Filmemacher Banush über deutschen Film

"Keiner hilft dir, wir tun es selbst"

Ein gutes Leben im Sinne des Kinos? Pah! Patrick Banush erklärt, warum es in Deutschland nur Staatsfilme gibtund was anders werden muss.

Gefühlsmäßig steht Viktor im Regen. Bild: Klein Bukarest Film GBR

tazlab: Herr Banush, Ihr Film "Die Liebe und Viktor" hat lumpige 10.000 Euro gekostet und lief insgesamt dreißig Wochen in Berlin. Wie ging das denn?

Patrick Banush: Das geht eben alles inzwischen für null Geld. Equipment, Nachbearbeitung, Ton: Das kostet einfach nur noch ein Hundertstel dessen, was früher bezahlt werden musste. Wir nutzen das. Aber die anderen tun so, als hätte es eine technische Entwicklung nie gegeben.

Wer sind denn die anderen?

Die machen Filme mit Steuergeldern und Filmförderung. Die Basis für die Filmförderung ist immer ein Drehbuch, in dem alles drinsteht. Wenn du irgendwas ändern willst, auch nur einen Satz, musst du die Erlaubnis von Redakteuren haben. Wenn du mehr änderst, dann gilt die Vereinbarung nicht mehr. Aber das bedeutet eben auch, dass improvisierte Filme per se ausgeschlossen sind von der Filmförderung.

Ist das nicht gegen die Idee des Kinos - auch das Spontane zu wagen?

Vor allem ist es total schade. Unsere Filme sind einfach besser. Nicht so cool ist, dass wir niemanden bezahlen können, nicht davon leben können und noch nicht mal das Geld, das wir reinstecken, wieder rauskriegen.

Jahrgang 1972, bricht sein Regiestudium an der Münchner Filmhochschule ab, wird Sketchautor u. a. für Harald Schmidt, 2009 Buch und Regie "Die Liebe und Viktor", seit 2011 organisiert er das Campingplatzkino in Berlin und ist jetzt zu Gast im HBC-Club, wo er Low-Budget-Filme zeigt. Auf dem tazlab stellt er mit Axel Ranisch und Tom Lass seine Alternative zum Deutschen Film vor.

Was ist denn die Motivation dahinter, solche Filme zu machen? Offensichtlich nicht Geld, oder?

Man denkt schon, wenn man den Film macht, dass ein Verleiher kommt und ihn kauft. Da ist man genauso naiv wie ein Filmhochschüler. Fakt ist: Wenn man so einen kleinen Film macht, wird nie ein Verleiher kommen und helfen. Keiner wird dir helfen. Das ist auch gut so. Ich habe relativ früh schon Plan B gehabt: Wir bringen unseren Film selber raus und machen das mit Talent. Und, was soll ich sagen, das hat sogar Spaß gemacht.

Rolf Zacher und Samuel Finzi spielen in "Die Liebe und Viktor". Wie gewinnt man so prominente Schauspieler für einen Low-Budget-Film?

Man muss sich einfach trauen, die Leute anzusprechen. Man darf keine Angst haben, dann klappt alles. Und wir drehen natürlich wahnsinnig schnell. Wir brauchen den Rolf Zacher nur einen Tag, obwohl er eine große Rolle hat. Die anderen bräuchten ihn fünf Tage. Dadurch ist es billiger für uns. Wir sind auch viel flexibler. Wenn ein Schauspieler nicht kann, muss man eben jemanden von der Straße nehmen. Das kann sogar oft die bessere Besetzung sein. Bei uns geht das.

Macht man Low-Budget-Filme, weil man keine Filmförderung bekommen hat?

Nein. Jeder will natürlich eigentlich einen Film so machen wie wir. Jeder ist ja irgendwie egozentrisch und hat seine Fantasien und will auch während des Drehs die Freiheit haben, etwas ändern zu können. Aber die meisten haben Angst. So wie wir diese Filme angehen, könnte alles total scheitern, aber du musst dich eben nicht vor der ARD oder vor der Filmförderungsanstalt rechtfertigen. Wir kennen das Fördersystem natürlich auch. Viele von uns waren auf der Filmhochschule, das sind jetzt nicht irgendwelche Irren, die unter der Knute der Filmförderung arbeiten.

Haben Sie generell etwas gegen Filmförderung?

Das System der Filmförderung funktioniert in sich super, klar, aber es versaut die ganzen Filme. Eine Filmvernichtungsmaschine. Es gibt unendlich viele Regiestudenten, die würden alle gern mit ARD oder ZDF einen Film machen, mit Redakteur und Förderung. Das verheißt Erfolg und Geld. Von zweihundert Ideen wird aber eine wirklich produziert. Dafür lassen dich die Redakteure drei Jahre zappeln, lassen dich das Buch zehnmal umschreiben, ohne dass du auch nur einen Cent Gage gekriegt hast. Man vernichtet so auch die Regisseure. Die haben dann einmal so einen Film gemacht mit Redakteur und allem, und danach wollen die keinen mehr machen, ohne Kohle und unter riskanten Bedingungen. Die sind dann natürlich weg vom Fenster. So ist das System.

Wo findet das Publikum Ihre Filme auf der Berlinale?

Gar nicht. Auf der Berlinale laufen Leute herum, die denken, sie machen kritische Filme. Aber die füllen Formulare aus, bitten vorher um Erlaubnis bei der Filmförderung und lassen sich das alles prima subventionieren.

Und Sie?

Wir bleiben auf irgendwelchen Brachen, fast im Off, etwa im Campingplatzkino auf der Kastanienallee.

 

Die taz begleitet die Berlinale mit ausführlicher Berichterstattung, treibt sich am Potsdamer Platz herum, empfiehlt die einen Filme und warnt vor den anderen, spricht mit Regisseuren und Regisseurinnen.

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