Die Wahrheit

Sein Wunschzettel

Donnerstag ist Gedichtetag: Diesmal darf sich die Leserschaft an einem Poem über größenwahnsinnige Geschenke erfreuen.

Menschen, die als Engel und Weihnachtsleute verkleidet sind, sitzen nebeneinander

Foto: reuters

Lieber guter Weihnachtsmann,

schlepp mir ja kein Mistzeug an!

Lass die Sachen in dem Sack

und nimm wieder huckepack

all den Plunder, den Ballast,

den du in dem Beutel hast:

Spielzeug, Obst und Marzipan

sind für Kinder wohlgetan,

doch ich bin dafür zu alt;

Materielles lässt mich kalt.

Schlipse, Socken, seid’nes Tuch,

Hemden, Hüte, Platte, Buch,

Schnaps, Manschettenknöpfe, Wein –

all das lass mal bitte sein.

Unter meinem Tannenbaum

ist geschenkefreier Raum!

Brauch nicht Geld, will auch kein Haus,

mach mir nämlich wenig d’raus;

brauch kein Auto, auch kein Gold,

all das: durchaus ungewollt.

Reitpferd, Flugzeug, Segelboot,

daran hat’s nicht wirklich Not.

Also, guter Weihnachtsmann,

komm mir nicht mit derlei an!

Nein! Ich will nicht viel, im Grunde nix,

das hier aber bring mir fix:

Schönheit, Klugheit, Macht und Ehr,

Ruhm, Gesundheit, bitte sehr,

ew’ges Leben, Weltherrschaft,

wundertät’ge Schöpferkraft

und als Krönung außerdem

Vormund Gottes, bitte schön,

plus ein herrlich liebes Weib,

wohl und witzig, prall an Leib –

ganztags dann noch Sonnenschein!

Mehr muss nicht sein.

Lieber guter Weihnachtsmann,

die Geschenke schaff mir ran!

All das and’re, all den Rest

bring mir zum Geburtstagsfest!

Die Wahrheit auf taz.de

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