Ein Dokumentarfilm schaut sich in deutschen Unternehmen um: Dort soll das Personal so gut wie möglich „performen“ und bereit sein, „ein bisschen zu challengen“.von Bert Rebhandl
Aus dem Trailer: „Wenn dann die Ressource Mensch weniger wird, dann muss man sich um die kümmern, die man gerne haben wollte. Also die richtigen Menschen“. Aha: Nach Manager-Logik ist ein Mensch also dann RICHITG, wenn er als Ressource für die kapitalistische Verwertungslogik taugt? Wenn die Unternehmen könnten, würden sie wahrscheinlich wirklich die DNA eines jeden Mitarbeiters manipulieren... ...als Voraussetzung einen dieser sinnfreien Jobs bei Konsumgüterherstellern wie Unilever zu bekommen. Viel Spaß in der schönen neuen Arbeitswelt ;-)
18.04.2012 14:36 Uhr
von CAA:
Interessanter Artikel, weckt mich zum Sehen des Filmes. Den Link zum Trailer habe ich schon gefunden ;).
Aber Leute, der Kapitalismus ist nicht daran schuld, dass die Firmen so handeln, Schuld sind wir, die mitmachen und konsumieren, die diese Abnormen tolerieren als demokratische und offene Gesellschaft und damit mehr und mehr dazu beitragen, dass der Mensch sich in diesem Wasserglas befindet, indem langsam die Temperatur erhöht wird.
Ich finde Ewalds Vergleich mit dem Islamismus bemerkendwert, den auch der Islamismus ist nur eine Abnorm des Glaubens.
13.04.2012 12:16 Uhr
von Ewald Fischer:
Die totale Mobilmachung der modernen Seele: Angesichts dessen, was wir im Herzen unserer eigenen Kultur veranstalten, dieses Domestizieren zugunsten einer totalen Anpassung an die Welt der Erwerbsarbeit, ist die Bedrohung durch Islamisten vernachlässigbar. (Sie ist darum nicht zu ignorieren!) Gerade darum, so scheint es mir, wird sie so aufgeblasen. Wir können so angenehm von uns selbst wegblicken. Nietzsche sprach von der Sittlichkeit der Sitte, der bloßen Unterwerfung unter einen nun einmal gültigen, nicht mehr hinterfragten Moralkodex. Dieser ganze Motivationstrash, das Gewäsch von Selbstoptimierung, die letztlich nur auf Selbstausbeutung hinausläuft, die entfesselte Beschleunigung nur um ihrer selbst willen, also die totale Mobilmachung inmitten des vermeintlichen >Friedens< der Marktgesellschaft: das ist immer noch der Zug in den Nihilismus! Wo im 19. Jahrhundert die Ausbeutung der Massen offen zu Tage trat, plärrt heute alle Welt von der Freiheit des einzelnen, und unter diesem völlig entfärbten Begriff entfaltet sich ungehemmt Herrschaft durch Individualisierung. Ergebnis dieses Prozesses sind freilich Individuen, die sich umso leichter in Ziffern verwandeln lassen. Steigert dieser da an dieser Stelle die Produktivität oder hemmt er sie? Um dies festzustellen, muss man das Individuum ganz genau identifizieren, und es muss wissen, dass es auf diese Weise identifiziert werden kann, damit es sich umso mehr unterwirft. Einem Richard Fuld (Lehman Brothers) durfte man nicht mit Realität kommen, sonst war man erledigt. Optimist musste man sein oder sich ihm so darstellen. So kommt der Idiotismus der hohen Finanzwelt und ihrer von der Lebenswelt abgewandten Experten zustande. Und von diesen Etagen aus, wo diese Typen schalten und walten nach eigenen Gesetzen, wird über das Schicksal von Millionen entschieden.
12.04.2012 12:56 Uhr
von Karl:
Kapitalismus nervt einfach nur noch...flexibilisierung, Humankapital, Assets und der ganze Ellbogenshit. NEIN DANKE!
Mut zum Menschsein!
12.04.2012 12:17 Uhr
von ber:
Ach Mensch TAZ, einen Link zum Trailer oder wenigstens zur Seite der Filmproduktion hätte man 2012 schon auf einer Webseite integrieren können, oder?
12.04.2012 10:39 Uhr
von Hans:
Es wird keinen Dokumentarfilm geben, der die Wirklichkeit dieser Unternehmen, ihrer Philosophie und ihres Profitstrebens darstellt. Das liegt daran, dass heute diese Unternehmen eine eigene PR-Abteilung plus externe Berater haben und dass die eben dafür sorgen, dass jede Berichterstattung tendenziell auch eine Show für das Unternehmen ist. Wer fundiert Nachteile dieser Arbeitswelt darstellt, erhält Post von der Rechtsabteilung und wird dort eben nicht als Wallraf gefeiert, sondern zu Tode prozessiert.
Ein wichtiger Baustein dieser Unternehmen ist: junge Menschen und zwar aus guten Grund. Wenn das Management eine 50 Stunden-Woche als Minimum einfordert, hat das Konsequenzen auf die Gesundheit, auf die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin. Wer von 9.00 bis 20.00 Uhr bei der Arbeit ist, der hat kaum noch etwas anderes im Leben und ist für seine Familie kaum da.
Sind die Leute einmal über die 40 und 50 hinweg, heißt es up or out: Hoch oder raus. Dann werden sie entlassen oder befördert. Aber: Lean-Management heißt, dass von 100 vielleicht 10 befördert werden. Der Rest geht - egal wohin. Ich vermute mal, dass wir in zwanzig Jahren eine ganze Menge zu diesem Thema lesen und sehen werden. Dann werden in den Dokumentarfilmen auch die ausgebrannten Menschen auftreten, die 'ihrem' Unternehmen alles gaben und dann mit Anfang 50 die Entlassung erhielten. Trotzdem würden heute sofort Hunderte Unternehmen behaupten, dass dies nicht so sei, dass sie auf Familie und Gesundheit der Mitarbeiter achten. Aber wer sagt das? Die PR-Abteilung. Und die findet wahrscheinlich auch diesen Film ganz gut.
Leserkommentare
14.05.2012 10:46 Uhr
von Giovanni:
Aus dem Trailer:
„Wenn dann die Ressource Mensch weniger wird, dann muss man sich um die kümmern, die man gerne haben wollte. Also die richtigen Menschen“. Aha: Nach Manager-Logik ist ein Mensch also dann RICHITG, wenn er als Ressource für die kapitalistische Verwertungslogik taugt? Wenn die Unternehmen könnten, würden sie wahrscheinlich wirklich die DNA eines jeden Mitarbeiters manipulieren... ...als Voraussetzung einen dieser sinnfreien Jobs bei Konsumgüterherstellern wie Unilever zu bekommen. Viel Spaß in der schönen neuen Arbeitswelt ;-)
18.04.2012 14:36 Uhr
von CAA:
Interessanter Artikel, weckt mich zum Sehen des Filmes. Den Link zum Trailer habe ich schon gefunden ;).
Aber Leute, der Kapitalismus ist nicht daran schuld, dass die Firmen so handeln, Schuld sind wir, die mitmachen und konsumieren, die diese Abnormen tolerieren als demokratische und offene Gesellschaft und damit mehr und mehr dazu beitragen, dass der Mensch sich in diesem Wasserglas befindet, indem langsam die Temperatur erhöht wird.
Ich finde Ewalds Vergleich mit dem Islamismus bemerkendwert, den auch der Islamismus ist nur eine Abnorm des Glaubens.
13.04.2012 12:16 Uhr
von Ewald Fischer:
Die totale Mobilmachung der modernen Seele:
Angesichts dessen, was wir im Herzen unserer eigenen Kultur veranstalten, dieses Domestizieren zugunsten einer totalen Anpassung an die Welt der Erwerbsarbeit, ist die Bedrohung durch Islamisten vernachlässigbar. (Sie ist darum nicht zu ignorieren!) Gerade darum, so scheint es mir, wird sie so aufgeblasen. Wir können so angenehm von uns selbst wegblicken.
Nietzsche sprach von der Sittlichkeit der Sitte, der bloßen Unterwerfung unter einen nun einmal gültigen, nicht mehr hinterfragten Moralkodex. Dieser ganze Motivationstrash, das Gewäsch von Selbstoptimierung, die letztlich nur auf Selbstausbeutung hinausläuft, die entfesselte Beschleunigung nur um ihrer selbst willen, also die totale Mobilmachung inmitten des vermeintlichen >Friedens< der Marktgesellschaft: das ist immer noch der Zug in den Nihilismus! Wo im 19. Jahrhundert die Ausbeutung der Massen offen zu Tage trat, plärrt heute alle Welt von der Freiheit des einzelnen, und unter diesem völlig entfärbten Begriff entfaltet sich ungehemmt Herrschaft durch Individualisierung. Ergebnis dieses Prozesses sind freilich Individuen, die sich umso leichter in Ziffern verwandeln lassen. Steigert dieser da an dieser Stelle die Produktivität oder hemmt er sie? Um dies festzustellen, muss man das Individuum ganz genau identifizieren, und es muss wissen, dass es auf diese Weise identifiziert werden kann, damit es sich umso mehr unterwirft.
Einem Richard Fuld (Lehman Brothers) durfte man nicht mit Realität kommen, sonst war man erledigt. Optimist musste man sein oder sich ihm so darstellen. So kommt der Idiotismus der hohen Finanzwelt und ihrer von der Lebenswelt abgewandten Experten zustande. Und von diesen Etagen aus, wo diese Typen schalten und walten nach eigenen Gesetzen, wird über das Schicksal von Millionen entschieden.
12.04.2012 12:56 Uhr
von Karl:
Kapitalismus nervt einfach nur noch...flexibilisierung, Humankapital, Assets und der ganze Ellbogenshit. NEIN DANKE!
Mut zum Menschsein!
12.04.2012 12:17 Uhr
von ber:
Ach Mensch TAZ, einen Link zum Trailer oder wenigstens zur Seite der Filmproduktion hätte man 2012 schon auf einer Webseite integrieren können, oder?
12.04.2012 10:39 Uhr
von Hans:
Es wird keinen Dokumentarfilm geben, der die Wirklichkeit dieser Unternehmen, ihrer Philosophie und ihres Profitstrebens darstellt. Das liegt daran, dass heute diese Unternehmen eine eigene PR-Abteilung plus externe Berater haben und dass die eben dafür sorgen, dass jede Berichterstattung tendenziell auch eine Show für das Unternehmen ist. Wer fundiert Nachteile dieser Arbeitswelt darstellt, erhält Post von der Rechtsabteilung und wird dort eben nicht als Wallraf gefeiert, sondern zu Tode prozessiert.
Ein wichtiger Baustein dieser Unternehmen ist: junge Menschen und zwar aus guten Grund. Wenn das Management eine 50 Stunden-Woche als Minimum einfordert, hat das Konsequenzen auf die Gesundheit, auf die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin. Wer von 9.00 bis 20.00 Uhr bei der Arbeit ist, der hat kaum noch etwas anderes im Leben und ist für seine Familie kaum da.
Sind die Leute einmal über die 40 und 50 hinweg, heißt es up or out: Hoch oder raus. Dann werden sie entlassen oder befördert. Aber: Lean-Management heißt, dass von 100 vielleicht 10 befördert werden. Der Rest geht - egal wohin. Ich vermute mal, dass wir in zwanzig Jahren eine ganze Menge zu diesem Thema lesen und sehen werden. Dann werden in den Dokumentarfilmen auch die ausgebrannten Menschen auftreten, die 'ihrem' Unternehmen alles gaben und dann mit Anfang 50 die Entlassung erhielten. Trotzdem würden heute sofort Hunderte Unternehmen behaupten, dass dies nicht so sei, dass sie auf Familie und Gesundheit der Mitarbeiter achten. Aber wer sagt das? Die PR-Abteilung. Und die findet wahrscheinlich auch diesen Film ganz gut.