig gesagt haben – auch mit aller Entschlossenheit und großer Entschiedenheit verteidige, was, wie ich hier und heute gern anmerken will, nicht nur in Ihrem oder meinem, sondern ganz in unser beider Sinne ist.

Das sehe ich so, Sie sehen es so.

Na bitte, dann sind wir ja einer Meinung.

Frau Bundeskanzlerin, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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06. 08. 2012

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