Die Nachfrage nach unabhängiger Patientenberatung wächst, und immer noch sind es vor allem Frauen, die Hilfe suchen. Ganz autonom ist die Beratung jedoch nicht von Jan Zier

Machen zwar den Mund auf, reden aber zu wenig mit ihren Patienten: Dentisten Bild: dpa
BREMEN | taz Können Sie einen guten Neurologen empfehlen? Nein, das können sie auch bei der Unabhängigen Patientenberatung Bremen (UPB) nicht. „Dieser Bitte kann nicht erfolgreich entsprochen werden“ heißt es dazu in dem jetzt vorgestellten Tätigkeitsbericht der UPB für 2011. Denn objektive Daten dazu gebe es nicht, subjektive Einschätzungen aber wolle sie nicht abgeben, und zu Arztbewertungsportalen im Internet sagt sie gar nichts. Außerdem wird die Beratungsstelle der UPB nicht nur vom Bremer Senat, sondern auch von der Ärztekammer, der Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen getragen, da kann man sich auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
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Eher schon können sie bei der UPB eine passende Klinik empfehlen, wenn man, sagen wir mal, ein neues Hüftgelenk braucht. Da gibt es zumindest den Bremer Krankenhausspiegel, allerdings mit Zahlen von 2009, und die „Weisse Liste“ von der Bertelsmann-Stiftung. Der Bedarf an der Arbeit der UPB hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen: 5.808 Beratungen waren es im vergangenen Jahr – das sind 440 mehr als 2010, und über 300 mehr als 2009. Allerdings wächst das Interesse nicht kontinuierlich: 2007 und 2008 etwa gab es mehr Beratungen als im vergangenen Jahr, in den Jahren davor hingegen weniger. Doch die Vorgeschichten werden „immer komplizierter“, so die UPB, und die Zahl jener Fälle, in denen PatientInnen bei der Durchsetzung ihrer Interessen unterstützt werden wollen, nimmt seit 2006 stetig zu. Deutlich angestiegen ist über die Jahre auch die Zahl jener Beratungen, in denen es nicht nur um bloße Information geht, sondern die eines mehr oder weniger langen Gespräches oder aufwändigerer Recherche bedarf.
Da war zum Beispiel eine 70-jährige, „nicht ganz schlanke Frau“ mit Gebärmutterkrebs. Doch bei der Operation wurde ihr auch eine „Fettschürze“ entfernt, ohne ihr Wissen, wie die Frau sagt, ohne ihr Einverständnis, und obwohl sie mit ihrem Aussehen durchaus zufrieden war. Die Wunde entzündet sich ob der entfernten Fettschürze. Die Nachbehandlung dauert ein ganzes Jahr, das Schlichtungsverfahren ein weiteres. Am Ende bekommt die Frau von der Versicherung statt der zunächst angebotenen vier- eine fünfstellige Entschädigungssumme. Aber keine Entschuldigung vom Arzt. In einem anderen Fall vergass der Operateur bei einer 40-Jährigen ein Tuch in der Bauchhöhle – Arzt und Klinikleitung entschuldigten sich hier offiziell und die Versicherung zahlte anstandslos ein Schmerzensgeld in vierstelliger Höhe. Viele PatientInnen wollten jedoch keine Entschädigung, so die UPB, sondern vor allem eine Entschuldigung.
Die Unabhängige Patientenberatung Bremen (UPB) wurde 1998 gegründet, ist aber - anders als der Name nahelegt - kein regionaler Ausleger der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Die wird unter anderem von den Verbraucherzentralen der Bundesländer getragen, unterhält aber kein eigenes Büro mehr in Bremen. Die UPB beschäftigt in Teilzeit vier Beraterinnen. Telefonische und schriftliche Anfragen sind kostenfrei, für persönliche Gespräche werden inzwischen zehn Euro verlangt.
Vor allem Frauen gehen zur UPB, in den 14 Jahren ihres Bestehens machten Männer stets nur ein Drittel der zuletzt 3.624 Ratsuchenden aus. Rund 450 davon kamen aus Bremerhaven und umzu, etwa 2.500 wohnen in Bremen oder dem Umland. Professionelle HelferInnen wenden sich hingegen eher selten an die UPB, in aller Regel kommen Laien.
Bei jeder fünften eingehenden Frage sind die Zähne das Thema, und meist geht es dann um Zahnersatz. „Ein Großteil dieser Anfragen ist der häufig nicht ausreichenden Kommunikation der Zahnärzte mit ihren Patienten geschuldet“, so die UPB. Ein Problem beileibe nicht nur der Dentisten, wie der Jahresbericht immer wieder klar macht. Auch dass viele Menschen keinen Hausarzt mehr hätten oder jedenfalls keinen, der sich als „Lotse“ im Gesundheitssystem verstehe, sei ein „zunehmendes Problem“.
An anderer Stelle sind die Menschen dafür besser informiert: Wenn es um Patientenverfügungen gehe, komme es „nur noch selten“ vor, dass Ratsuchende nur ganz vage Vorstellungen haben.
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