Die Zeit Hamburg feiert sich selbst

"Wir sind ein Labor"

Seit einem Jahr erscheint der Hamburg-Teil der „Zeit“. Redaktionsleiterin Charlotte Parnack über quengeligen Lokaljournalismus und Raum für Neues.

Am Speersort 1 steht ein Hofbräuhaus: Und oben drüber sitzt die Zeit samt Lokalredaktion. Bild: dpa

taz: Frau Parnack, wie fühlt man sich, wenn man für Die Zeit eine Lokalausgabe macht?

Charlotte Parnack: Gut. Mit der großen Zeit im Rücken haben wir eine ganze Redaktion, mit der wir zusammenarbeiten können. Das fängt mit den Bild- und Layout-Kollegen an und endet mit Kollegen, die uns aus anderen Ressorts zuliefern.

Die Welt hat ihren Lokalteil in Hamburg wiedereröffnet. Macht Ihnen das Sorgen?

Wir haben ein gemeinsames Interesse und das ist, dass die Menschen lesen. Es tut dem Markt gut, wenn viele Journalisten die Leser dazu bringen, sich für Hamburg zu interessieren, und wenn Sachverhalte aus verschiedenen Richtungen beleuchtet werden.

Die Welt fischt aber teilweise im gleichen Teich wie Sie.

Bis jetzt machen wir uns da keine Sorgen.

Anders als Die Welt erscheinen Sie nur einmal die Woche. Ist das ein Nachteil?

Unser Ziel ist, auch im lokalen Markt zu zeigen: Einmal die Woche reicht. Das gilt sicherlich nicht für jeden klassischen Tageszeitungsleser. Aber das letzte, sehr erfolgreiche Jahr hat ja gezeigt: Es gibt Leser, denen reicht einmal die Woche Lokales. Den Typus „lokaler Wochenzeitungsleser“ gab es bisher kaum.

33, leitet den Hamburg-Lokalteil der Zeit und war vorher Norddeutschland-Korrespondentin für die SZ.

Was heißt ein „erfolgreiches Jahr“?

Wir hatten allein im ersten halben Jahr ein Auflagenwachstum um zehn Prozent. Und wir haben auch weiterhin ein signifikantes Plus im Vergleich zum Vorjahr. Das gilt auch für das Anzeigen- und das Stellenaufkommen. Wir haben eine Planstelle dazubekommen und drei Pauschalen.

Was macht den Hamburger Markt so attraktiv?

Hamburg ist eine sehr lebendige Stadt: wirtschaftlich, kulturell und politisch. In allen Ressorts ist viel passiert. Es gibt viel zu schreiben und ich glaube nach wie vor, dass es viele Geschichten gibt, die noch nicht auserzählt sind. Das ist ein ganz anderer Markt als Berlin mit seinen vielen Zeitungen oder München mit der Süddeutschen Zeitung, die ähnliche Leser anspricht wie wir. In Hamburg und seiner Metropolregion können wir auf überschaubarem Raum ausprobieren, ob eine regionale Wochenzeitung funktioniert. Und das hat es: Wir hatten ursprünglich geplant, mit wöchentlich sechs Seiten zu erscheinen und machen jetzt zehn bis zwölf.

Welche Geschichten sind noch nicht auserzählt?

Das kommt leicht als Kritik an Kollegen an. Deshalb möchte ich dazu nichts sagen.

Es ist doch nur die Frage, ob man etwas sieht, was andere nicht sehen.

Ich glaube, dass es gut ist, mit einem anderen Blick auf eine Stadt zu schauen. Da war noch Raum für uns frei.

Was ist dieser besondere Blick?

Dadurch, dass wir als Wochenzeitung erscheinen, können wir viele Sachen einen Moment länger anschauen. Wir müssen nicht sofort reflexhaft reagieren. Wir haben andere Rhythmen und daher ist auch die Erwartungshaltung unserer Leser eine andere. Im Lokalen, und das gilt nicht nur für Hamburg, betrifft den Leser alles unmittelbar. Lokaljournalismus läuft daher manchmal Gefahr, ein bisschen quengelig-nörgelnd und bremsend zu wirken. Das wollen wir nicht.

Was macht eine gute Wochenend-Geschichte aus?

Nur wenn sie unterhaltsam ist, ist sie gut – und wenn sie gut ist, ist sie unterhaltsam. Es darf auch mal lustig und ausgefallen sein. Wir können Dinge ausprobieren, Sonderausgaben vom Strand machen oder die Kollegen vom Tagesspiegel zu einer Olympia-Battle in einer gemeinsamen Ausgabe auffordern.

Sind Sie die Spielwiese der Zeit?

Kann man wahrscheinlich so sagen. Wir sind halt das jüngste Ressort. Labor trifft es vielleicht am besten.

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