Die Wahrheit

Die Fünf-Minuten-Terrine

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Diesmal darf sich die Leserschaft an einem Poem über den Bilderstrom in Netzwerken erfreuen.

Eine Frau schaut auf das Display eines Handys, ihr Gesicht bleibt im Dunkeln

Foto: reuters

Man zeigt, wie einer lächelnd sich rasiert

und wie man kleine Kätzchen sicher trägt.

Ich seh, wie man ein Alien gebiert

und wie ein Lkw sich überschlägt.

Es folgt ein Kurzporträt vom Wiedehopf.

Ich kriege angesagt, was einer isst.

Es gießt sich jemand Wasser übern Kopf.

Alsdann beweist mir wer: Er ist Nudist.

Ein Mann zeigt, wie viel Liegestütz er kann.

Im Anschluss werd ich Zeuge einer Tat.

Danach fragt eine einen aus. Und dann

macht eine junge Frau sehr oft Spagat.

Von einem Künstler schreibt man, er sei tot.

Dann weint da wer: Das hat doch keinen Sinn.

Und eine nimmt ein Tuch ab trotz Verbot.

Ein Wal schwimmt her und dann nicht wieder hin.

Ich sehe in Slow Motion Vögel ziehn

und die acht Schönsten unterm Himmelszelt.

Es folgt noch irgendwas mit Trampolin

und wie da wer ne lange Rede hält.

Ein Mann mit Haaren im Gesicht verliert.

Ein andrer lacht und singt dabei und tanzt.

Ich seh, wie man was Großes bombardiert

und jemand in Marokko etwas pflanzt.

Man zeigt mir Dinge im Aquarium,

sodann weht knallgelb Haar vorm Weißen Haus.

Es folgt ein helles Rauschen mit Gebrumm.

Für irgendwas kriegt irgendwer Applaus.

Dann ist mein Social Network wieder aus.

Die Wahrheit auf taz.de

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