Entwickler über neue Schreibhilfen

Harry Potter und der Halbbotprinz

Mithilfe künstlicher Intelligenz wurde ein neues Harry-Potter-Kapitel geschrieben. Ganz allein kann die Maschine das aber nicht, sagt Entwickler Jamie Brew.

Ein Mädchen trägt eine runde Brille und eineen aufgemalten Blitz auf der Stirn

Fällt hoffentlich nicht für den Rest des Sommers die Treppe herunter: ein Harry-Potter-Fan Foto: reuters

taz: Herr Brew, Sie und ihr Team haben eine künstliche Intelligenz entwickelt, die ein neues Kapitel für die Harry-Potter-Reihe geschrieben hat. Der Text ist inhaltlich absurd, aber grammatikalisch einwandfrei. Kostprobe? „Ron sah Harry und fing gleich an, Hermines Familie zu essen.“ Versprechen Sie mir, dass der Bot das ganz ohne Hilfe geschafft hat?

Jamie Brew: Hat er natürlich nicht – das haben wir auch nie behauptet. Was wir gebaut haben ist eine Tastatur mit Wortvorhersage, so wie man sie von den meisten Smartphones kennt. Das Programm macht immer eine Reihe von Vorschlägen, welches Wort als nächstes folgen könnte. Die Auswahl hat dann aber immer ein Mensch getroffen. So haben wir Wort für Wort den Text verfasst. Es ist deshalb auch ehrlicher, wenn man von einer Interaktion zwischen Mensch und Maschine spricht, anstatt von einem Bot oder einer künstlichen Intelligenz.

Jamie Brew, 27, war früher Autor für clickhole.com, das zum satirischen US-Magazin The Onion gehört. 2016 gründete er die Botnik Studios (botnik.org), ein Startup, das künstliche Intelligenz mit Satire zusammenbringt. Programmieren hat er sich selbst beigebracht.

Sie haben aber zuvor alle sieben Harry-Potter-Bücher auf das Programm geladen. Hat es dabei also nur die Wörter gelernt, gar keine Grammatik?

Die Maschine kennt sich ein klein wenig mit Grammatik aus. Sie versteht Sequenzen – zum Beispiel, dass nach einem Verb (im Englischen, Anmerkung der Redaktion) ein Adverb folgen kann. Mir ist keine Software bekannt, die ganz allein korrekte und inhaltlich sinnvolle Texte produzieren kann – es sei denn, die Form und das Themenfeld sind extrem stark eingeschränkt. Was wir geschrieben haben ist einfach ein Interface, oder ein Tool, mit dem Menschen arbeiten können. Künstliche Intelligenz spielt eine Rolle, aber ich würde das Programm nicht als „eine“ künstliche Intelligenz bezeichnen.

Ich muss mir also um meinen Job erst einmal keine Sorgen machen?

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob jemand anderes gerade daran arbeitet, Sie zu ersetzen. Was wir machen, hat jedenfalls einen Fokus auf Menschen, nicht auf Maschinen. Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen.

Worum geht es Ihnen dann?

Wir wollen neue menschliche Ausdrucksformen finden. Wir haben hier ja in einem ganz bestimmten Stil geschrieben, das ist natürlich J.K. Rowlings Stil. Was uns dieser Text beibringt, ist, dass jeder Sprachstil wie ein Werkzeugkasten ist.

Am Ende Ihres Kapitels fällt Harry „für den Rest des Sommers eine Treppe hinunter“. Was veröffentlichen Sie als nächstes? Vielleicht etwas komplett Neues, ganz ohne Vorbild?

Man kann nie erwarten, dass etwas ganz und gar originär ist. Jeder Text hat immer Vorbilder. Ich hätte große Lust, die Maschine auf weniger bekanntes Textmaterial anzuwenden. Man könnte zum Beispiel einen Text auf Basis der am wenigsten gelesenen deutschen Zeitungsartikel 2017 schreiben.

Peter Weissenburger

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