Die Wahrheit

Aus die Maus in Mekka

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über die saudi-arabische Schach-Fatwa erfreuen.

Foto: ap

Z u Mekka sprach der Scheich: „Pfui, Schach!

Das Spiel macht süchtig und viel Krach!

Das ständige Figurenrücken

und klackende Auf-Uhren-Drücken

macht nebst gebrüllten Schach-Geboten

das Spiel zum reinsten Ohrdespoten!

Ich denk da nicht zuletzt an ihn,

den lärmgeplagten Muezzin,

wenn dessen Stimmchen von dort oben

nicht durchdringt, um Allah zu loben,

weil just zur Rufzeit im Basar

ein Rössel wiehernd hüpfen war.

Und außerdem, weiß der Prophet,

führt Schach zu Zeitnot im Gebet.

Es sind die sündigsten Gedanken,

die sich um weiße Damen ranken.

Und hinterher ist man so matt,

dass man null Bock auf Suren hat.“

Auch mache, sprach der weise Scheich,

Schach Reiche arm und Arme reich.

Das hieße, Sand mit Öl zu tauschen

und dem Kamelgesang zu lauschen.

„Nein, Schach ist keinesfalls halal,

wie Halma, Skat und Völkerball!

So merkt euch diese Fatwa gut!

Und wenn ihr spielt, dann ‚Fang den Hut!‘“

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