Der zeozwei Wochenüberblick #14

Wie öko ist die AfD?

Die Fünf-Minuten-Lektüre für Ökos und solche, die das eigentlich nie werden wollten.

Storch und Kumpanin. Die AfD hat energie- und umweltpolitisch einen wirren Mix an Positionen. Bild: dpa

Die rechtspopulistische Partei AfD hat eine klare politische Position zum Umgang mit dem Klimawandel: Leugnen und ignorieren. "Klima als mindestens 30-jähriges Mittel vom Wetter ändert sich naturgesetzlich immer, war noch nie konstant und kann daher ebenso wenig wie das Wetter geschützt werden”, heißt es im Wahlprogramm der AfD für Baden-Württemberg.

Die „Klimaschädlichkeit des anthropogenen CO2" sei „unbelegt” oder, so heißt es an anderer Stelle, „in der Fachwelt hoch umstritten”. Das Gegenteil ist richtig. Im geleakten Grundsatzprogramm warnt die Partei sogar vor einer „Stigmatisierung von CO2”. Ooch, jetzt ist das arme CO2 auch noch Opfer abgehobener Eliten?

Der Grundtenor lautet: Die Energiewende ruiniert die Zukunft. Damit dockt die AfD an die zukunftsvergessene Klima-Ignoranz der rechten USA an.

„Die Politik”, das ist der beliebte Verschwörungsbegriff linker und rechter Populisten, habe „den Klimawandel zu einer menschengemachten Klimakatastrophe hochstilisiert”. Man habe "Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie geschürt”. Zugunsten der Geschäftemacher mit Erneuerbaren Energien. Zulasten der Zukunftsfähigkeit Deutschlands, seiner Landschaft, Vogelwelt und der Gesundheit und des Geldbeutels der kleinen Leute.

Der Grundtenor lautet: Die Energiewende ruiniert die Zukunft. Damit dockt die AfD an die zukunftsvergessene Klima-Ignoranz der rechten USA an. Etwa im extrem vom Meeresspiegelanstieg bedrohten Florida, wo statt Handeln das Wort Klimawandel gesetzlich verboten wurde.

Dennoch ist es nicht mehr, wie in der guten, alten Zeit, als das Böse durch dekliniert werden konnte. Oder es zumindest so schien. Die AfD hat, wie in anderen Bereichen, auch energie- und umweltpolitisch einen wirren oder - je nach Sichtweise - raffinierten Mix an Positionen. Sie will den Flächenverbrauch eindämmen. Sie ist gegen Fracking. Sie fordert Geothermie nur nach Bürgerentscheid. Keine Windkraftanlagen in der Nähe dicht besiedelter Gebiete. Datenschutz statt Smart Meter. Und gegen „unnötiges Tierleid” ist sie auch.

Mit den Begriffen links und rechts kommt man da nicht mehr weiter. Der entscheidende Begriff ist: verantwortungslos. Letztlich steht auch hinter ihrem Umwelt- und Energieprogramm der Versuch, die nostalgische Sehnsucht mancher Menschen nach einer Zeit zu bedienen, die es niemals gab und die sich in überschaubaren Grenzen jenseits des Fremden, der Globalisierung und der Zumutungen der Gegenwart abspielte.

Den Klimawandel kann man nicht hassen. Man kann keine Grenze gegen ihn schließen. Ein Schießbefehl hilft auch nicht. Deshalb muss man die Energiewende als Verschwörung des globalen Kapitalismus, der EU und der heimatlosen Eliten gegen den kleinen deutschen Mann und die kleine deutsche Frau darstellen.

Das ist verantwortungslose Politik.

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Fairphone: Das Metall Wolfram für Fairphones soll aus Ruanda kommen. Wird dort nun alles besser? taz-Autor Hannes Koch war in Ruanda vor Ort. Hier seine Reportage.

Wie grün ist Grün? Die Grünen regieren in neun Bundesländern, womöglich bald in zehn. Aber was bedeutet das für grüne Politikfelder Energiewende, Verkehr, Umwelt, Ernährung? Lesen Sie dazu in der neuen zeozwei Bernhard Pötters große Geschichte: Wie grün ist Grün?

Die Beschäftigung mit gutem, gesunden Essen nimmt zu.

Es gibt auch schon die dazugehörige Krankheit. Orthorexia nervosa, eine ungesunde Fixierung auf gutes, gesundes Essen.

Viele Leute haben das Gefühl, Deutschland sei mitten in der Energiewende oder sogar besessen von CO2-Reduktion. Faktisch aber sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent gestiegen. Das niedergeschriebene Ziel - 40 Prozent (von 1990 aus gesehen) ist so weit weg wie der Mond. Der simple Grund: Es gibt in entscheidenden Bereichen keine Umsteuerung, etwa bei Gebäudesanierung, Verkehr und vor allem auch bei der Kohle.

24. März: BUND-Konferenz "Lernen aus den Atom-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima". Berlin, 11 Uhr, Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin

26. März: No Nukes Day, Tokio - Für eine atomfreie Zukunft. 11-18 Uhr, Yoyogi Park, Tokio, Japan.

7. April: Die offene Gesellschaft - welches Land werden wir? Diskussion. Bamberg, ETA Hoffmann-Theater.

 

That wraps it up for today. Until next week: Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars.