Erweiterung des Jüdischen Museums

Grüner Garten in Betonhalle

Das jüdische Museum stellt den Entwurf des Gartens seiner Akademie in der Blumengroßmarkthalle vor: Ein Ort für Pflanzen, die die Diaspora der Juden verkörpern.

Halle und Modell: Daniel Libeskind baut Erweiterung des Jüdischen Museums samt Garten Bild: dpa

Ein rund acht Meter hohes, schräges Rechteck klafft in der Vorderfront der ehemaligen Blumengroßmarkthalle. Noch ist es gähnend leer zwischen den hellblauen Beton-Säulen unter dem wellenförmigen Shed-Dach. In knapp einem Jahr werden auf den freien 6.400 Quadratmetern drei Holzwürfel aus dem Boden ragen und hinter ihnen ein schwebender grüner Plateau-Garten. Die Pläne für den "Diaspora-Garten" wurden am Mittwoch von Museum und Architekten vorgestellt.

Seit Februar laufen die Umbauarbeiten des Jüdischen Museums in der Blumengroßmarkthalle. Darin soll auf 60 Prozent der Fläche eine Akademie mit Garten entstehen. Bibliothek, Archiv und Räume für Bildungsarbeit werden in die Halle einziehen und damit die Kapazitäten der bestehenden zwei Museumsgebäude auf der anderen Seite der Lindenstraße entlasten. Für den Umbau wurden elf Millionen veranschlagt: 60 Prozent davon trägt der Bund, 40 bringt das jüdische Museum mit Spenden auf.

Mit dem Entwurf der Akademie wurde der Stararchitekt Daniel Libeskind, auch Planer des Jüdischen Museums gegenüber, betraut. Sein Konzept "Zwischenräume" für die Akademie ist ein Haus-in-Haus-Konzept. Das Gebäude des Blumengroßmarktes bleibt bis auf einige Durchbrüche in der Fassade erhalten. Die Besucher betreten das Gebäude durch einen schrägen Holz-Kubus als Eingang, der sowohl nach draußen als auch nach drinnen ragt. Im Inneren der Halle stehen links und rechts zwei weitere Holzkuben. Alle drei Kuben sind gegeneinander geneigt. Im Rechten wird die Bibliothek einziehen, im Linken das Auditorium. Die Kuben sollen an Transportkisten erinnern und stehen so für die Vermächtnisse, die das Jüdische Museum bewahrt. Libeskind variiert bei dem Entwurf der Akademie die Figur des Kubus, die sich schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Glashof des Museums und im Exil-Garten wiederfindet.

Ein anders Thema, dem Libeskind auch bei der Akademie treu geblieben ist, ist die Verknüpfung von Architektur und Landschaft. Schon früh hatte Libeskind den Wunsch nach einem Garten. Ursprünglich war ein "Biblischer Garten" mit Pflanzen aus dem Alten Testament geplant. Jetzt soll er nach den Plänen des Berliner Landschaftsarchitekturbüros atelier le balto "Garten der Diaspora" heißen und nochmal 500.000 Euro kosten. "Viele Pflanzen aus der Bibel können hier gar nicht wachsen", erzählt Véronique Faucheur von atelier le balto. Das Gebäude des Blumengroßmarktes wird nicht gedämmt, nur die Holzkuben werden beheizt und klimatisiert. Außerdem ist im Gebäude kaum Licht und die Pflanzen müssen künstlich bewässert werden. "Statt mit Weinbergen arbeiten wir mit Scheinreben, die auch hier wachsen", erklärt Faucheur, "oder diesem Heilkraut Rizinus, das schon Jona benutzt hat und irgendwann auch in Europa Wurzeln geschlagen hat, wie die Juden in der Diaspora."

Über eine Brücke ist der Garten mit den Holzkuben verbunden und erstreckt sich auf einigen großen Stahlplatten, die über einer hölzernen Terrasse "schweben". Jede Platte hat einen Abstand von einem halben Meter zum Boden. Die Platten steigen wie ein Plateau auf und sind in die vier Themenfelder Bildung, Kultur, Natur und Landschaft unterteilt. Auf der vordersten Platte für Bildung soll ein großes Buch aus dicken Papier mit Pflanzen-Abbildungen von jüdischen Botanikern liegen und Kisten mit Samen, aus denen Kinder Nutzpflanzen ziehen können. Hinten auf der letzten Platte stehen größere Pflanzen aus der Bibel wie Ölweide, Scheinreben oder der Rizinus. "Das Museum sagte, wir sollen träumen" sagt Véronique Facheur, "das haben wir getan."

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