Ein Jahr nach den Sozialprotesten mit Hunderttausenden in Tel Aviv gingen am Samstag 8.000 Leute auf die Straße und fordern den Rücktritt Netanjahus. Ein Teilnehmer zündete sich an.

Demonstranten löschen die Flammen. Der Demonstrant wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Bild: reuters
TEL AVIV afp | Bei einer Demonstration in Tel Aviv genau ein Jahr nach Beginn der Protestbewegung gegen soziale Ungerechtigkeit und steigende Lebenshaltungskosten vom Sommer 2011 hat sich ein Mann selbst angezündet. Der rund 40 Jahre alte Mann wurde mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht, wie ein Polizeisprecher am Samstagabend sagte. Der Polizei zufolge legte der Mann Kopien eines Briefs auf die Straße, bevor er sich anzündete.
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Nach Angaben des Nachrichtenportals Ynet wird in dem Brief Regierungschef Benjamin Netanjahu und Finanzminister Juval Steinitz vorgeworfen, für die „ständige Demütigung“ der Israelis verantwortlich zu sein. „Sie nehmen von den Armen und geben es den Reichen“, soll es in dem Brief heißen.
Laut Polizei gingen in Tel Aviv rund 8.000 Demonstranten auf die Straße und forderten einen Rücktritt Netanjahus. Dabei skandierten sie den Slogan der Protestbewegung des Sommers vergangenen Jahres: „Das Volk verlangt soziale Gerechtigkeit.“ In Jerusalem und Haifa demonstrierten hunderte Menschen.
Im Sommer 2011 waren bei einer in der Geschichte Israels einmaligen Protestbewegung über Wochen hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie hatten unter anderem gegen Wohnungsnot und gestiegene Lebenshaltungskosten demonstriert. Die Regierung versprach daraufhin zahlreiche Reformen, bislang wurden aber nur wenige davon umgesetzt.
„Das vergangene Jahr war sehr angespannt“, sagte Dafne Leef, Anführerin einer sozialen Bewegung, bei der Demonstration in Tel Aviv. „Wenn es so viele Fortschritte wie nicht umgesetzte Versprechen gegeben hätte, dann wären wir jetzt in einer deutlich besseren Situation.“ Die Organisatoren der Proteste vom Samstag hatten auf deutlich mehr Teilnehmer gehofft und damit auf eine Neuauflage der Proteste vom vergangenen Sommer.
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