Private Verbraucher sparen Strom und zahlen den Zuschlag für erneuerbare Energien. Dabei sind es Industriekunden, die von Wind- und Sonnenenergie profitieren.von Bernhard Pötter

Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, sinken die Preise an der Strombörse. Bild: dpa
Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müssen Privathaushalte bislang auf jede Kilowattstunde Strom einen Zuschlag von 3,6 Cent für Ökostrom entrichten, sie zahlen damit insgesamt rund 24 Cent. Im Oktober steigt der Anteil wahrscheinlich auf 5 Cent.
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Statt 144 Euro zahlt ein vierköpfiger Haushalt dann 200 Euro Ökozuschlag jährlich – für Wirtschaftsverbände, Verbraucherschützer und einige Politiker Grund genug, von einem unerträglich hohen Preis für Ökostrom zu reden.
Aber die Realität ist komplexer. Die Gleichung „Höhe der EEG-Umlage = Belastung durch Ökostrom“ verschweigt, dass nicht alle Kunden zahlen. Auch aus anderen Gründen führt diese Art der Berechnung in die Irre. Denn die Wind- und Solarkraftwerke drücken den Preis für Strom und CO2-Zertifikate an den Börsen immer dann nach unten, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Vor allem die Industriekunden (von denen viele die Umlage nicht zahlen müssen) profitieren davon.
Den Ökozuschlag müssen außerdem fast nur Privathaushalte und kleine Unternehmen zahlen. Großverbraucher genießen Ausnahmen. Die energieintensive Industrie spart laut Bundesnetzagentur 2,5 Milliarden Euro im Jahr. Deshalb wird es für die wenigen, die zahlen müssen, insgesamt teurer. Zwischen 2001 und 2010 haben die Privathaushalte dabei 20 Prozent Strom gespart. Aber: Ihre Haltung wird nicht belohnt, sondern mit höherem EEG-Zuschlag bestraft, weil sich der Preis nun auf weniger Kilowattstunden verteilt.
Rechnerisch steigt die EEG-Umlage, wenn der Strompreis fällt: Dahinter steckt das Gefälle zwischen der Förderung nach dem EEG und dem Strompreis an der Börse. Der Stromkunde profitiert nicht.
Für den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ist die Höhe der EEG-Umlage kein Indikator mehr dafür, was „die Energiewende im Strombereich kostet.“ Die wahren Zusatzkosten der Erneuerbaren lägen nicht bei 3,6 Cent, sondern nur bei 2,1 Cent pro kWh. Der private Thinktank „Weltzukunftsrat“ (WFC) rechnet vor, dass die Nichtnutzung von Erneuerbaren jeden Tag weltweit etwa 7 Milliarden Euro an Schäden verursacht, Umweltschäden noch nicht mitgezählt.
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Leserkommentare
30.08.2012 19:34 | Doctor Hesselius
Das Zeitalter der fossilen Energieträger hat gerade begonnen. Siehe hier: http://exitus-historiae.blogspot.de/2012/07/das-z ...
30.08.2012 15:54 | Helga Schneider-Ludorff
Es war ja mal angedacht, dass die Industriebetriebe in effizientere, umweltfreundlichere Anlagen investieren, um ihre Energ ...
29.08.2012 19:37 | An den Wahrenwahreneinzigenerleuchteten
"Ein Kampf gegen Windmühlen hier"