Taliban köpften Tanzende, hieß es zuerst. Nun tauchen Zweifel auf: War es Mord an feiernden Männern und Frauen oder die Tötung von Regierungsinformanten?von Thomas Ruttig

Der Schein trügt: Das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Armee ist angespannt. Bild: dapd
BERLIN taz | Unklarheit herrscht über die Umstände, unter denen Talibankämpfer in Südafghanistan in der Nacht zu Montag 17 Menschen ermordet haben. Laut afghanischen Nachrichtenagenturen seien zwei oder drei Frauen unter den Toten.
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Die meisten Opfer seien erschossen, einige aber auch „enthauptet aufgefunden“ worden seien, sagte Daud Ahmadi, Sprecher des Gouverneurs der Provinz Helmand. Der Vorfall ereignete sich im Distrikt Musa Kala, etwa 75 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Laschkargah.
Der Kabuler Fernsehsender Tolo zitierte einen örtlichen Stammesältesten, demzufolge die Taliban eine nächtliche Party überfallen hätten, bei der Frauen vor Männern getanzt hätten. Die New York Times berichtete hingegen unter Bezug auf den Distriktgouverneur, die Männer seien Informanten der Regierung gewesen und aus ihren Häusern verschleppt worden. Die getöteten Frauen hätten versucht, sich für sie einzusetzen.
Unabhängig von den genauen Umständen widersprechen die Morde der Botschaft von Taliban-Chef Mulla Muhammad Omar jüngst zum Ende des Ramadan. Darin hatte er seine Kämpfer angewiesen, „Leben, Eigentum und Ehre“ von Zivilisten zu „schützen“. Informanten müssen dem schriftlichen Verhaltenskodex der Taliban zufolge vor ein islamisches Gericht gestellt werden; Enthauptungen sind verboten.
Ebenfalls Sonntagnacht in Helmand, allerdings im Distrikt Waschir im Süden, griffen Taliban einen afghanischen Armeeposten an, töteten zehn Soldaten und verletzten vier weitere; fünf sind vermisst. Laut Ahmadi hätten die Vermissten eventuell Verbindungen zu den Taliban unterhalten und diese bei dem Überfall unterstützt. In diesem Jahr wurden bisher 35 Fälle mit 53 Toten registriert, in denen afghanische Soldaten oder Polizisten eigene Kollegen umbrachten.
Die Taliban-Aktivitäten in Helmand lassen Behauptungen des US-Militärs in anderem Licht erscheinen, dass die Aufständischen dort als Folge der 2009 von Präsident Barack Obama angeordneten Truppenaufstockung in ihren Hochburgen erheblich geschwächt worden seien. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte der kritische US-Blog Wired interne Pentagon-Angaben, nach denen sechs der zehn gefährlichsten Distrikte Afghanistans unverändert in Helmand lägen. Musa Kala gehört dazu.
In der Provinz Laghman, im Osten des Landes, erschoss unterdessen ein afghanischer Soldat am Montag zwei US-Soldaten und wurde dann selbst erschossen.
es bräuchte einen zweiten Ahmad Schah Massoud
Man sollte wissen, dass es in Afghanistan bereits seit zwei Monaten einen sich rasch ausweitenden allgemeinen Volksaufstand ...
Nun, dass solche "Vorkommnisse" der taz nicht in den Kram passen, das ist ja eh klar!
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