Vor der Berliner Gema-Direktion versammeln sich am Donnerstag tausende Demonstranten. Es war ein bisschen wie damals bei der Loveparade. von Nicolas Weisensel

Demo gegen die Gema-Tarifreform zulasten der Berliner Clubs: „Das ist unbezahlbar.“ Bild: dpa
BERLIN taz | Nach einer Kundgebung in der Keithstraße 7, Bezirksdirektion der Gema, versammelten sich am Donnerstagnachmittag tausende Menschen am Kurfürstendamm um gegen die neue, für 2013 geplante Gebührenverordnung der Musikverwertungsgesellschaft zu protestieren. Die „Initiative Fairplay – Gemeinsam gegen GEMAinheiten“, ein Bündnis von Berliner Clubs, Veranstaltern, Leuten aus der Szene und Kulturarbeitern, hatte dazu aufgerufen.
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Clubbesitzer organisierten mit Soundanlagen und Dancefloors ausgestattete Busse und Lastwagen. Auf diesen waren Plakate zu lesen wie: „Gema verliert Augenmaß“, „Geh ma!“ „Dagegen antanzen“ „must survive in berlin city“ und viele mehr. Sie fürchten schlichtweg um ihre Existenz. Raven gegen die Gema.
Es mutete fast wie die ehemalige Loveparade an – nicht umsonst wählte man den Weg über den Kurfürstendamm. Das Publikum war bunt gemischt und feierwütig: Raver, Hipster, Hippies, aber auch ganz „normales“ Volk. Fast jeder mit einer Bierflasche in der Hand. Sogar die grüne Jugend schwenkte Fahnen und ganz vereinzelt sah man Anonymous-Masken.
„Wenn die geplante neue Gebührenordnung 2013 tatsächlich, wie geplant, umgesetzt wird, geplant, bedroht das die Existenz der Berliner Clubs. Wie es derzeit aussieht, kommt es zu einer durchschnittlichen Erhöhung der Gema-Gebühren um 600%“ sagt Florian, 26, Schichtleiter im Berliner Brunnen70. „Das ist unbezahlbar.“
Das Problem ist groß. Berlin hat einen hervorragenden Ruf in der Clubszene, viele Touristen kommen nur deshalb in die Stadt. „Das ist schädlich. Und: wir verlieren unsere Jobs“ sagt Florian. Tatsächlich sieht man überall Parolen gegen die Gema: „Gema exekutiert meinen Arbeitsplatz“, „sing together, fight the power“, „Gema over“ und besonders originell: „GEndarme MAlvenue“. Die Demo führt an einem Atelier vorbei, vor dem ein Plakat aushängt: „Ge Ma austreten – Ausstellung heute 19-22 Uhr“.
Der Widerstand gegen die mächtige und in vielen Augen unverhältnismäßige Gema vereint Menschen aus verschiedendsten Milieus. Keiner will in einem Berlin ohne Clubkultur leben. Es ist mittlerweile schon die dritte Demonstration gegen die geplante Tarifreform. Mit jedem Mal werden es mehr Menschen und mehr Wagen. Diesmal ist sogar das Berghain dabei. „Damals waren es so 6000, heute hoffen wir auf 8000 oder mehr. Mal sehen, wie viele noch kommen. Geht ja jetzt erst richtig los“, sagt Florian.
Weiter vorne steht ein älterer Mann mit einem Plakat auf dem steht: „Komponisten aller Länder vereinigt euch. GEMAinsam austreten.“ Daneben steht ein junger Mann, der Flyer verteilt, die zur Gründung alternativer, demokratischer und transparenterer Musikverwertungsgesellschaften aufruft.
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Leserkommentare
09.09.2012 17:25 | kulturarbeiter
Die "Abteilung Politische Kommunikation" der GEMA hat ja bereits Ihren Eingriff in die öffentliche Diskussion angekündigt. ...
08.09.2012 02:06 | abschaumiger Clubgast
Leserkommentar 07.09.2012 12:16 Uhr: ...
07.09.2012 12:16 | Bezahlte Schläger
Gema vernichtet Arbeitsplätze von abschäumigen Türstehern. Gut so!