Georgien / Armenien / Baku

Programm der Reise

vom 17. bis 28. Sept. 2018

In der Altstadt von Tbilissi (Tiflis) Bild: Marcus Denzer

1. Tag (Montag)

Abflug um 11.20 Uhr ab Berlin Tegel mit Air Ukraine International über Kiew nach Baku. Ankunft gegen 01:20 Uhr. Reiseleiterin Barbara Oertel ist schon vor Ort, empfängt die Gruppe am Flughafen und bringt Sie zum Hotel.

2. Tag (Dienstag)

Nachdem sich die Gäste ausgeruht haben, beginnen wir unseren Aufenthalt in der Metropole Baku mit einem ausführlichen Stadtrundgang. Dabei richten wir unser Augenmerk vor allem auf die Altstadt, die seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Wir besuchen unter anderem die Mohammed-Moschee aus dem 11. Jahrhundert , den ehemaligen Feuertempel Ateschgah, die Tezepir Moschee, die russisch-orthodoxe Kathedrale sowie die Bibi-Heybat-Moschee. Ausklingen lassen wir den Tag mit einem Abendessen in einem landestypischen Restaurant. Zu Gast werden zwei AserbaidschanerInnen sein, die an einem Workshop der taz Panter-Stiftung teilgenommen haben.

Skyline der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku Bild: Archiv

3. Tag (Mittwoch)

Am Vormittag treffen wir uns mit Shehla Ismayil zu einem ausführlichen Gespräch. Ismayil ist Koordinatorin mehrerer Frauenprojekte sowohl in Baku als auch in der Provinz. Einige von ihnen haben zum Ziel Frauen in die Lage zu versetzen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen zu können. Am Nachmittag wartet Avas Hasanov auf uns. Er ist Vorsitzender der Organisation Humanitarian Research Public Union. Eines seiner wichtigsten Anliegen ist eine Vermittlung im Konflikt Berg-Karabach mit der Perspektive einer Annäherung bzw. Aussöhnung zwischen Aserbaidschan und Armenien.

Nach dem Gespräch bleibt noch etwas Zeit, um Baku auf eigene Faust zu erkunden. Beim Abendessen lassen wir uns aserbaidschanische Spezialitäten schmecken.

4. Tag (Donnerstag)

Noch vor dem ersten Hahnenschrei geht es zum Flughafen, um nach Tiflis weiter zu reisen. Dort werden wir gegen 9.20 Uhr eintreffen, um  uns dann per Bus unverzüglich nach Kutaisi, in die zweitgrößte Stadt Georgiens weiter zu fahren(circa drei Stunden Fahrt). Nach dem Einchecken in unserem Gästehaus, besichtigen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kutaisis, wie zum Beispiel die Bagrati-Kathedrale, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Wir machen auch einen Abstecher zum Parlamentsgebäude  – ein gigantisches Bauwerk aus Glas und Stahl, das Ex-Präsident Michail Saakaschwili für knapp 90 Millionen Dollar erreichten ließ und im Mai 2012 einweihte. Es sollte ein Spiegelbild der jüngsten Veränderungen in Georgien sein. Mittlerweile ist es beschlossene Sache, dass das Parlament wieder nach Tiflis zurück verlegt werden soll. Die Nutzung des Gebäudes ist bislang noch immer unklar. Nach der Parlamentsvisite machen wir einen Besuch bei der deutsch-georgischen Gesellschaft in Kutaisi, der einzigen derartigen Organisation im ganzen Land. Einer der Arbeitsschwerpunkte sind Sprachkurse, um junge Georgier zu Arbeits- und Studienaufenthalten nach Deutschland vermitteln zu können.

Das neue Parlament in Kutaisi Bild: Ruth Aping

Den Tag beschließen wir im Gästehaus Netela, einem Familienbetrieb. Hoch auf einem Hügel gelegen, hat man einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt. Im Netela verwöhnt uns die Hausherrin zum Abendessen mit hausgemachten Köstlichkeiten der georgischen Küche.

5. Tag (Freitag)

Nach dem zeitigen Frühstück geht es per Bus in das knapp 90 Kilometer entfernte Städtchen Tschiatura – zu Deutsch „Ein Wurm oder keiner“. Dieser Ort mit knapp 13. 000 Einwohnern, am Fuße des großen Kaukasus ist einzigartig. Hauptverkehrsmittel  in der kleinen Stadt, früher ein Zentrum des Manganerzbaus, sind 26 Seilbahnen. Einige der Seilbahnen wurden überholt und modernisiert. Mittlerweile lockt Tschiatura auch immer mehr neugierige Touristen an. Das freut die Menschen vor Ort, bringt aber auch Probleme mit sich. Denn es gibt bislang so gut wie keine Unterbringungskapazitäten.

Anschließend fahren wir weiter nach Gori, die Geburtsstadt von Josef Stalin. Während des Krieges war Gori kurzzeitig von russischen Truppen besetzt – Spuren der Kriegshandlungen sind heute noch zu sehen. 2011 wurde hier in einer Nacht- und Nebelaktion eine sechs Meter hohe Stalin-Statue aus dem Zentrum der Stadt entfernt. In Gori treffen wir den Journalisten Goga Apziauri von „Echo Kavkaza“, der bereits während des Krieges 2008 hier gearbeitet hat. Er wird uns auch über die Situation von Journalisten generell berichten. Wer etwas sowjetisches Ambiente schnuppern möchte, kann auch noch das Stalin-Museum besuchen (Führung circa eine Stunde). Am Abend treffen wir in Tiflis ein, wo wir den Tag in einem georgischen Restaurant ausklingen lassen.

Bizarre Souvenirs im Stalin-Museum Gori (Georgien) Bild: Ruth Aping

6. Tag (Samstag)

Am Vormittag erkunden wir die Altstadt der georgischen Hauptstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt werden soll. Unser Rundgang führt uns zunächst zum Rustaweli-Boulevard. Entlang dieser Platanen gesäumten Flaniermeile befinden sich Theater, Paläste und Wohnhäuser im Stil des Klassizismus, Jugendstils und Barocks sowie das Parlamentsgebäude. Weiter geht es in das Viertel um den ehemaligen Marktplatz, heute der Gorgassali-Platz, wo sich zahlreiche Kirchen sowie die Synagoge befinden.  Zum Abschluss besuchen wir das Bäderviertel Abanotubani. Die ursprünglich 65 Schwefelbäder, von denen heute noch sieben in Betrieb sind, werden seit rund 700 Jahren genutzt. Einer Legende nach verdankt Tbilissi, was „warme Quelle“ bedeutet, diesem Ort auch seinen Namen.

Am Nachmittag erwartet uns die Leiterin des Kaukasischen Hauses Naira Gelaschwili. Die Germanistin und Übersetzerin leitet das Kaukasische Haus in Tbilissi – eine Einrichtung, die sich besonders für die Aussöhnung zwischen den Völkern des Kaukasus einsetzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Tätigkeit des Hauses ist die Arbeit mit Flüchtlingskindern. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten und jahrelanger Konflikte mit der ehemaligen Regierung von Saakaschwili – so sollte das Kaukasische Haus aus seinem Gebäude vertrieben werden – ist es Naira Gelaschwili bisher immer gelungen, mehrmals im Jahr ihre mehrwöchige Sonntagsschule für Flüchtlingskinder durchzuführen. Seit einigen Monaten liegt von Naira Gelaschwili mit der Novelle „Ich bin sie“ (Verbrecher-Verlag, Berlin 2017) ein weiteres Werk in deutscher Übersetzung vor.

Ausklingen lassen wir den Tag in einem Restaurant mit Köstlichkeiten der landestypischen Küche, wie dem Käsebrot Chatschapuri, und einem Glas guten georgischen Weins aus dem östlichen Landesteil Kachetien.

Schwefelbäder in Tbilissi Bild: Archiv

7. Tag (Sonntag)

Am Vormittag ist ein Treffen mit jungen Aktivisten vorgesehen, die uns auch einen Einblick in die alternative Kunstszene geben können. Der Nachmittag steht für eigene Erkundungen zur Verfügung. Optional ist es möglich, mit dem Historiker Davit Jischkariani auf den Spuren Stalins zu wandeln. Die Exkursion zu Fuß, die Jischkariani selbst ausgearbeitet hat, dauert circa zwei Stunden.

Abends gibt es ein gemeinsames Abendessen.

8. Tag (Montag)

Am Morgen machen wir uns zeitig auf den Weg nach Armenien. Die Busfahrt bis zur Grenze, die wir zu Fuß überqueren, dauert ungefähr zwei Stunden. Von der Grenze geht es weiter in den Ort Dilijan. Im Hotel empfängt uns der armenische Co-Reiseleiter, der Journalist und Turkologe Tigran Petrosyan, der uns für den Rest der Reise durch seine armenische Heimat begleiten wird.

Kirche am Sevan-See in Armenien Bild: Ruth Aping

Am Nachmittag besuchen wir das nahe gelegenen Dorf Filetowo. Hier leben die russischsprachigen Molokanen – eine Gemeinschaft des spirituellen Christentums, die sich von der Russisch-Orthodoxen Kirche getrennt hat. Die Molokanen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Russland aus nach Armenien eingewandert sind, leben ausschließlich von der Landwirtschaft. Diese betreiben sie auch heute noch so, wie vor hunderten von Jahren.

Nach unserer Rückkehr werden wir im Hotel in Dilijan zu Abend essen.

9. Tag (Dienstag)

Am Morgen ist Zeit für einen Besuch am Sevan-See. Der See hat eine atemberaubende Natur und ist mit ca. 1.240 Quadratkilometern der größte Süßwassersee des Kaukasus sowie mit einer Höhe von etwa 1900 Metern über dem Meeresspiegel einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Wir besichtigen hier auch das Kloster Sevananwank, das auf einer Halbinsel liegt. Von den Bauten ist nur noch eine Kirche erhalten.

Dann geht es weiter nach Jerevan. Nach dem Check-In in unserem Hotel erkunden wir die armenische Hauptstadt. Zu unseren Stationen zählen unter anderem die 1705 fertiggestellte Sorarwar-Kirche, die dem heiligen Gregor dem Erleuchteten geweihte Sourp-Krikor-Lusavorich-Kathedrale sowie die blaue Moschee, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Besichtigen werden wir auch das Herzstück Jerevans – den Platz der Republik, wo mehrere Ministerien angesiedelt sind. Jeden Abend bietet sich hier ein besonderes Schauspiel: Zu klassischer Musik ergießen sich aus einem Springbrunnen zahlreiche Fontänen, die bunt angestrahlt sind.

Nächtliche Springbrunnen in Jerevan Bild: Ruth Aping

Selbstverständlich dürfen bei einem Rundgang auch das in den 1930er Jahren errichtete Lichtspielhaus Moskau sowie die Kaskaden nicht fehlen – eine in den 1970er Jahren angelegte imposante Treppenanlage, die auf einen Hügel führt. Sobald man diesen erklommen hat, bietet sich ein beeindruckender Blick über die Stadt. Einen Besuch wert ist auch das Mashtots-Matenadaran-Institut, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Hier lagern 17.000 alte Handschriften aus Armenien. Diese reichen teilweise bis ins 6. Jahrhundert zurück. Abends essen wir in einem urigen armenischen Restaurant, das in einem Kellergewölbe untergebracht ist. Zu Gast wird Liana Badaljan sein, Projektleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Armenien.

10.Tag (Mittwoch)

Am Vormittag besuchen wir das online-Nachrichtenportal Epress.am. Epress ist eines der wenigen unabhängigen Medien in Armenien und setzt sich unter anderem auch kritisch mit dem offiziellen armenischen Standpunkt bezüglich des Konfliktes in Berg-Karabach auseinander. Das bringt den Mitarbeiter nicht selten Ärger ein.

Von epress geht es direkt in die Filmstudios Kildim – fast eine Art Familienbetrieb. Kildim ist eine  Zeichentrickserie, die den Konflikt um Berg-Karabach thematisiert. Die satirische Serie hat nicht nur in Armenien, sondern auch in Aserbaidschan viele Zuschauer.

Am Nachmittag treffen wir uns mit Zaruhi Hovhannisyan. Die ehemalige Journalistin und heutige Menschenrechtsaktivistin ist Koordinatorin der „Frauenkoalition“. Dieser Dachverband von sieben Frauenzentren hat sich vor allem dem Kampf gegen häusliche Gewalt, die vor allem Frauen betrifft, verschrieben. Im Rahmen des Treffens besteht auch die Möglichkeit, sich mit Opfern auszutauschen. Unser Abendessen findet in einem armenischen Restaurant statt, das für seine große Auswahl an Schaschlik, dem Leibgericht der Armenier, bekannt ist.

11.Tag (Donnerstag)

Am Morgen lernen wir einen Familienbetrieb kennen, der in einem ehemaligen sowjetischen Fabrikgebäude untergebracht ist. Hier werden orientalische Kaffeekannen vertrieben. Danach besuchen wir den Ort Wagharschapat (Etschmiadsin). Die in der Nähe von Jerevan gelegene Kleinstadt war zwischen 180 und 340 n. Chr. die Hauptstadt Armeniens und stellt nach wie vor ein religiöses Zentrum des Landes dar. Hier befinden sich viele wichtige sakrale Baudenkmäler wie die Kathedrale von Wagharschapat – ein Paradebeispiel klassischer armenischer Architektur. Die Kirchen gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Ausstellungsobjekt in der Genozid-Gedenkstätte in Jerevan Bild: Ruth Aping

Danach geht es zum Denkmal für die Opfer des Genozids. Das Monument, dass an die 1,5 Millionen armenische Opfer des Völkermords durch die Türken im Jahre 1915 erinnert, liegt auf dem Jerevaner Hügel Zizernakaberd. Es setzt sich aus zwölf Basalt-Stelen zusammen, die sich über ein Ewiges Feuer neigen. Ein spitzer, in den Himmel ragender, Obelisk symbolisiert die Wiedergeburt des armenischen Volkes bzw. Ostarmeniens. Anlässlich des 100. Jahrestages des Genozids 2015 wurde die Gedenkstätte in manchen Teilen vollständig umgestaltet.

Nach dem Besuch des Mahnmal gibt es noch Zeit für individuelle Aktivitäten. Unseren letzten Abend verbringen wir in einem Restaurant mit armenischer Livemusik.

Frauen in einem Park in Jerevan Bild: Ruth Aping

12. Tag (Freitag) 

Am frühen Morgen um 6.30 Uhr fliegen wir von Jerevan über Kiew nach Deutschland zurück. Ankunft in Berlin Tegel ca. 14.20 Uhr.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 17.1.2018

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.