Eurokrise, Ungerechtigkeit und Niedriglöhne: Linke müssten mehr dagegen tun, meint der Journalist Robert Misik. Sein Plan stößt bei taz.de-Lesern auf ein geteiltes Echo. von Christian Gehrke

Ein Schild hochzuhalten reicht eben doch nicht. Die Taz-Leserinnen streiten sich um einen 10 Punkte-Plan für eine bessere Welt. Bild: dapd
BERLIN taz | Für eine gerechtere und bessere Welt sollte die politische Linke zu hundert Prozent an einem Strang ziehen, schrieb der Wiener Journalist Robert Misik in der taz.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
In seinem Beitrag „Das machen wir doch mit links!“ wollte der Autor mit einem 10 Punkte-Plan motivieren und antreiben. Doch seine Vorschläge lösten bei den taz.de-Lesern sehr unterschiedliche Reaktionen aus: „Praktisch wird die schöne Idee wie immer an den Egoismen der Protagonisten scheitern. Denn neu ist das ja alles nicht...“, schreibt der Leser „snailfinger“.
Misik erhält vorab viel Lob: „Sehr guter Kommentar! Bitte an alle schicken, die in den betreffenden Parteien mitreden. Und offensichtlich bedarf es auch des Druckes von unten, von der Basis, von der Straße, daß sich die roten, rosa, grünen Kräfte auf ihre eigentliche Mission besinnen und diese Punkte angehen“, so taz.de-Kommentator „Peter“.
1. Es geht nicht gerecht zu. Aber das kann man ändern
2. Ungerechtigkeit schadet. Gerechtigkeit nützt
3. Gerechtigkeit nützt aber nicht nur wirtschaftlich
4. Die Löhne müssen steigen
5. Reformiert die Europäische Union!
6. Investieren statt blöd sparen
7. Reguliert die Finanzmärkte!
8. Ein besseres Leben für alle
9. Der Green New Deal
10. Wohlfahrt und Freiheit
„Ein wirklich guter Artikel, der ein altes Problem der sog. linken Parteien gut aufzeigt und gleicheitig bittet, sich doch mal an das Notwendige zu erinnern, und an die Gemeinsamkeiten“, schreibt User „Caana“.
Doch ob sich so ein Plan wirklich umsetzen lässt, bezweifeln einige Leser. „Kalle Peters“ schätzt die 10 Punkte sehr differenziert ein und antwortet dem Autor direkt: „Lieber Herr Misik, punkt 5, 6 und 7 sind der Grund warum den linken Parteien leider oftmals nicht mit dem nötigen Ernst gegenüber getreten wird. Ansonsten können sich Parteien aller Couleur auf Phrasen einigen!“
„Michael Klein“ stößt ins gleiche Horn: „Alles Richtig!!! Aber der Fehler liegt im System, dieser heist Zins und Zinseszins.“
Neben Zustimmung von den taz.de-Lesern erntet der Autor auch harsche Kritik. User „Andreas“ ist über den Plan empört: „und was hat das jetzt mit LINKS zu tun ?!“ „Nichts Neues“, äußert sich „Joachim Lang“.
„Erschreckend auch, wie Misik am Anfang von 'vernünftigen Leuten' schreibt - er spricht also Nicht-Linken die Vernunft und damit letzten Endes das Recht auf demokratische Mitwirkung ab. Linken verrutscht eben doch immer wieder die Maske“, sagt User „tommy“.
Die 10 Punkte sind wohl auch für Leser „Hartmut“ keine Neuigkeit: „Die Linke ist doch schon seit den Zeiten von Marx und Lasalle in sich zerstritten. Seit jeher waren ihr Flügelkämpfe wichtiger als die Sache. Deshalb fällt es ihr ja auch so schwer, die im Volk herrschende Stimmung in Regierungsmandate umzusetzen.“
„HamburgX“ spricht der taz sogar sämtliche Kompetenzen ab:„Die Löhne sinken seit 15 Jahren.“ Schon dieser Satz ist sachlich falsch. Und wenn man schon Schwierigkeiten hat, die Realität wahrheitsgemäß zu beschreiben, wird es nichts mit einer Einigung. Es kann doch nicht sein, dass hier bei der taz netto/brutto bzw. Lohnhöhe und Lohnhöhe nach Abzug der Inflation durcheinander gebracht wird.“
Für so einen Plan würden die Vorraussetzungen fehlen, meinen anderen Leser.
„Wenn man versucht die finanziellen Mittel von der Oberschicht wieder auf die gesamte Bevölkerung zu verteilen, passiert das gleiche wie wenn man einem Fünfjährigen von seinen 20 Matchbox-Autos eins weg nimmt - großes Geschrei!“, so der User „Ich bin's“.
„Diese wunderbaren Regeln setzen voraus, daß sich die Politik als erstes der Probleme der gebeutelten Bevölkerung (die sind ja angeblich der Staat) annimmt.“ schreibt „Boiteltoifel“.
Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.