Benedikt Lika fühlte sich oft doppelt diskriminiert: als Behinderter und als Vertreter der Generation Praktikum. Jetzt diskutiert er im Bundestag. von Carsten Janke

Doktorand, Dirigent und Rollstuhlfahrer: Benedikt Lika. Bild: Aktion Mensch
Ein bisschen späte Genugtuung wird dabei sein, wenn Benedikt Lika an diesem Wochenende in seinem Elektrorollstuhl die Kuppel im Berliner Reichstag nach oben fährt. Eigentlich hätte er das gern schon im letzten Jahr gemacht. Damals war er zu der Veranstaltung „Menschen mit Behinderung im Deutschen Bundestag“ erst ein- und später wieder ausgeladen worden.
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Er und zahlreiche andere Menschen mit Behinderung sollten über ihre Gleichstellung in Deutschland mit Politikern diskutieren. Weil sich allerdings mehr Rollstuhlfahrer als erwartet angemeldet hatten, mussten die Organisatoren die Veranstaltung aus Brandschutzgründen kurzerhand absagen. PR-Debakel und Realsatire zugleich. Dieses Jahr wurde die Zahl der teilnehmenden Rollstuhlfahrer begrenzt, und die Veranstaltung konnte stattfinden.
Lika ist 30 Jahre alt, Dirigent und hat ein eigenes Projektorchester in Augsburg, das sich einmal im Jahr trifft. An der Veranstaltung im Bundestag wird er im Arbeitskreis Arbeit mit Behinderung teilnehmen. Auf diesem Gebiet kann er besonders viel erzählen. Er hat zwar ein abgeschlossenes Musikwissenschaftsstudium, trotzdem sagt er: „Die Jobsuche auf dem ersten Arbeitsmarkt habe ich so gut wie aufgegeben.“
Zu oft habe er bei Bewerbungsgesprächen spezielle Fragen nach seinem Alltag gehört, wie er zum Beispiel auf die Toilette gehe. Im Anschluss kam meist die Absage. Er fühlt sich doppelt diskriminiert, „als Behinderter und als Vertreter der Generation Praktikum“. So lange er nämlich unbezahlte Praktika gemacht habe, sei das mit der Toilette niemandem aufgefallen.
Inzwischen hat sich Lika entschieden, seine Doktorarbeit in Musikwissenschaft zu schreiben. Den dafür notwendigen Begleiter hat ihm sein Heimatkreis allerdings abgelehnt. Ein Hochschulabschluss reiche in seinem Fall aus. Dagegen will Lika nun klagen. „Wenn ich gewusst hätte, dass der Weg des Normalseins so beschwerlich ist, wäre ich vielleicht lieber den Sonderweg gegangen. In einer Behindertenwerkstatt bekommt man alle Unterstützungsleistungen. Ein schwerbehinderter freischaffender Dirigent ist in diesem System leider nicht vorgesehen.“
Als Dirigent will er trotzdem weiterarbeiten. Bei Konzerten liebt er es, im Rollstuhl auf einem Podest zu dirigieren: „Wenn dann die Musik einsetzt, fällt die ganze scheinbare Zerbrechlichkeit auf einmal weg.“
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Leserkommentare
30.10.2012 19:55 | Sascha Dresing
bezogen auf den Kommentar zu meinem Kommentar. Ich weiß leider nicht den Namen des Verfassers. Der Kommentar ist nur bezeic ...
29.10.2012 20:59 | @ Sascha Dresing
Kleine Ergänzung zu Ihren Einwendungen: ...
29.10.2012 18:14 | Sascha Dresing
Diese Schilderungen sind in der Tat typisch für den Umgang mit Menschen mit Behinderung in Deutschland. Insbesondere die Au ...