Was bisher geschah: Die Aliens vermuten, beim Brandenburger Tor könnte es sich um das gesuchte Raumschiff handeln.von Rob Alef

Dieses taz-T-Shirt würde ganz Jennys Empfinden entsprechen. Bild: taz
FP Chi stapfte durch eine kleine Schneeverwehung zwischen zwei Säulen des Brandenburger Tors. „Nun, was denken Sie, Erster Maat? Ein primitiver Kurzstreckenkreuzer vom Zwillingsplaneten Karius og Baktus bestenfalls. Vom Kurs abgekommen durch die rückständige Navigation jener Epoche.“
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Der Erste Maat blickte sinnend vor sich hin, und murmelte dann: „Mein Herz sei Landeplatz für das Raumschiff deiner Liebe / doch weh mir, verschneit und erfroren hängen die jungen Triebe.“ Jenny war ganz in der Nähe, aber gleichzeitig war sie so weit weg.
„Wenn ich ein Helotengedicht höre, werde ich immer ganz merkenbutterweich im Gemüt“, sagte Professor Phäno. Er war in die Hocke gegangen und schaufelte Schnee in sein Probengefäß mit dem rosa Deckel. „Dieses weiße Zeug. Wo kommt es bloß her. Und warum ist es so kalt? Es macht die Heloten mürrisch. Vielleicht überträgt es Krankheiten.“
„Na, na, Herr Kollege“, sagte Professor Median. „Ihre poetischen Anwandlungen klingen ja gerade so, als trügen sie sich mit dem Plan, mit einem Helotenweibchen zu summen. Schleimhautkontakt mit den primitiven Autochthonen ist bei interplanetarischen Exkursionen strengstens untersagt. Das gilt auch für haltlose Emotionsbündel, die Geisteswissenschaftler nun einmal sind.“
Jenny warf Professor Median einen wütenden Blick zu. Aber der war völlig darin vertieft, auf seinem blauen Klemmbrett eine Zeichnung des Brandenburger Tores anzufertigen. Major Canis scharwenzelte zwischen den Säulen des Tores herum und schnüffelte unablässig.
Jenny beobachtete den Ersten Maat. Sie wäre jetzt gerne mit C2H5OH alleine gewesen, trotz der diffusen Befürchtungen, wohin das alles führen konnte. Hatte C2H5OH sie erst einmal in sein Herz, sein Ribosom oder wie immer das bei ihm hieß, geschlossen, würde er als Nächstes wahrscheinlich darauf bestehen, mal seine Heimat gemeinsam zu besuchen. Und dort, bei blipidischem Neuronenkaffee und Osmoseplätzchen, würde er dann sagen: „Jenny, ich möchte dir die beiden gallertartigen Zellcluster vorstellen, die mir mir wichtiger sind als alle anderen: meine Eltern.“ Und wenn sie schwanger würde, was dann? Gab es auf Blip ein zeitgemäßes Unterhaltsrecht? Mutterschutz? Hübsche Vornamen? Sofern das möglich war, war ihr Kinderwunsch bei diesen Gedanken noch ein bisschen kleiner geworden.
„Erfasst Majo Canis Daten, wenn er schnüffelt?“, fragte Jenny und trat neben den Ersten Maat.
„Was für eine Frage“, sagte Professor Phäno. „Auf so etwas kann ja nur eine Helotin kommen. Selbstverständlich erfasst Major Canis beständig Daten: olfaktorische, akustische, optische, alles.“ Zu dem Kampfrobiter aus galaktischem Leichtmetall, der aussah wie ein Teacup Chihuahua, sagte er: „Major Canis. Wir brauchen eine Gesteinsprobe.“
Jenny fuhr herum: „Auf gar keinen Fall. Die buchten uns ein.“
FP Chi zupfte Jenny am Ärnel: „Hattest du nicht etwas von einem Schuhgeschäft gesagt?“
„Nein, du hast die ganze Zeit nach einem Schuhgeschäft gequengelt. Aber am Potsdamer Platz gibt es hundert davon.“
„Das höre ich gern“, sagte FP Chi und rückte ihren Dutt zurecht. „Mille Plateauxsohlen und hoffentlich auch ein paar bequeme Wanderschuhe.“
In diesem Moment traf Jenny ein Schneeball am Ohr. Er platzte, der Schnee landete in ihrem Nacken und rutschte an ihrem T-Shirt entlang ihren Rücken hinunter. Ein paar Meter weiter winkte Professor Median: „Laut meinen Berechnungen müsste die kugelförmige Masse gerade auf Höhe deiner Nieren gelandet sein, Helotin. Habe ich recht?“
Jenny stieß einen Wutschrei aus, und ehe Professor Phäno reagieren konnte, lag er auf dem Boden, und Jenny schaufelte Schnee in sein Gesicht. „Friss Schnee, Blipide, gut kauen.“
Als sie aufsah, saß Major Canis gerade vor der linken Säule des Tores. Aus seinen Augen schossen blaue Laserstrahlen, die sich in den Stein gruben. Gleich darauf purzelte ein riesiges Stück aus dem Tor auf die Erde, das Professor Phäno auf dem Rücken des Robiters befestigte.
Professor Median hustete und röchelte. Jenny sagte: „Nach meinen Berechnungen müsste der Schnee gerade in deinen Nasennebenhöhlen gelandet sein, falls du welche hast.“
FP Chi klatschte in die Hände: „Sicherheitskräfte in Sichtweite. Unauffälliger Abgang.“ Sie humpelte durch das Tor. Die anderen folgten eilig, auch wenn Professor Median die ganze Zeit verstohlen an seiner Sonnenbrille herumrieb.
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Den BewohnerInnen des Planeten Blip gehen die Marshmallows aus. Um Nachschub zu organisieren starten sie eine Expedition in Richtung des Planeten RD. Ziel ist eigentlich das Schweiz, aber sie landen in Berlin.
Das ist der Stoff, aus dem die Fortsetzungsgeschichte des taz.plans ist, exklusiv für die taz geschrieben von Rob Alef. Jeden Donnerstag liefert der taz.plan alle wichtigen kulturellen und politischen Termine der Stadt, dazu Kolumnen und jede Menge Tipps. Und den Roman. Früherer Episoden des Romans stehen auf taz.de/berlin
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