Denkmal zur Deutschen Einheit

"Mahnmal des Glücks" für Berlin

Der Bundestag beschließt ein Freiheits- und Einheits-Denkmal für Berlin. Pünktlich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls soll es an die friedliche Revolution von 1989 erinnern.

Vorschlag für ein Einheitsdenkmal: Die Debatte kann beginnen.  Bild: Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

BERLIN taz Sieben Jahre ist es her, da scheiterte Lothar de Maizière, letzter frei gewählter Ministerpräsident der DDR, im Bundestag mit seiner Initiative für ein "Nationales Freiheits- und Einheitsdenkmal". Und ein Jahr ist vergangen, seitdem der langjährige SPD-Politiker und Bürgerrechtler Richard Schröder mit der "Deutschen Gesellschaft" erneut einen Versuch startete, das Projekt zu verwirklichen. Am Freitag konnten sie sich schließlich gemeinsam auf der Besuchertribüne des Reichstags freuen.

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18 Jahre nach dem Mauerfall haben viele Schüler eine völlig falsches Bild von der DDR. So wusste nur ein gutes Drittel der für die Studie "Das DDR-Bild von Berliner Schülern" befragten 2 400 Jugendlichen, dass die DDR die Mauer bauen ließ. Klaus Schroeder, Professor an der Freien Universität Berlin, sagte zur Vorstellung der Studie am Freitag: "Die meisten Schüler wissen so gut wie nichts über die DDR, die Ostberliner noch weniger als die Westberliner." Dort lebe die DDR als "sozial verklärte und politisch verharmloste Gesellschaft" fort. So verneinte nicht einmal jeder zweite Schüler in Ostberlin die Aussage, die DDR sei keine Diktatur gewesen, sondern die Menschen hätten sich nur wie überall anpassen müssen. dpa, AFP

Denn jetzt steht fest: Berlin soll zur Erinnerung an den Fall der Mauer 1989 und die Freiheitsbewegungen der vergangenen Jahrhunderte ein Denkmal bekommen. Das beschloss der Bundestag mit den Stimmen von Union, SPD und FDP. Das Einheits- und Freiheitsdenkmal soll 2009 eingeweiht werden - vermutlich am 9. November zum 20. Jahrestag der Maueröffnung.

Vorausgegangen war eine wie selten zuvor von Pathos geprägte Aussprache. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warb noch einmal eindringlich für ein "Mahnmal unseres historischen Glücks". Man müsse den Mut haben, zu zeigen, dass "die deutsche Geschichte auch mal gut ausgehen" könne. Deutschlands Schandtaten dürften dabei aber nie vergessen werden, sondern müssten als "schmerzlicher Pfahl im nationalen Fleisch" in Erinnerung bleiben.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, das Denkmal solle "an die Freude des Aufbruchs zu Einheit und Freiheit" erinnern. Der für den Aufbau Ost zuständige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bezeichnete den Tag des Mauerfalls als "Zäsur, nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt". Tiefensee plädierte zudem für zusätzliche Gedenkstätte in Leipzig, wo die Montagsdemonstrationen begannen, die letztlich für die Wende mitentscheidend waren. "Auch hier gehört ein markantes Zeichen in die Öffentlichkeit."

Ein entsprechender Änderungsantrag mehrerer Parlamentarier fand jedoch ebenso wenig eine Mehrheit wie Anträge der Linken und der Grünen. Die Grünen warfen der Koalition ein "Hauruckverfahren" vor und forderten eine breite öffentliche Diskussion über die Realisierung der Pläne. Insbesondere über den Standort müsse noch debattiert werden. Große Unruhe herrschte im Plenum, als die Linken-Abgeordnete Lukrezia Jochimsen die ablehnende Haltung ihrer Partei verteidigte. Ein Denkmal in Berlin komme für die Linke nicht in Frage, "weil wir uns dem Erbe der Bürgerrechtler in der DDR verpflichtet fühlen". Stattdessen plädierte sie für ein "Denkzeichen" in Leipzig.

Die Debatte dürfte jetzt erst richtig beginnen. Denn Form, Kosten und Ort des Denkmals sind noch offen.

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