Horst Pagel von der Uni Lübeck über das Urin produzierende Medikament, auf das der Radprofi Fränk Schleck bei der Tour der France positiv getestet wurde.Interview: Daniel Heyd

Er ist dann mal weg: Fränk Schleck. Bild: dapd
taz: Herr Pagel, bei der Tour de France ist Doping ein fester Bestandteil der Berichterstattung. Am Mittwoch verließ der luxemburgische Radprofi Fränk Schleck die Tour da bei ihm ein „Diuretikum“ nachgewiesen werden konnte. Was genau versteckt sich hinter diesem Begriff?
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Horst Pagel: Diuretika sind eine Reihe von Medikamenten, mit denen die Produktionsrate von Urin gesteigert werden soll. Also auf gut deutsch, es wird mehr ausgepieselt. Sie werden in der Regel injiziert oder in Tablettenform verabreicht.
Wenn das Medikament nicht die eigentliche Leistung des Athleten stärkt, wieso steht es dann auf der Dopingliste?
Weil damit die Konzentration von Dopingmittel herunter gesetzt werden kann. Durch Diuretika wird mehr Urin produziert und dadurch werden die eventuellen nachweisbaren Dopingmittel verdünnt, um somit unterhalb der Nachweisgrenze zu liegen.
Wenn wir jetzt mal die kriminelle Energie der Sportler beiseite lassen – für wen wurde dieses Medikament denn eigentlich hergestellt?
Diuretika sind wichtige Medikamente für nierenkranke Patienten. Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist, können gewisse Stoffwechselendprodukte den Körper nicht verlassen. Durch das Medikament wird Urin produziert, um somit die Ausscheidung zu gewährleisten. Denn wenn nicht ausreichend ausgeschieden wird, vergiftet sich der Patient selbst.

Horst Pagel
56, ist Professor für Physiologie an der Universität Lübeck und seit 2008 Anti-Doping-Beauftragter des Radsport-Verbandes Schleswig-Holstein.
Foto: Universität LübeckNehmen wir an, einem Sportler wird die Einnahme von Diuretika nachgewiesen und dieser argumentiert er sei nierenkrank …
… Dann müssen ein Attest und eine Ausnahmegenehmigung vorliegen.
Wenn dies aber der Fall wäre, ist es dann mit einer solchen Erkrankung nicht gesundheitsschädlich, Hochleistungssport zu treiben?
Das müsste der behandelnde Arzt beurteilen. Das kann der Fall sein, muss aber nicht unbedingt.
Wie lange sind Diuretika denn im Körper nachweisbar?
Das Mittel Xipamid (welches bei Radprofi Fränk Schleck festgestellt wurde – Anm. der Red.) ist über den Daumen gepeilt nach einem Tag ausgeschieden.
Können durch die Einnahme gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen auftreten?
Bei einem gesunden Menschen sind Diuretika nicht weiter gefährlich. Durch das Ausscheiden von wesentlich mehr Urin muss nur die ausgeschiedene Flüssigkeit ausgeglichen werden. Sprich, derjenige müsste einfach mehr trinken.
In wieweit ist der Profi-Radsport Ihrer Meinung nach wirklich von Doping befallen?
Die sind alle voll bis unter die Mütze.
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Leserkommentare
20.07.2012 00:13 | Mir platzt der Schädel
Moin! ...
18.07.2012 21:34 | Hubertus Fried
Kein Problem! Attest wird nachgereicht. Genauso wie bei den vielen Asthmatikern im Radrennzirkus (Betonung auf Zirkus). Und ...