Die Wahrheit

Indiziertes Gedicht

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Die geneigte Leserschaft darf sich diesmal an einem Poem über begriffsstutzige Lyrikleser erfreuen.

Eine Videoinstallation - sie zeigt den Schattenumriss eines schwebenden Mannes, der ein Buch in der Hand hält. Eine Person schaut auf die Videoscreens

Foto: ap

Ob dies Gedicht wohl ennuyiert,

ja, schlimmer noch, gar embetiert?

Ob es die Leute affiziert?

Ob man mit so was reüssiert?

Ob man sich daran delektiert,

die Leserschaft es ästimiert?

Ob sie’s nicht doch perhorresziert,

und diesen Dichter rasch sediert?

Ob man ihn dann wohl auch sistiert

und später hart pönalisiert,

am Ende gleich noch füsiliert,

da er hier grundlos harangiert

und alle Lesenden sekkiert?

Sind sie zuletzt so indigniert,

dass man ihm nicht doch ignosziert,

weil er hier schließlich nur railliert,

ja, keineswegs bramarbasiert,

gewiss auch nicht insinuiert,

dass, wer die Verse nicht kapiert,

zu blöd zum Scheißen ist?

Die Wahrheit auf taz.de

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