DIE WAHRHEIT

„Bier muss rocken!“

Ein Interview mit dem Wortspielhöllendichter Franz Xaver Niedermoser über Hopfen, Malz und göttlichen Schmalz.

Franz Xaver Niedermoser, Spross einer bayerischen Brauerdynastie, war der Gerstensaft quasi schon in die Wiege gelegt. Doch zunächst sah es für den jungen Franz Xaver überhaupt nicht nach einer Karriere im Braugewerbe aus. Mit seinem Vater hatte er sich im Alter von 15 Jahren überworfen, als er zum Mittagessen plötzlich den traditionellen Haustrunk verweigerte und stattdessen einem alkoholfreien Erfrischungsgetränk zusprach. Diese Todsünde trieb einen Keil zwischen Vater und Sohn, der Bruch war endgültig und konnte nicht mehr gekittet werden. Als Franz Xaver nach dem Tod seines Vaters die Führung der Braustätte übernehmen sollte, hatte der 27-Jährige weder Bock noch Doppelbock auf die Fortführung der Familientradition.

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Zwei Jahre später dann ein Erlebnis, das sein Leben auf Umwegen in den Dunstkreis des Brauwesens zurückführen sollte: Franz Xaver Niedermoser lernt den Mundartdichter Florian Anzinger kennen, dieser entfacht in ihm eine bis heute lodernde Leidenschaft für End-, Binnen- und Stabreim. Erst die Begegnung mit ihm formt Niedermoser zum begnadeten Wortspieler und Meister der kleinen Form. Klassiker wie „Durst wird durch Bier erst schön“ oder „Weltbürger trinken Weltenburger“ entstanden in der hopfenumrankten Wortwerkstatt Franz Xaver Niedermosers in der Hallertau. Heute ist er der ungekrönte Papst der Bierdeckelwerbung. Seine Werbesprüche sind Legende, ohne seine Geistesblitze hätte so manche Familienbrauerei längst den Sudkessel dichtgemacht. Wir trafen den mittlerweile 64 Jahre alten Genussmenschen und sprachen mit ihm über die Sorgen des deutschen Braugewerbes und aktuelle Trends bei der Bierwerbung.

 

taz: Herr Niedermoser, Sie gelten als Doyen der deutschen Bierwerbung, als graue Eminenz des Stabreims, als Elder Statesman des Slogans …

Franz Xaver Niedermoser: Ich sehe mich eher als Botschafter des guten Geschmacks.

Ist das Geschäft heute schwieriger als früher?

Definitiv. In den fünfziger und sechziger Jahren konnte man gar nichts falsch machen – da genügte ein Spruch wie „Zwei Worte – ein Bier“, und der Bierabsatz ging durch die Decke. Das war das Goldene Zeitalter der Brauereien, ein echter beer rush. Aber die Zeiten sind leider längst vorbei.

Der Brauerbund klagt über rückläufigen Bierkonsum …

Eine bedrohliche Entwicklung, wir müssen aufpassen, dass wir unsere jahrhundertealte Trinkkultur nicht gegen die Wand fahren. Andererseits: Mit altbackenen Sprüchen wie „bärig – bierig“ oder „Bleibe wacker, trinke Hacker“ lockt man heute keinen Hund hinterm Ofen hervor. Wir müssen die Jugend wieder für ein frisch gezapftes Helles gewinnen. Aber ohne altersgemäße Werbeansprache geht da gar nichts. Sonst verlieren wir die Jungen endgültig an die Alcopop-Industrie. Was wir brauchen, ist eine Imagekampagne, die den richtigen Ton trifft, der das Lebensgefühl der Jugend anspricht. Sonst heißt es bald „Über allen Flaschen ist Ruh‘“.

Sie spielen auf ihren neuen Slogan für den Brauerbund an: „Bier bringt’s“?

Richtig, der Spruch kommt gut an. Der hat göttlichen Schmalz. Aber auch ein Spiel mit der englischen Sprache ist denkbar: „Jever – best beer ever.“ Das rockt doch besser als „Barre Bräu dein Herz erfreu“. Bier und Werbung dafür müssen immer rocken!

Sie gehen inzwischen ganz vom Deutschen weg?

So würde ich das nicht sagen. Wir wollen ja durchaus auch unsere traditionsbewusste Kundschaft bedienen. Eine Devise aber gilt: Ein gutes Gedicht muss auf einen Bierdeckel passen.

Anderes Thema – umstritten sind ihre Slogans für Herrnbräu. Da hagelte es Kritik von allen Seiten. Was sagen Sie zu den Sexismusvorwürfen?

Absoluter Blödsinn. Auf den Bierdeckeln stehen harmlose Sprüche wie „Heute lieg ich unten“ oder „Mach mich nass“. Wer ein solches Spiel mit Doppeldeutigkeiten sexistisch findet, der soll ins Kloster gehen. Da gibt’s auch Bier. Außerdem gab es so was schon früher und schon immer. Zum Beispiel: „Hopfen und Malz erleichtern die Balz.“ Das ist doch gerade das Wunderbare an einem prickelnden Hopfentrunk, dass man dem schönen Geschlecht auf Volksfesten im Bierzelt leichter näher kommt.

Womit wir bei einem anderen Reizthema wären – Stichwort Massenbesäufnisse, Kampftrinken, Komasaufen …

Da muss ich ganz klar sagen, dass ich diese Entwicklung rundherum ablehne. Sprüche wie „Unser herbes Pilsaroma bringt dich schneller noch ins Koma“ kommen mir nicht auf den Deckel!

Herr Niedermoser, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Wahrheit auf taz.de

 
20. 08. 2012

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