Nach dem 4:1-Erfolg gegen Kasachstan wird Torhüter Manuel Neuer wegen seines Patzers zur Zielscheibe der Kritik. Joachim Löw ist verärgert.von Frank Hellmann

Neuer ist ein Patzer unterlaufen. Ja und? Bild: dpa
NÜRNBERG taz | Theorie und Praxis sind dummerweise auch im Fußball zwei Paar Schuhe. Oder besser Training und Wettkampf. Denn wer die Übungseinheiten der deutschen Nationalmannschaft während des Qualifikations-Doppelpacks gegen Kasachstan beobachtete, staunte immer wieder, mit welch großem Geschick auch der Nationaltorwart Manuel Neuer den Ball zu behandeln weiß.
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Ob auf dem Kunstrasen auf dem Eintracht-Gelände am Riederwald in Frankfurt oder dem Naturrasen auf dem Adidas-Areal in Herzogenaurach: Stets befahl Bundestorwarttrainer Andreas Köpke seinen Torleuten Neuer, René Adler und Ron Robert Zieler sich doch bitte schön hart und direkt die Bälle zuzuschießen und sie unvermittelt weiterzuleiten.
Während der Hamburger und vor allem der Hannoveraner Torhüter dabei stets allerlei Stockfehler einstreuten, erledigte Münchens Tormann diesen Part absolut fehlerfrei. Vielleicht hat ihn das zu jener trügerischen Sicherheit verleitet, die nun in einen hanebüchenen Aussetzer mündete, der nach der eigentlich souverän erledigten Pflichtaufgabe eine Grundsatzdebatte eröffnete.
Was Bundestrainer Joachim Löw („Manuel hat den zweiten Mann nicht gesehen. Er soll keinesfalls seinen Stil umstellen“) mehr ärgerte als der Lapsus, war die Mixtur aus Ironie und Häme, die auf Neuer anschließend von den Rängen einprasselte. „Das finde ich nicht in Ordnung. Das muss man nicht“, kritisierte Löw ungewohnt scharfzüngig. „Manuel ist ein überragender Torwart.“ Und überdies sei Neuer ja angehalten, die Bälle bloß nicht blind nach vorne zu bolzen wie beispielsweise überhäufig beim 4:4-Drama gegen Schweden.
Warum also der Unmut? Vielleicht weil – dreifach dumm – ausgerechnet der Fürther Heinrich Schmidtgal im Nürnberger Stadion von einem Bayern-Profi beschenkt wurde? „Ich habe es mitbekommen, aber was soll ich dazu sagen?“, brummte Neuer und fügte hinzu: „Ich werde jetzt nicht Kopfkino fahren.“ Zuvor hatte sich der Mann im orangefarbenden Outfit trotz des 4:1-Erfolgs bei den „Fans entschuldigt“, er habe die Situation eben „spielerisch lösen“ wollen.
Mit dem Fauxpas zog der letzte Mann auch seine fußballerisch bis dahin überzeugenden Vorderleute runter, „das war die Initialzündung für die schwächere zweite Halbzeit“, räumte Neuer demütig ein. Der bayerische Klubkollege Philipp Lahm gab ihm Rückendeckung: „Häme ist fehl am Platze. Ich finde, man darf uns auch applaudieren.“
Aber hatte das die frierende Kundschaft im Frankenland nicht auch getan? Vor allem ein ehemaliger Nürnberger hatte wiederholt Szenenapplaus erhalten: Ilkay Gündogan gehörte nicht nur wegen seiner Torpremiere zu den auffälligsten Erscheinungen. Auch dank ihm traten die Vereinskameraden Marco Reus und Mario Götze nicht nur als Torschützen in Erscheinung. Der deutschtürkische Irrwisch versteht es nämlich, die Bälle direkter und vertikaler als etwa Bastian Schweinsteiger in die Schnittstellen zu bringen.
Als „kleinen Großen“ tituliert sich der 20-jährige Gündogan im Kreise der DFB-Auswahl – auch wenn die Verbandspressestelle diese Eigenbeschreibung aus Interviews wieder eliminiert. Also formulierte Gündogan jetzt lieber artige Allgemeinplätze. „Es freut mich, dass der Bundestrainer in mir viel Potenzial sieht, aber deshalb werde ich mich keineswegs zurücklehnen, sondern noch mehr tun.“ Ansprüche anmelden? Nicht doch. Fakt ist, dass der schnelle Umschalter Gündogan und der verkappte Stürmer Götze genau jene Optionen sind, die der Nationalelf beispielsweise bei der EM noch gefehlt haben.
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Leserkommentare
29.03.2013 00:27 | Ingo
netter Artikel - nur ist der gute Ilkay glatt zwei Jahre älter - hat bei Hessler 06 mit Sohn no. 1 noch in einer Mannschaft ...
28.03.2013 21:31 | JoHnny
"neuer"
werter frank hellmann,
für das chronische unterste-schublade-verhalten
des nürnber ...
27.03.2013 18:27 | riducule
Im Ruhrpott sind insoweit die wichtigen Fragen der Nation längst geklärt: ...