Das Hebelgesetz gilt nicht nur für die Wippe. Es liegt auch dem Euro-Rettungsfonds zugrunde. Die taz stellt die wichtigsten Vokabeln aus der Finanzkrise vor.von Richard Rother

Weiß doch jedes Kind, wie das Hebelgesetz funktioniert... Bild: imago / mm images / Berg
Die Wirkung des Hebelgesetzes kann man überall im Alltag beobachten: beim Einkaufskisten tragen, beim Umgraben des Gartens, beim Fegen der Küche oder beim Steuern eines Paddelbootes. Oder auch auf dem Kinderspielplatz an der Wippe: Je länger der Hebelarm ist, umso weniger Kraft braucht man, um ein Gewicht auf der anderen Seite zu heben. So können auch zwei ungleich schwere Kinder wippen oder sich im Gleichgewicht halten, wenn das schwerere dichter an den Hebelpunkt in der Mitte heranrückt.
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Obwohl die Akteure an den Börsen häufig schlicht dem Herdentrieb folgen, gibt sich die Finanzbranche gerne naturwissenschaftlich. Deswegen hat sie den Hebel erfunden, der vor allem von Hedge Fonds genutzt wird. Das Prinzip ist schlicht: mit relativ wenig Geld eine größere Wirkung erzielen, als im Normalfall möglich wäre. Erreicht wird dies, in dem man den eigenen Hebelarm verlängert, also zum eigenen Geld fremdes - etwa in Form von Krediten - dazuholt.
Der Effekt dieser Erhöhung des Wetteinsatzes ist klar: Spekuliert man so auf fallende oder steigende Kurse, lässt sich bei Erfolg mehr Gewinn herausholen. Geht die Wette nicht auf, ist das eigene Geld futsch - hinzu kommen die Kosten für den Kredit. Problematisch kann das dann natürlich auch für den Kreditgeber sein.
Auch beim Euro-Rettungsfonds EFSF soll der Hebel zum Einsatz kommen. Der Fonds kann Hilfen in Höhe von bis zu 440 Milliarden Euro vergeben; dabei bürgt Deutschland für 211 Milliarden Euro. Durch Hinzuziehung privater Gläubiger soll sich der Gesamtumfang des Fonds auf über eine Billion Euro erweitern. Warum aber soll jemand dem Fonds zur Seite springen? Weil er sich gute Renditen versprechen kann und sein Einsatz zu einem gewissen Teil versichert ist. In Frage kommen dabei große Banken oder auch Staatsfonds, die über viel Liquidität verfügen und Schwierigkeiten haben, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Bislang zeigen sich die von den Europäern umworbenen Geldgeber aber zugeknöpft.
Ein Beispiel: Wenn Griechenland 100 Milliarden Euro Hilfen bekommt, garantiert der Fonds davon 20 Milliarden; den Rest übernehmen private Investoren. Diese bekommen bei einem Ausfall der Hilfen - wenn also Griechenland nicht zahlen kann - die 20 Milliarden, die der Fonds garantiert. So verringert sich das Risiko für die Investoren. Allerdings muss der Fonds immer zuerst zahlen, wenn etwas in die Hosen geht, da er die Garantien ausgesprochen hat.
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Inflation, Geldmenge, Schuldenspirale - schon der wirtschaftliche Grundwortschatz aus Schulzeiten ist vielen nicht mehr so recht geläufig. Wer hätte aber auch gedacht, dass der mal wichtig werden würde, um bei ganz normalen Diskussionen im Freundinnen- oder Kollegenkreis mitreden zu können? Doch seit Finanz-, Schulden- und Euro-Krise nicht nur die Nachrichten, sondern auch Talkshows und Küchengespräche beherrschen, kommt man um den Ökonomensprech nicht mehr herum. Und noch schlimmer: Ständig denkt sich jemand neue Kürzel und Schlagworte aus, neue Akteure treten auf den Plan - und zugleich wandeln sich altbekannte Institutionen. Mit dem taz-Krisenglossar wollen wir eine kleine Hilfestellung leisten: Wer oder was verbirgt sich hinter welchen Abkürzungen? Wie legitimiert sind Gruppen wie die "G20"? Wo verfestigen neue Begriffe nur alte Strukturen? Wo verändert sich wirklich etwas?
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Leserkommentare
09.11.2011 07:08 | Bürger Lars
Diese "Spalte" ist angetreten, Begriffe zu klären. Ist nun klar, was die Wippe und die Finanzmärkte verbindet? Also ich wür ...