• 14.07.2012

Ende des Wachstums in Indien

„Die Demokratie hat versagt"

Der Linksintellektuelle Praful Bidwai über das Ende des indischen Wachstumsbooms – dieser hat den Armen nichts gebracht. Und über das Versagen der politischen Parteien.von Georg Blume

  • 09.03.2013 18:37 Uhr

    von no name:

    Man kann nicht sagen, dass sich in Indien nichts mehr getan hat. Seit der wirtschaftsliberalisierung sind die Wachstumsquoten enorm gestiegen. Sie kommen immer mal wieder ins stocken aber das ist normal. Es gab zahlreiche Pläne die versucht haben Peripherien von Industriestandorten einzubeziehen. Die Mittelschicht ist ebenfalls gewachsen.
    Denkt ihr, es wäre so leicht 1,3 mrd. Menschen mal eben so am Wachstum teilhaben zu lassen?

  • 20.07.2012 23:01 Uhr

    von Sarah:

    Der Autor schlägt in dem Interview einen sehr kritischen Ton an. Es wäre schön, wenn er seine kritische Auffassung gegenüber indischen Linksintellektuellen und sozialen Bewegungen noch einmal eigens in einem Artikel begründen könnte. Wie kommen die Früchte des Wirtschaftsaufschwungs bei einem Gros der Bevölkerung in Form einer Verbesserung ihrer Situation an? Und was bedeutet der pauschale Satz in der Vorstellung: "Er passte sich dem Zeitgeist an."? An welchen? So hört man nur unterschwellig eine starke, aber unbegründete Kritik heraus. Danke an die taz für das Thema. Das nächste Mal aber bitte etwas tiefgehender.

  • 15.07.2012 07:13 Uhr

    von speedyem1980:

    Danke für diesen Beitrag, denn er zeigt mal wieder eindeutig, wie fern weit sich linke Intellektuelle von dem sind, was allgemein hin Realität genannt wird... - auch und gerade wenn sie jeden Morgen vor ihrer Tür immer länger werdende Schlangen von Arbeiter/innen sehen, die jeden Tag für einen Hungerlohn schuften und jeden Tag auf's Neue bangen müssen ob sie überhaupt einen (Tages)Job bekommen... Anstelle sich mit ihnen zu solidarisieren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen wird über nationale, übergeordnete Politik diskutiert! Eine Vielzahl von rechtlichen Kompetenzen wurde allerdings an Bundesstaaten gegeben auch und gerade weil sich die nationale Regierung (analog den Forderungen von Ghandi nach Dezentralisierung und Demokratisierung aber auch schlicht und einfach auf Grund der Größe Indiens) nicht in der Lage flächendeckend zu regeln geschweigedenn zu implementieren. Und genau an letzterem hapert es in der Vielzahl der Fälle... Es gibt eine Reihe von guten und fortschrittlichen Regelungen... wenn 'nur' die Menschen über diese,ihre Rechte wüssten... Es wurde auf die Rolle von Parteien abgestellt... aber sind Parteien alles andere als diejenigen die Veränderungen bringen - weder auf nationaler noch auf föderaler Ebene. Wenn es um Veränderungen geht dann sind lokale Kämpfe, die im Beitrag eher nur tangiert wurden von immenser Bedeutung!Nur durch die Organisierung (Informierung - Awareness - Aktionen) kann Druck auf lokale Politik ausgeübt werden... Role-models können andere lokale Gruppen / Gebiete inspirieren... Der Protest und der Erfolg kann so weitergetragen werden bis auf föderale und im Idealfall auf nationalstaatliche Ebene (Bsp. Implementierung des Right to Education Acts). Die allgemein abgehobene Diskussion über Debatten im Parlament kommen den Menschen nicht zu Gute - auch und vor allem bei einem focussierten Blick auf die soziale Zusammensetzung des Parlaments (trotz reserved seats for minorities) wird klar, dass Probleme der Mehrzahl der Bevölkerung tendenziell nicht im Wahrnehmungsradius liegen... Also: weg von abgehobenen Debatten, raus aus den sicheren 4 Wänden in einer der teuersten Städte in Indien und ab in die 'rural areas' (die immerhin über 60% des Landes ausmachen und für mindestens ebensoviel Menschen Heimat bedeutet) und direkt an den Veränderungsprozessen teilhaben und Veränderungen bewirken!
    Viele Grüße aus Indien

  • 15.07.2012 06:03 Uhr

    von elisabeth:

    Die Teilhabe von Analphabeten in
    der politischen Entschlussfindung
    ist nicht unproblematisch, wie man
    am Beispiel Ägyptens gut erkennen kann.

  • 14.07.2012 18:04 Uhr

    von isomatte:

    Die Leute in die Indien sind einfach dumm. Dabei wäre es sehr einfach etwas Wohlstand zu bekommen und die Kapitalisten und Mittelschicht zu bekämpfen und enteignen. Man müsste einfach die Marxisten wählen! Aber das trauen sich die Inder nicht.

  • 14.07.2012 16:57 Uhr

    von D.J.:

    Auch wenn der Hunger in der Welt insgesamt geringer wird (was die "Alles-wird-schlechter-Apokalyptiker" sich weigern wahrzuhehmen), har Indien seit den 90ern keine Fortschritte mehr gemacht - angesichts des Wirtschaftswachstums erschreckend. Welche Rolle spielt dabei Religion und Kastenwesen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger-Index#Nur_langsame_Fortschritte

  • 14.07.2012 13:44 Uhr

    von irgendwie lustig:

    Vor 40 Jahren schon beschrieb man solche "Entwicklung" ziemlich zutreffend mit der "Dependenz-Theorie". "Brückenköpfe" der Ersten Welt in Ländern der Dritten Welt: unser Way of Life suchte sich zu "globalisieren" und verunstaltete dabei die Gesellschaften (und die Ökologie) vor Ort.
    40 Jahre, und kein bisschen weise geworden. Bis die Löcher aus dem Käse fliegen. Und selbst das wurde schon vor 40 Jahren sauber analysiert: unsere Schwierigkeit uns selbst in den Griff zu bekommen. Nachzulesen bei Ivan Illich.

    Es braucht Sommeruniversitäten, neue, mit einer verschärften Qualität. Zum Glück ist das Wetter schlecht, da kann man an sowas denken ;-)

  • 14.07.2012 09:25 Uhr

    von Eindruck:

    Zu diesem Satz ("Was freie Wahlen und demokratische Procedere betrifft, ist alles okay.") einige persönliche Eindrücke aus meinem Leben in Indien.

    1. Mit der Gandhi Familie gibt es eine Familie, die die größte indische Partei - den Kongress - seit mehr als einem halben Jahrhundert beherrscht. Dasselbe wird man überall in Indien mit lokalen Familien finden: Die Partei ist die erweiterte Machtbasis einer Familie.
    2. Das Land ist von Korruption auf allen Ebenen zerfressen. Man hört oft, dass in der Schweiz genausoviel Geld aus Indien wie aus allen anderen Ländern der Welt zusammen kommt (kann natürlich nicht ratifiziert werden).
    3. Jede Partei hat ihre Trupps, die normalerweise nur herumlungern und im Wahlkampf sehr rabiat versuchen die Bevölkerung auf ihre Seite zu bringen und Gegner zu besiegen (Schlägereien...).
    4. Stimmenblöcke aus ganzen Dörfern, Slums oder Ethnien werden durch direktes Geld und Wahlgeschenke gekauft.
    5. Sehr viele Medien gehören Politikern.
    6. Von Region zu Region unterschiedliche, aber die meisten (gebildeten) Menschen gehen nicht zu Wahl, weil man sich nicht für eine der korrupten Parteien entscheiden will.

    "India is a land of possibilities, but only for politicians."

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