Das Duo Tegan & Sara veröffentlicht ein Elektropop-Album. Mit „Heartthrob“ zeigen die Zwillingsschwestern, dass sie reifer geworden sind. von Hengame Yaghoobifarah

Das Experimentieren ist Geschichte: Tegan & Sara. Bild: Promo
Tegan & Sara sind als Duo unzertrennlich. Das galt jedenfalls bisher. Auf ihrem neuen Album „Heartthrob“ haben die beiden kanadischen Zwillingsschwestern nun Trennung als großes Thema entdeckt.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Und das gleich aus zwei verschiedenen Perspektiven: die der Verlassenen und die der Verlassenden. Letztere kann als attraktive Herzensbrecherin betrachtet werden, die diverse Phasen durchmacht. Zunächst ist ihr Umfeld über ihre Entscheidung enttäuscht, dann erteilt sie einer Freundschaft mit der Ex eine Absage und lernt jemand Neues kennen.
Auch die andere Person durchläuft typische Trennungsstadien. Angefangen bei der ohnmächtigen Wut in „Goodbye, Goodbye“, der tieferen Reflexion über die Beziehung, der Eifersucht auf die neue Flamme der Ex bis hin zum Gefühlschaos und dem abschließenden Appell zum Aufschwung mit dem Finale „Shock To Your System“ sind alle Etappen abgedeckt.
Schon das Vorgänger-Album „Sainthood“ (2010) ließ die musikalische Weiterentwicklung von Tegan Rain und Sara Kiersten Quin erahnen: Mit der Kombination aus Folkrock und elektronischen Klangelementen deuteten sie an, dass sie weg wollten von ihrem Image als gutes sauberes Indie-Duo.
Für „Sainthood“ schrieben Tegan & Sara auch zum ersten Mal gemeinsam an den Songs – vorher steuerten die beiden Schwestern unabhängig voneinander jeweils Kompositionen zu den Alben bei. Die Meinungen der Fans gingen auseinander, nicht alle fanden Gefallen an dem zunehmenden Elektropop-Anteil in der Musik.
Nun also „Heartthrob“, ein Album, für das das das Duo kein Iota von der eingeschlagenen Richtung abgewichen ist. Was reimt sich auf Herz? Schmerz kennen die Songs von Tegan & Sara nur zu gut: Man denke an „Call It Off“ und „Nineteen“ vom Album „The Con“ und „Where Does The Good Go“, einem finsteren Cut von „So jealous“, der es auch in die TV-Serie „Grey’s Anatomy“ geschafft hat. Eine dunkle Melancholie und markante Gesangsstimmen definieren all diese Titel.
Früher ging es in den Texten von Tegan & Sara eher um typische Teenager-Themen, um Selbstfindung, Liebe und um die Fügung in das Schicksal. Der offene Umgang mit ihrer Homosexualität zeigte sich sowohl in den Texten als auch in ihrem sozialen Engagement. So unterstützen Tegan & Sara Kampagnen für die Rechte von homo-, bi- und transsexuellen Menschen.
Tegan & Sara waren immer für einen Hit gut. Auf dem neuen Werk „Heartthrob“ gibt es ein solch offensichtliches Lied nicht, vielmehr hängen die Titel miteinander zusammen und fügen sich zu einem Ganzen.
In diesem Konzept steckt viel Raum für optimistische Emotionen: In der Singleauskopplung „Closer“ steht die Suche nach körperlicher Nähe im Zentrum, die Entwicklung zur Romanze in „Drove Me Wild“ und schließlich der Höhepunkt in der Liebeshymne „Love They Say“. Die neuen Gefühle sollen die alten Wunden reinigen.
Musikalisch beweisen die beiden Schwestern auf ihrem neuen Album vor allem eins: Mut. Trotz kritischer Reaktionen auf ihre Kollaborationen mit DJ-Künstlern wie Tiësto, David Guetta oder Morgan Page lassen sie sich genau diese Einflüsse anmerken, steigern das Tempo weiter, erhöhen die Tanzbarkeit der Songs und driften textlich stärker an die Oberfläche.
Hand aufs Herz: Tegan & Sara sind jetzt Chartsmaterial, doch ist nicht jeder Schritt in Richtung Mainstream automatisch ein falscher. Die gewohnt eingängigen Gitarren- und Keyboardhooks wurden schließlich nicht ersetzt, sondern um sinnvolle Beats und Instrumente ergänzt.
Im Lichte des Gesamtwerks betrachtet, vervollständigt „Heartthrob“ sowohl die Entwicklung zweier junger Musikerinnen als auch die Turbulenzen ihres Seelenlebens – denn in der Zeitspanne zwischen 1998 bis 2013 sind Veränderungen unabdingbar: Tegan & Sara sind in der Zwischenzeit erwachsen geworden.
Das Konzept von „Heartthrob“ geht perfekt auf, der Albumtitel passt in jede Auslegung: Es geht sowohl ums Herzklopfen als auch um die Verblendung durch Liebe und die Beziehung mit einem Mädchenschwarm.
Mögliche Trennungsschmerzen werden durch das Hören in der Dauerschleife übrigens ungemein gelindert, und das gilt für beide Leidtragende – versprochen.
Beim Magazin „Spiegel“ könnte am Montag ein Wechsel der Chefredaktion bevorstehen. Das amtierende Führungsduo ist zerstritten. von F. Dachsel/D. Schulz

Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Leserkommentare
18.02.2013 18:28 | Mia
Richtig guter Artikel, genau so empfinde ich das Album auch.