Finanzierung für Sekundarschulen steht

Einigung im zweiten Anlauf

Nach einer Strafrunde stimmt der Senat dem Finanzierungskonzept von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) für die neue Sekundarschule zu.

Einen "Quantensprung" nennt Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die am Dienstag im Senat erzielte Einigung über Ausstattung und Finanzierung der Schulreform. Einen Freudensprung dürfte er jedenfalls gemacht haben. Denn vor einer Woche mochten die SenatorInnen seinen Plänen noch nicht zustimmen - Zöllner musste nachbessern. Kritik war vom Koalitionspartner Linkspartei gekommen, der die angestrebte Gleichwertigkeit von Gymnasium und der aus Zusammenwachsen von Haupt-, Real- und Gesamtschule entstehenden neuen Sekundarschule gefährdet sah.

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Wo genau er der Linkspartei seit letztem Dienstag noch entgegengekommen ist, mochte Zöllner auf der anschließenden Pressekonferenz nicht verraten. Fest steht aber: Für die etwa 150 neuen Sekundarschulen wird es etwa 300 zusätzliche Lehrer geben, dazu kommen neue Stellen für ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen für bessere Betreuung und Ganztagsbetrieb.

Klar ist auch: Die Klassengröße soll bei 25 SchülerInnen liegen. Derzeit sind es an Gesamtschulen 29, an Hauptschulen 24. Zudem will Zöllner die Pflichtzahl von Unterrichtsstunden für in Vollzeit beschäftige Lehrkräfte an den Sekundarschulen auf 26 senken. Bisher müssen Lehrer an Haupt- und Realschulen 27 Stunden pro Woche unterrichten. Erhöht wird dagegen die Lehrerstundenzumessung für Problemschüler: 0,22 statt wie bisher nur 0,1 Stunden extra pro SchülerInnen nichtdeutscher oder einkommensschwacher Herkunft sollen die Sekundarschulen bekommen.

Damit könnten Schulen in Problemkiezen auf bis zu 20 Prozent mehr Lehrerstunden als bisher kommen, lobt Zöllner sein Konzept, mit dem er ausdrücklich auch SchülerInnen "aus Bevölkerungskreisen den Weg zum Abitur öffnen will, die ihn bislang nicht wahrnehmen".

Die entstehenden Mehrkosten für Personal beziffert der Senator auf etwa 22,6 Millionen Euro jährlich - wenn die Reform 2015 abgeschlossen ist. Der Umbau der Schulen bis dahin wird vor allem aus dem Konjunturpaket II des Bundes finanziert.

An den Sekundarschulen sollen Schüler aller Leistungsstufen gemeinsam unterrichtet werden und alle Schulabschlüsse inklusive Abitur erreichen können. Allerdings würden die Sekundarschulen das Abi nach 12 Jahren wohl eher "theoretisch" anbieten, räumte der Senator ein. Realistischer sei, dass Schüler, die sich nach Klasse 10 das Abi in zwei Jahren zutrauen, ans Gymnasium wechselten.

Da ist also noch Konfliktstoff mit der Linkspartei drin. "Das entspricht nicht unserem Einigungsstand", schimpft deren Bildungspolitiker Steffen Zillich. Böte die Sekundarschule nur das Abi nach 13 Jahren, wäre die Gleichwertigkeit zum Gymnasium in Gefahr. Dennoch ist er mit der Einigung zufrieden. Schulen würden mehr als bisher ihrer Schülerschaft entsprechend ausgestattet, so Zillich: "Das ermöglicht mehr und bessere Förderung." ALKE WIERTH

 

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