Deutschland tat sich sehr schwer, siegte letztlich glücklich. Dennoch wird dieser Sieg der Mannschaft moralisch helfen. Und sie wird sich weiter steigern. von Richard Rother

Mario Gomez. Ein einziger genialer Moment von ihm reichte gegen Portugal. Bild: dapd
So lief das Spiel: In der ersten Halbzeit versuchte es Deutschland mit seiner alten, eigentlich überwunden geglaubten Einlull-Taktik: Deutschland hatte mehr Ballbesitz, aber wenig Tempo im Spiel nach vorn – und das, obwohl phasenweise der Platz dazu da gewesen wäre.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Ergebnis war die eine oder andere Halbchance, bis Gomez den Ball in der 23. Minute im portugiesischen Tor versenkte – allerdings hatte Schiedsrichter Lannoy zuvor abgepfiffen und Deutschland so um einen Vorteil gebracht. Den Höhepunkt der ersten Halbzeit aber setzten die Portugiesen kurz vor der Pause. Pepe kam nach einer Ecke im Strafraum frei zum Schuss und zirkelte den Ball gekonnt Richtung Dreiangel – aber der Ball prallte an die Unterkante der Latte und dann vom Boden vor der Linie ins Spielfeld zurück.
In der zweiten Hälfte ein ähnliches Bild: Deutschland versuchte jetzt mehr zu drücken, vor allem über die rechte Seite durch Müller. Zählbares sprang dabei aber zunächst nicht heraus. Dafür waren die Portugiesen immer gefährlich, wenn lange Bälle auf die quirligen Nani und Ronaldo ankamen. Allerdings fehlte den Portugiesen die letzte Konzentration beim Abschluss.
Der Moment des Spiels: 72. Minute. Eine abgefälschte Flanke aus dem rechten Halbfeld von Khedira landete zufällig auf Gomez' Kopf, und der drückte den Ball gekonnt gegen die Laufrichtung des Torhüters ins lange Eck. Danach erhöhte Portugal noch einmal den Druck und hatte mehrere gute Chancen zum Ausgleich. Die größte vergab Varela in der 87. Minute, als er 6 Meter vorm Tor frei zum Abschluss kam, aber am herausstürzenden deutschen Torwart Neuer scheiterte.
Der Spieler des Spiels: Mario Gomez, Schütze des einzigen Tores.
Die Pfeife des Spiels: Schiedsrichter Lannoy hatte das Spiel im Griff und lag zumeist in seinen Entscheidungen richtig – nur einmal pfiff er Foul für Deutschland, obwohl Deutschland vorteilhaft im Vorwärtsgang war und Gomez sogar ein Tor erzielte. Den Freistoß versenkte Podolski dann in der Mauer.
Die Schlussfolgerung: Deutschland tat sich sehr schwer, siegte letztlich glücklich. Dennoch wird dieser Sieg der Truppe moralisch helfen – und sie wird sich weiter steigern. Der Nimbus der Turniermannschaft wird eine Art selbsterfüllender Prophezeiung. Portugal spielte gut – scheiterte letztlich aber an der fehlenden Konsequenz im Abschluss.
Und sonst? Die deutschen Fans haben eine neue Variante der psychologischen Störung der gegnerischen Mannschaft erfunden: Keine Pyros, keine Feuerzeuge wurden geworfen – sondern zusammengeknüllte Papierposter. Die tun nicht weh, nerven aber den portugiesischen Spieler, der einen Eckstoß ausführen will, ganz ungemein. „Not sportsmanlike“, befand der Stadionsprecher.
Die Ticketplattform Viagogo verdient auch am Champions-League-Finale in Wembley kräftig mit. Viele Fans halten das Geschäftsmodell für Abzocke. von Holger Vieth

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
11.06.2012 09:25 | Der Oberdeutschlehrer
@von Der Deutschlehrer: ...
10.06.2012 17:05 | Der Deutschlehrer
Was mag ein "Dreiangel" sein, auf den/die/das Pepe zielte? - Ich finde, das Wort "Winkel" ist (a) klarer verständlich, (b) ...
10.06.2012 15:05 | hmmm
@reinhard: ...