Die Wochenvorschau für Berlin

Die Zeit, den Horizont zu erweitern

Der Sommer, die Zeit, sich treiben zu lassen. Und warten darf man diese Woche auf den CSD, eine Mondfinsternis und Joan Baez.

Ein Porträt von Joan Baez

Die Königin des Folk kommt nach Berlin: Joan Baez Foto: Trinity

Diese ersten Wochen der Sommerferien sind die perfekte Zeit, sich durch die Stadt treiben zu lassen. Einfach mal losdüsen. Schauen, was sich getan hat. Welche Läden zu- oder aufgemacht haben, welche Radwege entstanden sind oder auch nicht. Ob diese tolle Badestelle, die vor Jahren keiner kannte, immer noch ein Geheimtipp ist.

Die Straßen sind schön leer, die bunten Ecken der Stadt dank der Daheimgebliebenen und der Touristen entspannt belebt, das Wetter scheint diesen Sommer nichts anderes zu kennen als Sonne. Also gerne mal ’ne Stunde früher Schluss machen auf der Arbeit oder in der Bibliothek, rauf aufs Fahrrad und los. Das darf ruhig ein bisschen ziellos sein.

Aber nicht zu sehr. Am Samstag etwa sollten all jene, die nicht auf laute Musik und schrille Outfits stehen, unbedingt den Ku’damm, die Straße des 28. Juli, das Brandenburger Tor und viele drumherum liegenden Ecken meiden. Dann zieht der 40. CSD-Berlin durch die Stadt. Offiziell soll das eine Sache von zwei Stunden zwischen Startpunkt und Ziel sein. Aber es geht ja um die Party, und die dürfte sich bis weit in den Nachmittag ziehen.

In der Nacht davor lohnt es sich, ein lauschiges Plätzchen zu suchen, eine gute Flasche Wein einzupacken, die Tour de Berlin gegen 21 Uhr etwa auf dem Tempelhofer Feld enden zu lassen und fortan den Blick gen Himmel zu wenden. An diesem Abend wird die längste totale Mondfinsternis des Jahrhunderts stattfinden: Insgesamt 103 Minuten soll sich der Mond im Kernschatten der Erde aufhalten und durch ihn hindurchwandern. Für alle, die am Freitag schon wieder aufs Land flüchten: Diese Mondfinsternis ist in ganz Deutschland zu verfolgen, nur zu leicht unterschiedlichen Zeiten.

Am Sonntag wiederum darf die Tour gern etwas länger dauern, und am Ende kann man zum Beispiel die Zitadelle in Spandau ansteuern. Dort spielt – wahrscheinlich zum letzten Mal in Berlin – an diesem Abend Joan Baez, die Königin des Folk, wie sie von Promoagenturen genannt wird. Baez war und ist eine politische Künstlerin und somit eine Botschafterin jener Sixties, als die Hoffnung auf eine gute Zukunft dieser Welt noch so schön weit verbreitet war und man sich nicht nur ziellos durch die Stadt treiben lassen konnte, sondern sogar über die ganze Welt.

Mit Konzerttickets könnte es auf offiziellen Wege allerdings eng werden. Aber irgendjemand hat bei solchen Konzerten eigentlich immer eine Karte zu viel gekauft und verkauft sie vor dem Gelände.

Wer wider Erwarten keinen Erfolg hat, kann sich ja weiter durch die Stadt treiben lassen.

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„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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