Fahndungserfolg in Hamburg

Haftbefehle nach Silvester-Übergriffen

Nach der Veröffentlichung von Fahndungsfotos nimmt die Polizei zwei Afghanen fest. Sie sollen Frauen gemeinschaftlich sexuell genötigt haben.

Große Freiheit auf St.Pauli: Übersichtsaufnahmen der Menge führten zu den Festnahmen.  Foto: Christian Charisius/dpa

HAMBURG taz | Drei Wochen nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht auf St. Pauli und am Jungfernstieg hat die Polizei die ersten Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen 29 und einen 24 Jahre alten Afghanen. Die Ermittler werfen ihnen vor, mehrere Frauen gemeinschaftlich sexuell genötigt zu haben. Gegen den Älteren wurde ein Haftbefehl erlassen; der Jüngere wurde gleich wieder entlassen, weil kein dringender Tatverdacht gegen ihn bestand, wie die Polizei mitteilte.

Wegen sexueller Belästigung zum Jahreswechsel sind inzwischen 218 Anzeigen bei der Polizei eingegangen. Insgesamt seien 351 Frauen belästigt worden, gab die Polizei an. Die Übergriffe, die laut Zeugenaussagen von Männern aus Nordafrika oder Arabien begangen worden sein sollen, haben – auch vor dem Hintergrund ähnlicher Vorfälle in Köln – eine große Diskussion in der Öffentlichkeit ausgelöst. Am Donnerstag hat auch die Bürgerschaft darüber debattiert.

Mehrere Opfer hatten einen der beiden Tatverdächtigen auf einem Übersichtsfoto entdeckt, das ein Anwohner von der brenzligen Situation auf der Großen Freiheit gemacht hatte. Die Polizei veröffentlichte daraufhin Porträtauszüge, auf denen ein Mitarbeiter der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Stellingen den 29-Jährigen erkannte. Die Polizei durchsuchte dessen Unterkunft und sicherte dabei mehrere Kleidungsstücke als Beweismittel. Aus der Vernehmung des Mannes stammte der Hinweis auf den zweiten Verdächtigen.

Die festgenommenen Afghanen gehören zu acht Tatverdächtigen, die die Sonder-Ermittlungsgruppe „Silvester“ der Polizei bislang gefunden hat. Alle diese acht Personen hätten einen Migrationshintergrund, hatte der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise, am Freitag vergangener Woche im Innenausschuss der Bürgerschaft erklärt. Sie seien teils Flüchtlinge, die in Unterkünften der Stadt lebten, teils Menschen, die schon seit mehreren Jahren in Hamburg wohnten. Ermittelt werde ferner gegen 18 bis 20 Personen, denen aber noch keine konkreten Taten auf St. Pauli oder am Jungfernstieg zugeordnet werden könnten.

Die Polizei sicherte in der Unterkunft mehrere Kleidungsstücke als Beweismittel

Nachdem die Übergriffe in Köln und erste Anzeigen in Hamburg bekannt geworden waren, hatten sich in den Tagen nach Silvester immer mehr Frauen wegen „Beleidigung auf sexueller Basis“ an die Hamburger Polizei gewandt. Wie eine Auswertung der Polizei für die Bürgerschaft ergab, zeigten bis zum 12. Januar fünf von sechs Frauen zudem „sexuelle Nötigung“ an, jede sechste außerdem Diebstahl, einige wenige auch Raub und Körperverletzung.

In der Antwort auf die entsprechenden Anfragen von Bürgerschaftsabgeordneten der CDU, FDP und AfD sprach die Polizei Mitte Januar von einem „in dieser Form bisher unbekannten, besonders gravierenden Phänomen sexueller Übergriffe auf Frauen, auf die sich die Polizei mit den Maßnahmen vor Ort konzeptionell neu einstellen wird“. In der Silvesternacht hatten, gedeckt durch den Trubel von 50.000 Feiernden, mehrere Gruppen von 15 bis 20 zum Teil betrunkenen Männern gemeinsam Frauen eingekreist und bedrängt.

 

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