Ein Buch macht Karriere

Reise durch den Verdauungstrakt

Das Buch „Darm mit Charme“ ist mittlerweile in 40 Sprachen erschienen. In Paris dient es jetzt als Vorlage für eine Wissenschaftsausstellung.

Eine Ausstellungsbesucherin schaut sich ein Modell des Verdauungstraktes an

Ein Modell des Verdauungstraktes in der Pariser Ausstellung „Microbiote“ Foto: N. Breton

PARIS taz | „Darm mit Charme“ heißt das Buch der jungen Medizinerin Giulia Enders. Wissenschaft leicht und vergnüglich unters Volk gebracht, mit unterhaltsamen, kindlich-freundlichen Zeichnungen ihrer Schwester Jill. Lustige Bakterien und andere Aktivitäten rund um den Darm, die Ehrenrettung des Furzes, die Enttabuisierung des Kots. Eben alles, was Sie schon immer über Ihren Darm wissen wollten und sich nie zu fragen trauten. Vorbei die Zeit der Scham: der Darm mit all seinen Funktion ist ein äußerst wichtiges Organ.

2014 wurde das Buch in Deutschland ein Bestseller, bevor es seinen Siegeszug um die Welt antrat. Es wurde in rund 40 Sprachen übersetzt, auch ins Französische: 1,2 Millionen Exemplare von „Le charme discret de l'intestin“wurden in Frankreich seit 2016 gekauft. Jetzt dient das Buch als Vorlage für die Ausstellung „Microbiote“, in der Cité des sciences et de l’industrie in Paris. Bis 4. August 2019 widmet sich die Ausstellung allen Bestandteilen des Verdauungstrakts, dem menschlichen Verdauungssystem .

Nach einer detaillierten Besichtigung, die durch die Organe des Verdauungssystems führt, wird der Ausstellungsbesucher mit seinen Gedärmen bekannt gemacht. Er erfährt alles über ihre Zusammensetzung, ihr Funktionieren und ihre wichtige Rolle für die Gesundheit. Außerdem gibt es wertvolle Ratschläge, wie man seine Mikrobiota fit hält. Im „Cacabinet“ erhält man Informationen für den Alltag. Wie entleer ich mich am besten? Jedenfalls nicht in der gewohnten Sitzhaltung auf dem Klo, sondern in der Hockhaltung. Also stellen Sie am besten neben den Klositz einen Hocker, um die Füße darauf zu stellen, das bringt den Darm auf Durchlauf.

Bei der Gestaltung der Pariser Ausstellung haben die Schwestern Giulia und Jill Enders aktiv mitgeholfen. Die freundlichen Bakterien aus dem Buch in den Zeichnungen von Jill sind hier großformatig wieder zu finden. In einem Interview mit dem Stern sagte Julia Enders: „Der Darm. Das ist mein Ding. Das fasziniert mich. Darüber will ich alles wissen.“ In der Neuauflage ihres Darmbuches gibt es einen Zusatzteil, zum Thema „Darm-Hirn-Verbindung“: Was passiert bei uns Menschen, wenn es um unsere Laune, Stress oder depressive Verstimmungen geht?

Tanja Maljartschuk: „Blauwal der Erinnerung“. Aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019. 285 Seiten, 22 Euro.

„Es gibt Bakteriencocktails, die im Darm einen nachhaltigen Effekt auf unsere Psyche haben“, sagt Enders. „Womöglich können Psychobiotika bei der Vorbeugung und Behandlung von Depressionen helfen. Giulia Enders’ Bestseller „Darm mit Charme“ hat eine Welle von Darm-Büchern ausgelöst. Ihre fröhliche Wissenschaft einer tabuisierten Zone hat die individuelle Verdauung genauso angeregt wie die wissenschaftliche Diskussion.

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