Der ADFC lud zur Fahrrad-Demonstration über die Hochstraße und der Bausenator zum Straßenfest auf dem Rembertikreisel - die Sonne lachte mitvon Klaus Wolschner

Der Autoverkehr musste am Sonntag auf die zentrale Achse durch Bremen verzichten. Es bekam ihm gut. Bild: kawe
Es war ein erhebendes Gefühl: Tausende von Radfahrern auf der zentralen Auto-Trasse, die die Bremer Innenstadt zerschneidet und zum Symbol einer verkehrten Welt geworden ist, am Bahnhof vorbei und hoch hinaus auf den „Spaghetti-Knoten“ und über die Weser Richtung Woltmershausen. 5.500 Teilnehmer hat der ADFC gezählt, gefühlt waren es mindestens doppelt so viele, wahrscheinlich auch, weil der Demonstrationszug kilometerlang war. Und weil man eigentlich in Bremen, abgesehen von ein paar Straßenzügen in der Innenstadt, nichts mitbekam von dem „autofreien Sonntag“. Zum siebten Mal hat der ADFC die Fahrraddemonstration über die Hochstraße organisiert. Inzwischen sind fast alle davon überzeugt, dass sie abgerissen werden muss, aber gleichzeitig ist klar, dass Bremen dafür nicht das Geld hat. „Solche Mobilität ist Schwachsinn“, formuliert der Bausenator Joachim Lohse (Grüne) in einer für ihn ungewohnten Schärfe. Gleichzeitig erklärt er den Abriss zur „Vision, nicht heute, nicht morgen“ können man sie umsetzen.
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„Autofreier Sonntag“ ist eigentlich ein völlig irreführendes Wort für ein großes Straßenfest auf dem Rembertikreisel. Liegestühle waren am Sonntag da auf der Fahrbahn aufgestellt, vor dem Stubu schallte Tango-Musik über den Breitenweg und ein Riesenrad schaukelte neben dem Verwaltungsgebäude der Gewoba die Menschen durch die Luft. Der Sportgarten hatte einen Bolzplatz abgezäunt, ein Puppentheater vergnügte die Kinder, die Schauspieler Claus Franke und Sissi Zängerle hatten ihr „Institut für alternative Verkehrsmedizin“ aufgebaut und stellten „autophile Gesundheitszeugnisse“ aus. Mehrere „Gehmobile“ versperrten den Parkraum, autogroße Konstrukte aus Dachlatten. Auf mehreren Bühnen wurde Musik gemacht und geredet, es gab Veganes und Fleischliches zum Verzehr.
Drei Kühe vollendeten das ländliche Idyll – der grüne Rembertiring ohne Verkehrs- und Stadtlärm, das war ein Erlebnis, das Tausende den ganzen Nachmittag über anlockte. Ein Stadtrundgang erinnerte daran, dass der Rembertiring eigentlich der Anfang einer vierspurigen Autobahn durch das Ostertor und über den Stadtwerder werden sollte – ein Denkmal für Mobilitätsträume vergangener Zeiten. Diese Grünfläche müsse genutzt werden für eine innerstädtische Verdichtung, erklärte der Bausenator. Die Diskussion darüber ist 20 Jahre alt und inzwischen auch mehrheitsfähig. Passiert ist bisher nichts. Wer das Rembertikreisel-Straßenfest am Sonntag erlebt hat, der wünscht sich dort keine Innenstadt-Villen, sondern eine vom Verkehrslärm befreite grüne Oase.
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