Digitale Gewalt: Medien können Frauenfeindlichkeit befeuern
Darstellungen von Frauen in sozialen Medien, Werbung und Nachrichten prägen den Blick der Gesellschaft, zeigt eine neue Studie. Und was jetzt?
Eine Freundin schreibt mir, ob ich den Fall Fernandes/Ulmen mit den sexualisierten Deepfakes mitbekommen habe. Ich sehe die Nachricht, als ich gerade aus dem Kino komme. Dort habe ich den neuen Film „Marty Supreme“ geschaut, in dem Frauen nicht mehr als „reine Verfügungsmasse“ für den männlichen Hauptcharakter sind. Auf dem Heimweg höre ich Musik von Rappern, die darüber singen, mit wie vielen Frauen sie schon Sex gehabt haben. Die Medien sind voll von misogynen Inhalten – Welche Auswirkungen das auf uns hat, wurde in einer neuen Meta-Studie untersucht.
Die Studie
Frauenfeindliche Medieninhalte begünstigen herabwürdigende Einstellungen und feindseliges Verhalten gegenüber Frauen. Dieser Effekt zeigt sich besonders deutlich bei Männern, ist aber auch bei Frauen nachweisbar. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um Christa Nater von der Universität Bern. Das Forschungsteam wertete 257 Studien aus einem Zeitraum von 47 Jahren mit mehr als 130.000 Teilnehmenden aus. Die Studien fanden überwiegend in Europa und Nordamerika statt.
In den untersuchten Studien wurden die Teilnehmenden entweder beim Medienkonsum beobachtet oder gezielt misogynen Inhalten ausgesetzt. Berücksichtigt wurde eine breite Palette an Medien, darunter Film, Fernsehen, Musik, Werbung und soziale Netzwerke. Die misogynen Darstellungen zeigten explizite Gewalt gegen Frauen, auf ein männliches Publikum zugeschnittene pornografische Inhalte oder die Demütigung von Frauen.
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Die Studien zeigten, dass die Teilnehmenden aggressiver reagierten, stärker zu herabwürdigenden Stereotypen neigten, Frauenrechte eher ablehnten, Frauen stärker objektifizierten und Vergewaltigungsmythen eher akzeptierten. Der Effekt fiel allerdings unterschiedlich stark aus. Besonders heftig waren die Reaktionen bei explizit misogynem Material. Gewalttätige Darstellungen führten bei Männern am ehesten zu aggressiven Reaktionen.
Vor allem jüngere Menschen reagierten stark auf die Inhalte. Die Forschenden führen dies auf die geringere Lebenserfahrung sowie den noch nicht vollständig entwickelten präfrontalen Kortex zurück. Dieser ist das Vernunftzentrum des Gehirns.
Was bringt’s?
Die Studie trifft keine spezifischen Aussagen zur Wirkung von Social Media, also dem Medium, auf dem sich viele junge Menschen aufhalten. Auch bleibt offen, inwiefern Personen mit bereits bestehenden misogynen Einstellungen gezielt entsprechende Inhalte konsumieren. Dennoch zeigt sie, dass Medieninhalte stärker reflektiert und moderiert werden sollten, um diese Gewaltspirale nicht zu verstärken. Maximilian Krug von der Universität Duisburg-Essen fordert auf Grundlage der Ergebnisse eine stärkere Förderung von Medienkompetenz, die institutionelle Anerkennung struktureller Gewalt sowie verbesserte Meldemechanismen auf Plattformen.
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